Facebook, Amazon & Co nur #2: Wo Große Federn lassen
Sie ist kaum zu überhören die Angst vor Google, Facebook und Co. “Die Google Falle”, “Der Google-Code” oder “Der Google-Komplex” heißen die boomenden Bücher über Machtmonopole im Internet. Die weltumspannende Monopolstellung der ganz großen amerikanischen Internet-Firmen macht misstrauisch. Vom Vertrieb echter Waren bei Amazon über den Austausch von Anerkennung und Freundschaften bei Facebook bis zum digitalen Krämerladen bei Craigslist: Die Macht über die Daten von Millionen KundInnen liegt in den Händen von in Nordamerika gegründeten Weltkonzernen. Möchte man meinen.
Leboncoin, Kijiji, Vkontakte und Rakuten heißen vier Platzhirsche, die auf ihren Märkten US-Riesen in Schach halten. Frankreichs „gute Ecke“ bootet im 65-Millionen-EinwohnerInnen-Land ebay aus. Leboncoin.fr ist die neuntmeistbesuchte Seite des Landes, der US-Konkurrent liegt nur auf Platz zwölf. Im Land der staatlichen Sprachkommission, die eigene französische Worte für englische Originale wie Computer und Joystick erfindet, ist es aber auch nicht weiter verwunderlich, dass ein heimischer Anbieter an der Spitze der digitalen Handelsbörsen liegt. Ähnlich in Schweden: Blocket.se haben sieben von zehn dort schon einmal angeklickt, ebay liegt dahinter.
Kleines Dorf ganz groß
8.000 Kilometer weiter ist das ganze Land ein „Dorf“. Das heißt wörtlich zumindest der Swahili-Begriff, nach dem die kanadische Craigslist-Konkurrenz benannt ist. Gutes Branding hilft eben: Kijiji vergisst man nicht so schnell. Der Haken daran, dass das consumer-to-consumer-Portal in Kanada den Riesen Craigslist schlägt: Es gehört seit 2009 selber zu einem Riesen. Ebay hat Kijiji 2009 endgültig geschluckt.
Anders in Vladimir Putins Reich, jüngst im politischen Clinch mit den Vereinigten Staaten, was die Vorgangsweise gegen Syriens Diktator Assad betrifft. Den Clinch am digitalen Kontaktmarkt entscheidet nicht Mark Zuckerbergs Netzwerk mit 900 Millionen UserInnen für sich, sondern ein lokaler Anbieter. Vkontakt.ru ist die viertmeistbesuchte russische Internet-Seite, Facebook liegt auf Platz acht. Die Relevanz der Statistik ist allerdings fraglich: Denn Vkontakt erlaubt anonyme Profile, das bringt viel Spamming und allerlei zwielichtige Kontaktaufnahmen mit sich.
Japans sportliche #1
Unzweifelhaft dagegen ist die Erfolgsgeschichte von Rakuten. Das „japanische Amazon“ schlägt den US-Riesen um Längen. Und zwar sowohl was die Zugriffe als auch was das Handelsvolumen betrifft. 72 Millionen UserInnen, das sind sechs von zehn JapanerInnen, ermöglichen dem Konzern, Reiseplattform, Blogportal und Online-Handelsplatz gleichzeitig zu sein und ein eigenes Baseball-Team zu besitzen. Spätestens da ist der Platzhirsch im Land der aufgehenden Sonne den Weltkonzernen sogar einen Schritt voraus. Was Rakuten, Magna oder Red Bull geschafft haben, ist in den USA schwer vorstellbar.
Green Ebay Packers oder Los Amazon Lakers? Den Shitstorm würden die gepflegten Marken der Traditionsvereine nicht überleben.
Der Vollständigkeit halber: Die Idee dieser Recherche stammt nicht von mir. Geklaut von Erin Biba und Lisa Katayama, die die Zahlen im „Wired“ von März 2012 veröffentlicht haben.
Geschrieben von Paul Aigner am 18. Juli 2012 | abgelegt unter Facebook, Social Media
Keine Kommentare »
