Twitter Sisters, unite!

Dass Twitter ein sehr männlich dominiertes Medium ist, hätte ich bis heute mit meinem Bauchgefühl argumentiert. Um den Kurznachrichtendienst und mein persönliches Nutzungsverhalten auf die Probe zu stellen, habe ich meine Twitter Activity unter die Lupe genommen. Das Ergebnis ist nicht zufriedenstellend, daher habe ich ein 6-Punkte-Programm zur Frauenförderung auf Twitter erarbeitet.

Die Hard Facts

In Österreich gibt es es rund 69.000 Twitter Accounts. Etwa 30.000 davon sind auch wirklich aktiv (vgl. Social Media Radar). Wieviele davon von Männern bzw. Frauen betrieben werden, kann nicht automatisiert festgestellt werden, da die Angabe des Geschlechts bei der Registrierung nicht verlangt wird und zudem zahlreiche Institutionen Twitter für ihre Kommunikation nutzen. Sehr wohl messbar, ist allerdings der Unterschied in der Aktivität der Top-Twitter-Userinnen und -User. Schon der erste Blick auf den „Social Media Radar“ Österreich vom 4. März 2012 zeigt, dass unter den Top 10 nur zwei Frauen (@IngridThurher und @corinnamilborn) neben vier Männern und vier Institutionen den Eingang in die Bestenliste finden. Gemessen werden im Ranking jene Accounts, die erstens einen österreichischen Ort in ihrem Profil ausweisen und zweitens als aktive Accounts gelten, also in den letzten 28 Tagen mindestens einen Tweet gesendet haben. Dass Rankings jenen Effekt haben, dass die Vorneplatzierten durch das Ranking noch mehr Aufmerksamkeit bekommen, ist bekannt. Die Top-UserInnen (überwiegend Männer) werden somit noch fester im Sattel verankert. Für QuereinsteigerInnen, vor allem für Frauen wird das Einnehmen einer Spitzenposition durch die Existenz des Rankings erschwert. Dennoch, die Liste schafft Bewusstsein, wenn man sie denn reflektiert liest.

Retweets als Steigbügel

Wie kommt es aber nun zustande, dass so viele Männer das Ranking anführen, bzw. wie kommt es, dass ein ganzes Medium männlich dominiert zu sein scheint. Die Antwort ist Reputation. Also das symbolische Kapital eines Users/einer Userin, deren Anerkennung und Legitimität. Die Mechanismen, die zu einer positiven Reputation beitragen, sind auf Twitter einfach zu erkennen: Mentions, Retweets und Favourites. Je öfter eine Person mit dem @-Zeichen in einem Tweet erwähnt ist (Mention), je öfter ein Tweet einer Person geretweetet wird (RT), je öfter der Tweet einer Person favorisiert, also mit einem Sternchen versehen wird, desto mehr steigt die Reputation und damit die Zahl der Follower und somit auch die Platzierung im Ranking. So schließt sich der Kreis. Ein Pushing-Mechanismus, der eigentlich altbekannt ist: Was für die wissenschaftliche Reputation das Zitat ist, sind Retweets für die Twitter Credibility.

Der Selbst-Test

Im Jänner habe ich mein eigenes Twitter-Verhalten unter die Lupe genommen. Habe händisch gezählt, wieviele Frauen und wieviele Männer ich in Tweets markiert habe, wieviele Favourite-Sternchen ich welchem Geschlecht für gute Meldungen gegeben habe und wie oft ich die weiblichen bzw. männlichen UserInnen geretweetet habe. Das Ergebnis fand ich schockierend:

  • 163 Männer wurden von mir markiert (und nur 99 Frauen).
  • 29 Männer-Meldungen hab ich favorisiert (und nur 20 von Frauen).
  • Und 22 mal habe ich einen User geretweetet (nur zehn mal eine Frau).

„Skandal!“, dachte ich. „Ich bin doch so feministisch und sensibilisiert. Ich interessiere mich doch für Frauenpolitik und folge ganz vielen großartigen weiblichen Persönlichkeiten.“

fEmpowerment Checklist

Um dieses Ungleichgewicht zu ändern, habe ich eine Checkliste erstellt, die dazu beitragen soll, dass die Reputation von Twitter-Userinnen steigt – also ein 6-Punkte-Programm zur gegenseitigen Unterstützung. Und ich glaube ganz fest daran, dass sich dieses mächtige männliche Konstrukt zu bewegen beginnt, wenn nur genug Frauen mitmachen und folgende To Dos erfüllen:

1.) Frauen folgen!

Wer Frauen folgt, steigert dadurch nicht nur deren Followerzahl und katapultiert sie dadurch in Rankings nach oben, sondern verleiht dadurch dem eigenen News Feed auch mehr weibliche Perspektiven und hat zudem öfter die Gelegenheit, auf diese UserInnen zu reagieren.

2.) Standort angeben!

Für österreichische Rankings werden lediglich Follower gezählt, die auch einen Standort innerhalb des Landes angegeben haben. Willst du im Sinne deiner Twitter-Kolleginnen mitgezählt werden, dann weißt du, was zu tun ist.

3.) Frauen retweeten!

Einen RT zu machen, bedeutet, dass alle eigenen Follower die Meldung dieser Userin ebenfalls zu sehen bekommen. Du verleihst der Meldung dieser UserInnen mehr Aufmerksamkeit und wem’s gefällt, der/die folgt ihr vielleicht dadurch.

4.) Frauen markieren!

Mit jeder Erwähnung durch das @-Zeichen steigt das Aktivitätslevel einer Userin. Chart-Listen wie das „Social Media Ranking“ beziehen das in ihre Wertung stark mit ein.

5.) Frauen empfehlen!

Empfehlungen für andere Twitter Userinnen sind jederzeit möglich, besonders häufig werden sie aber an Freitagen unter dem Hashtag #ff (follow friday) getätigt. Begründungen für die Empfehlung bewirken übrigens mehr als eine bloße Auflistung von Frauennamen. Dabei unbedingt via @ auf die Userin verlinken.

6.) Listen anlegen!

Twitter-Listen haben den Vorteil, dass man auf einen Schlag alle UserInnen sieht, die zu einem Thema zusammengefasst wurden. Also, einfach durchscrollen und allen (spannenden) Frauen folgen. Und so könnte solch eine Liste aussehen: https://twitter.com/#!/lisafuchs/folgenswerte-frauen.

Auf, auf zum Kampf!

Und damit aus der Twitter-Frauen-Revolution auch wirklich was wird, bitte ich darum, die ersten Punkte der Checklist noch heute zu erfüllen, diesen Blogbeitrag weiterzuschicken und zu verlinken und nicht damit zu sparen, die Twitter-Schwestern zu unterstützen.

Über weitere Tipps zur Twitter-Frauenförderung freue ich mich ebenso wie über Empfehlungen, welcher Frau frau noch folgen sollte. Und by the way: Follow me @lisafuchs!

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2 Antworten

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  2. 5. Dezember 2012

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