Was kommt nach dem Aufstieg?

Der zweite Blick auf Google+.

Zwei Monate ist es nun her, dass das neue Super-Social-Network Google+ den Weg in die digitale Öffentlichkeit fand. Den intensiven und kritischen Analysen der Branche hielt Google+ anfangs stand. Aus gutem Grund war der erste Hype rund um die Facebook-Konkurenz enorm: Kein Social Media Dienst ist bisher so schnell gewachsen. Google+ verzeichnet mittlerweile rund 18 Millionen geschätzte UserInnen. Eine offizielle Mitgliederzahl hat das Unternehmen allerdings bisher nicht veröffentlicht. Aber – und diese Zahl ist gesichert – nur rund 2,5 Millionen UserInnen weltweit verwenden ihren Account auch. Diese „aktiven“ NutzerInnen misst die Plattform bereits ab einem erstellten öffentlichen Post. Nach der ersten Etablierungsphase des Mediums stellen sich nun also mehrere Fragen: Soll man auf Google+ gehen? Was bringen die Circles wirklich? Wie wirkt sich das neue Network auf die eigene Social Media Strategie aus? Und was passiert jetzt mit Facebook?


Wer fürchtet sich vor Google+?

Dass das neue soziale Netzwerk eine Mischung aus Facebook und Twitter sein sollte, war schnell klar. Das offene Follower-Prinzip des Microblogging-Dienstes gepaart mit der Networking- und Publikations-Logik des Zuckerberg-Systems begeisterte die UserInnen und die KritikerInnen. Dass dieser Mix aber weniger Facebook, als Twitter schaden würde, hätte anfangs niemand gedacht. Vor allem in Österreich, wo die Twitteria in erster Linie aus Netz-AktivistInnen, BloggerInnen und webaffinen JournalistInnen besteht, hat sich gezeigt, dass eben diese Gruppe auch die Early Adopter von Google+ waren. Ob Twitter ernsthaft gefährtet ist, wird letztendlich davon abhängen, ob die Armin Wolfs, Corinna Milborns und Hubert Sickingers dieses Landes den 140 Zeichen treu bleiben, oder nicht.

Wer nutzt Google+?

Neben der Einschätzung der tatsächlich aktiven Google+ NutzerInnen als netzaffine Geeks, können die Mitglieder des Netzwerks auch aufgrund demographsicher Merkmale identifiziert werden. Die Google+ Members sind reiche, weiße Männer in den besten Jahren. Übersetzt in Zahlen bedeutet diese polemische Ableitung Folgendes: 60 Prozent der UserInnen weltweit sind männlich. Die größte UserInnengruppe nach Alterseinteilung sind 25- bis 34-Jährige. Sie machen 40 Prozent der gesamten UserInnen aus. Und: Die Mehrheit der Google+ UserInnen hat ein Jahreseinkommen von mehr als 60.000 Dollar, insbesondere die Gruppe ab 150.000 Dollar ist stark vertreten.

Die Assets des Neueinsteigers

Google+ baut momentan ausschließlich auf private Profile, Firmenprofile sind zwar in Arbeit, lassen aber bis dato auf sich warten. Für viele Unternehmen, Organisationen und Personen öffentlichen Lebens ist das ein Grund, an Facebook festzuhalten. Die Nase vorn hat Google+ letztendlich nur bei zwei Funktionen: dem Gruppen-Video-Chat und dem für die Suchmaschinenoptimierung relevanten Linkbuilding. Denn, no na, bevorzugt Google bei der Erstellung der Reihenfolge seiner Suchergebnisse jene Seiten, die im eigenen sozialen Netzwerk gepostet wurden. Alle anderen Anwendungen erfüllt der Konkurrent Facebook ebenso.

Mythos Circles


Als absolute Innovation ließen sich anfänglich die Circles auf Google+ abfeiern. Und ja, in dieser präsenten Form und mit der Intuitiv-Lösung drag-and-drop, um Kontakte zuzuordnen, bietet Google+ hier auch eine gelungene Möglichkeit, die eigenen Messages gezielter streuen zu können. Dennoch muss erwähnt werden, dass die Idee dahinter nicht neu ist. Facebook bietet mit seinen Freundeslisten diese Möglichkeit der Kontaktverwaltung schon lange, unglücklicherweise ist die Funktion dort aber sehr versteckt. Letztendlich stehen UserInnen, die die Circles bzw. Freundeslisten als Costumer Relationship Management Tool verwenden wollen, vor der Situation, dass sie nun auf Facebook ihre durchschnittlich 400 FreundInnen auf einen Schlag sortieren müssten – ein mühsame und langwierige Hack´n. Im Gegensatz dazu scheint es eine leichtfüßige Tätigkeit nebenbei zu sein, die eigenen Circles hin und wieder mit den zwei bis drei neuen Kontakten zu versorgen. Fair ist diese überschwängliche Sichtweise auf die Google+ Circles also nicht, bequem aber alle mal.

Facebook zieht nach


Wenige Wochen nach dem Start von Google+ war auch für Facebook einmal mehr Relaunch-Zeit. Dabei fällt auf, dass vor allem die Möglichkeit, den eigenen Post nur einer bestimmten Zielgruppe zugänglich zu machen, mehr in den Vordergrund rückte – definitiv eine Kopie der Google+ Veröffentlichungsstrategie. Auch dass die Zuckerberg Company in Sachen Kommunikationstools aufrüsten will, verkündete der Facebook-Gründer schon vor einem halben Jahr. Persönlich geschätzte Zeit bis zum Launch der Gruppen-Video-Chat-Funktion auf Facebook: drei Monate.

Zusammengefasst lässt sich sagen: Ja, es ist sinnvoll als Person ein Google+ Profil zu haben und die Trends zu beobachten. Ja, es ist sinnvoll die Circles von Anfang an durchdacht anzulegen und regelmäßig zu pflegen. Ja, man darf noch damit warten, die Social Media Strategie auf Google+ auszulegen. Und ja, Google+ wird sich noch weiter entwickeln, so wie auch Facebook und Twitter und alle anderen Social Media, denn das liegt in ihrer Natur.

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2 Antworten

  1. Ein weiterer Grund für Skepsis zum Erfolg von Google+ liefert die Ähnlichkeit der Strategie zu facebook. Bisher ist Google immer dann erfolgreich, wenn andere Anbieter kein offenes, Netzwerkeffekt verstärkendes Modell versucht haben, sondern mit geschlossenen Geschäftsmodellen vertreten waren. Facebook macht das nicht, sondern ist mit offenen APIs und indirekten Revenue Streams mit Google auf derselben Wellenlänge. Da schmerzt eine Verzögerung der Google+ API umso mehr.

  2. Avatar Lisa sagt:

    Ad „Facebook zieht nach“ (s.o.):
    Soeben entdeckt: Facebook führt intelligente Freundeslisten ein.

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