Unbaby the baby!

Logo von "Keine Kinderfotos im Social Web"

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Auch vor datenwerk hat die Geburtsstatistik diesen Sommer nicht halt gemacht: Lisa, Julia und Wolfgang sind Eltern geworden. Während Google+ damit wirbt, Das Elternwerden mit den Eltern bzw. Das neue Leben mit den alten Freunden zu teilen, stehen die datenwerkerInnen den Kinder- und Baby-Fotos im Internet eher kritisch gegebenüber.

Stolze Eltern im Oversharenting-Wahn

Eine Studie der Internet-Sicherheitsfirma AVG zeigt, dass Dreiviertel aller Kinder unter zwei Jahren in Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien mit Fotos online präsent sind, bei Neugeborenen sind es knapp 30%. Hauptmotivation der Eltern ist das Bedürfnis, das eigene Leben und damit auch das der Kleinen mit FreundInnen zu teilen. Das stolze Herzeigen der Kinderfotos auf Facebook & Co. hat aber ganz andere Öffentlichkeitsdimensionen als selbiges im persönlichen Gespräch zu tun.

„Einmal im Internet, immer im Internet“

Die Facebook-Initiative Keine Kinderfotos im Social Web setzt sich daher dafür ein, die Privatsphäre von Kindern zu schützen. Bereits Babies haben ein Recht am eigenen Bild bzw. an der eigenen Privatsphäre. Bis zur Volljährigkeit wird dieses Recht allerdings von den Eltern wahrgenommen. Das heißt auch, dass Verwandte, FreundInnen oder Betreuungspersonen zuerst bei den Eltern anfragen müssen, ob Sie ein Kinderfoto öffentlich verwenden dürfen. Auch wenn die Eltern selbst Schnappschüsse posten, dürfen damit die Interessen der Kinder nicht beeinträchtigt werden.

„Einmal im Internet, immer im Internet“, ist das Hauptargument der Baby-Foto-KritikerInnen. Und diese Bilder – egal wie süß sie auch sein mögen – prägen die Zukunft der Babies und können zu Stolpersteinen im privaten und beruflichen Alltag werden. Eine mögliche Gefahr stellt z.B. digitales Mobbing (Cyberbullying) durch Bekannte und FreundInnen dar. Sind die Sicherheitseinstellung zu lasch gesetzt, können die Kinder- und Baby-Fotos auch für Pädophile zugänglich und interessant sein. Dabei ist es für Pädophile unerheblich, wie viel Kleidung die Kleinen am Foto anhaben. Ganz unabhängig vom Missbrauch durch andere UserInnen sind Fotos eine gefundene Quelle für Webkonzerne zur Datensammlung über jedeN einzelneN.

Let’s unbaby the baby!

Logo von "unbaby.me"

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Wenn die Flut an Baby- und Kinder-Fotos anderer zu groß wird, haben UserInnen die Chance die Bilder zu ersetzen. Das Browser-Add-On unbaby.me scannt selbst definierte Schlagwörter in der Facebook Timeline und ersetzt die Babies z.B. durch Katzen. Wermutstropfen am Rande: im Nachhinein lassen sich die Schlagwörter nicht mehr anpassen.

Think twice

Wer trotzdem gern Fotos der Kleinen online stellen will, sollte vorm Hochladen lieber zweimal überlegen und nicht wie andere achtlos alles teilen. Am einfachsten ist es, sich die Frage zu stellen, wie man es selbst als Teenager gefunden hätte, wenn dieses oder jenes Foto von den eigenen Eltern online gestellt worden wäre. Genau dieser Frage sind die eigenen Kinder dann in zehn bis fünfzehn Jahren wirklich ausgesetzt. Eine Möglichkeit wäre, die Fotos nicht auf Facebook hochzuladen sondern per E-Mail zu versenden. Auch Flickr und Picasa bieten die Möglichkeit Bilder nur mit geschütztem Link zugänglich zu machen.

Petra Permesser

Petra Permesser

Petra weiß, was das Netz spricht. Die Kommunikationswissenschafterin und angehende Soziologin kümmert sich im datenwerk um alles, was mit Daten zu tun hat: Suchmaschinenoptimierung, Algorithmen, Ads und das Social Media Monitoring Tool "Opinion Tracker" sind Petras Metier. Außerdem tüftelt sie häufig an Story Maps und weiß, wie komplexe Software-Projekte mittels User Stories strukturiert werden können.

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