…und morgen das ganze Web.

Symbolbild Frauen TwitterVor Kurzem hat ein sehr aufschlussreiches Online-Spielzeug die Runde gemacht: „Do you think about sex on twitter?“, fragen die ProgrammiererInnen von http://twee-q.com/. Und meinen damit natürlich nicht Sex, sondern Geschlecht. Da haben sich viele Männer und auch viele Frauen gewundert, wessen Nachrichten sie weiterverbreiten. Und vor allem wessen Nachrichten seltener: Nämlich die von Frauen.

Das unterstreichen auch die Ergebnisse der österreichischen Twitterpolitik-Studie. 268 Männer und 68 Frauen wurden als wichtige österreichische KommunikatorInnen im Zwitschermedium ausgemacht. Eine amerikanische Studie kommt zum Ergebnis, dass das auch daran liegt, dass Männer und (!) Frauen eher die Meldungen von Männern weiterverbreiten und eher Männern folgen, als Frauen.

Foto Netzwerk Twitterpolitik

Längst die halbe Bäckerei

Dabei haben Frauen Social Media längst übernommen. Eine weitere US-Studie hat die UserInnen der 24 größten Sozialen Netzwerke gegendert untersucht und herausgefunden: Bis auf Nerd-News-Seiten wie Slashdot und Hacker-Pages wie Hacker News und Stack Overflow dominieren in fast allen Social Media – Angeboten Frauen. Facebook hat 60% Frauenanteil, Tumblr sogar 63%. Pinterest, ein bilderlastiges Medium und Goodreads, ein Büchernetzwerk, sind sowieso weiblich dominiert. Aber auch die Blog-Seiten Blogger und WordPress werden, zumindest in den Vereinigten Staaten, mehrheitlich von Frauen genutzt.

Steter Tropfen

Erste Versuche feministischer Vernetzung in der österreichischen Twitteria hat unter anderem datenwerkerin Lisa Fuchs gestartet, seitdem gibt’s viele weibliche #ff am female follow friday.

Letzte Woche gab’s das erste netzfeministische Bier in Wien, zu dem Brigitte Theißl, die Autorin des feministischen Blogs „denkwerkstatt“, eingeladen hat.

Im Rahmen der E-Business-Community wurde am 23. August das Thema aufgegriffen und eine Podiumsdiskussion dazu veranstaltet. Aufgefallen ist unter anderem, dass 4 Frauen auf dem Podium saßen, um über Sichtbarkeit und Schaukämpfe im Social Web zu diskutieren. Wann sieht man das sonst schon, außer bei Gender-Themen?

In ihrer Keynote machte die Film- und Medienwissenschafterin Jana Herwig darauf aufmerksam, dass die gängigen Rankings über die wichtigsten TwittererInnen in Frage zu stellen sind. Gemessen werde nur die Anzahl der FollowerInnen, nicht messbar sei die Qualität der Unterhaltungen und der Informationen. Außerdem ist Twitter vor allem ein von JournalistInnen dominiertes Netzwerk, das nicht als Abbild der realen Welt wahrgenommen werden darf. In anderen Netzwerken sei das Geschlechterverhältnis längst ausgeglichener.

Sichtbarmachen

Ein wissenschaftlicher Zugang tat der Veranstaltung vor 40 – übrigens ziemlich gender-gebalanceten – Interessierten gut. Viel zu häufig wird die Geschlechterfrage im Kontext der Nutzung von Social Media nur von ökonomischer oder politischer Seite betrachtet. Am Wichtigsten bleibt: Das Geschlechterverhältnis wird diskutiert. Und das Sichtbarmachen struktureller Ungleichheit war, ist und bleibt der erste Schritt zur potenziellen Überwindung der alten Kräfte- und Machtverhältnisse.

 

 

1 Antwort

  1. Ingrid Gogl sagt:

    Der Richtigkeit halber muss ich hier noch hinzufügen, dass zum netzfeministischen Bier Wien zwei Frauen aufgerufen haben: Die im Beitrag erwähnte @denkwerkstatt und @leotanczt.

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