Manchmal hat es auch sein Gutes, wenn man nicht gleich dazu kommt, Veranstaltungen oder Events zu kommentieren. Mit 2-wöchiger Nachdenkpause zur Web 2.0 Expo von und mit Tim O’Reillys Verlag und dem BarCampBerlin2 lassen sich interessante Lehren aus den Veranstaltungen ziehen. Beides sind an sich US-amerikanische Erfindungen. Doch wenn man die Reviews betrachtet, dann war nicht nur ich mit dem BarCamp zufriedener als mit der unpersönlichen Web 2.0 Konferenz.

Dabei sind auch die Web 2.0 Konferenzen in den USA nicht anders aufgebaut als jene in Berlin. Ich war 2005 bei der zweiten Web 2.o Konferenz in San Francisco und war überrascht, dass nur 2 Besuchergruppen auszumachen waren. Vor allem die Gruppe der damals schon großen Namen der Szene war vertreten und hat sich mit der Gruppe der Business Angels und Venture Capitalists getroffen. Auch dort kein Spirit Web 2.0, sondern Big Business. Der Unterschied zu Berlin war, dass in San Francisco O’Reilly diesen Spirit noch beschworen hat. Jetzt hat auch er ihn ad acta gelegt. Nachzulesen, wie auch eine Menge anderer Präsentationen auf Slideshare.

BarCamps, egal ob in Berlin, Palo Alto oder sonst wo auf der Welt sprechen eine ganz andere Zielgruppe an. Auch wenn beim BarCampBerlin2 die Slides in mixxt.de oder auf Slidestar vergraben sind, hier ist Offenheit und Partizipation das Thema. Der Ansatz wurde von der ersten Veranstaltung an gelebt. Das Publikum in Berlin war anders als in Wien, der Ablauf war anders organisiert und mir kam vor, es waren mehr Einzelunternehmen als Firmen vertreten; anders als in Wien oder Palo Alto. Aber es war ein BarCamp, war so informativ und so locker wie es sein muss. Es war eine richtungsweisende Entscheidung beim ersten BarCamp 2005 das KnowHow zur Verfügung zu stellen und nicht eine Konferenzserie starten zu wollen. Das Credo ist informieren und nicht kontrollieren. Dafür lässt sich aber eben direkt kein Geld machen.

Ein Veranstalter und Verlag wie O’Reilly wird seine Vorstellungen und Konzepte einer Konferenz schon wegen des Geschäftsmodells wegen immer nur mit “professionellen” Partnern wie der Messe Berlin an andere Orte transferieren. Da geht der lokale Charme schnell verloren. Ist doch auch schön, dass Export-Ideen dann global am besten funktionieren, wenn sie auf lokale Gegebenheiten Rücksicht nehmen können.


Geschrieben von am 23. November 2007 | abgelegt unter Events, experten, web 2.0