Martin Schneidewind schlägt Gerhard Dörfler
Sommerloch: Die Zeit zwischen Anfang Juli und Anfang September, wenn die kroatischen Küsten, alpinen Almen und Wiener Freibäder voller Menschen sind, die doch eigentlich als KundInnen, KonsumentInnen und WählerInnen ansprechbar sein sollten. Sind sie aber nicht. Deswegen läuft die Politik auf Standby. Deswegen werden die Gratiszeitungen merklich dünner, weil keine Werbeanzeigen für die beste Installateurin Transdanubiens, den Friseur um die Ecke oder die beste Wirtin im Grätzel geschalten werden. Ende August fängt dann das Europäische Forum Alpbach an und es wird langsam ernst: Es gibt endlich wieder Substanzielles zum Schreiben und zum Lesen. Alpbach läutet jedes Jahr wieder einen „heißen Herbst“ ein, weil auf die laue Nachrichtenlage im Sommer ja irgendwas folgen muss. Und weil Stabreime schon immer funktioniert haben.
Der König des Sommerlochs
datenwerk hat mit dem Opinion Tracker, dem hauseigenen Social Media Monitoring Tool, den König des Sommerlochs ermittelt. Der heißt Martin Schneidewind. Hä? Nie gehört? Dachten wir auch. Aber der Wiener schlägt Sommerloch-mäßig sogar Kärntens strudelnden Landeshauptmann Dörfler, die sich mit in Sommerferien befindlichen LehrerInnen raufende Unterrichtsministerin Claudia Schmied und den doch-nicht-Häfenbruder Uwe Scheuch. Wie das kommt?
Martin Schneidewind hat Mitte Juli gegenüber von seiner Wohnung etwas Eigentümliches bemerkt: Einen Stoffbären im Fenster am Gaudenzdorfer Gürtel in der Bundeshauptstadt. Aber keinen kleinen, sondern einen Lebensgroßen. Die klassischen Medien ebenso wie die etwas sommermatte Twitteria stürzte sich auf den „Gürtelbären“. Martin Schneidewind schrieb einen Song für das Plüschgetier. Und zack! Zwar schrieben alle Medien, dass sie sich ja nur wegen des Sommerlochs mit so einer Absurdität beschäftigten. Aber sie schrieben trotzdem über Martin Schneidewind und über den Gürtelbären und machten sie zu Österreichs kuriosestem Sommerphänomen. Als hätten wir keine OlympionikInnen, keinen Dagobert Duck am Weg ins Bundeskanzleramt und kein Fußballteam, das ausnahmsweise einmal ein Spiel gewinnt.
Auf seine 15 minutes of fame müsste Martin Schneidewind jetzt noch einen draufsetzen. Sonst verschwindet der Gürtelbär und der Dörfler bleibt. Was ja auch irgendwie verkehrt wäre.
Geschrieben von Paul Aigner am 20. August 2012 | abgelegt unter experten, Opinion Tracker, Social Media
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