YouTube-Videos zu Geld machen – ja oder nein?

Nur wenige ÖsterreicherInnen sind YouTube-Stars. Die meisten davon haben schon seit längerem über Google-Deutschland ihre Videos vermarktet. Doch seit einigen Wochen kann man auch ohne Umweg in Österreich seine YouTube-Videos zu Geld machen. „Monetarisieren“ nennt YouTube die Möglichkeit, die eigenen Videos als Werbeumfeld zur Verfügung zu stellen. Sein Video freigeben und YouTube wirft es auf den Markt. Die Publizistik-StudentInnen Kim, Lukas und Steve haben sich angesehen, wie das genau funktioniert. Sie haben die österreichischen Sternchen der YouTube-Szene aufgespürt,  Wolfgang um eine Wortspende gebeten und einen kritischen Beitrag zusammengestellt. Grund genug, um ein wenig mehr Hintergrundinfos in unserem Blog zusammenzutragen.

So funktioniert die YouTube Monetarisierung

Wer für YouTube ein Video erstellt, dessen Nutzungsrechte bei dem/der Content-ErstellerIn liegen, kann dieses Video zur Monetarisierung freigeben. Dazu müssen bei YouTube auch die Bankkonto-Daten hinterlegt werden, damit YouTube nachher einen Anteil der Werbekosten an den/die Content-ErstellerIn überweisen kann. Man kann pro Video entscheiden, für welche Werbeform es freigeben werden soll. Je nach Kostenmodell und Werbeform gibt’s dann Geld pro Klick oder für ein gänzlich angesehenes Video.

Screenshot YouTube Monetarisierung

Wie wirkt sich die YouTube Monetarisierung auf die YouTube-SeherInnen aus? Je nach Werbeform sehen die UserInnen eine in-stream-ad – also ein Textfeld mit Werbung, das sich über einen Teil des Videos legt – oder TrueView-Pre-rolls. Bei Pre-rolla handelt es sich um Werbespota, die vor einem Online-Video ausgestrahlt werden. Im Vergleich zu anderen Videokanälen, z.B. Fernsehsender, bietet YouTube eine TrueView-Möglichkeit. Das heißt: nach wenigen Sekunden können die UserInnen weiterklicken und müssen den Werbespot nicht bis zum Ende sehen.

Vor- und Nachteile für Content-ErstellerInnen

Der große Vorteil für Content-ErstellerInnen liegt auf der Hand: man kann damit einfach (ein bisschen?) Geld verdienen, wie Michael Buchinger im obigen Videobeitrag auch erzählt.

Und die Nachteile? Content-ErstellerInnen können zwar die Werbeform auswählen, für die sie ihre Videos freigeben, sie können aber nicht auswählen, für welche Marken ihre Videos als Werbeumfeld dann zur Verfügung stehen. Im worst-case findet sich dann beim eigenen Video ein Werbung von z.B. erzkonservativen DemokratiegegnerInnen. Reizvoller wäre die Monetarisierung für Content-ErstellerInnen wohl, wenn sie z.B. bestimmte Branchen ausschließen könnten. Aber das wird wohl nicht passieren, wenn YouTube damit möglichst viel Geld machen will …

Vor- und Nachteile für WerberInnen

Screenshot Ingrographik Online-Werbeausgaben

Quelle: invesp

Knapp 10% der Online-Werbeausgaben in den USA entfallen auf Online-Videos. Und wir können davon ausgehen, dass dieser Anteil steigen wird, da zahlreiche Studien die hohe Werbewirksamkeit von Pre-rolls und Mid-rolls (ein Werbespot in der Mitte eines Online-Videos) im Vergleich zu klassischer TV-Werbung zeigen und der sowieso schon produzierte TV-Spot auch online eingesetzt wird.

Nachteile bei YouTube-TrueView gibt es für WerberInnen vor allem in geringeren Provisionen auf Grund der noch kleineren Geldmengen. Doch das machen zahlreiche Vorteile wett und ist vielleicht nur eine Frage der Zeit:

  • Die hohe Werbewirksamkeit von Pre-rolls. Und das angeblich – lt. YouTube Eigenstudie – noch höhere Engagement bei TrueView-Video-Ads.
  • Es müssen nur diejenigen Ausstrahlungen bezahlt werden, bei denen die TrueView-Pre-rolls bis zum Ende gesehen wurden und die UserInnen nicht vorher schon weitergeklickt haben.
  • YouTube verwendet diesselben Logarithmen und Daten für Targeting und AdWords wie Google, sodass hier gezielt sozio- und psychographische Zielgruppen und Umfelder gewählt werden können und es bei der Werbung zu wenig Streuverlust kommt.

 

Aufgrund der vielen Vorteile für VermarkterInnen und WerberInnen können wir also davon ausgehen, dass der Anteil an Bewegtbildwerbung im Netz weiter zunehmen wird und auch die Werbeformen noch vielfältiger werden. Ein bisschen kreativer und unterhaltsamer kann die Werbung schon noch werden. Bis es so weit ist, können die UserInnen ja weiterklicken. Die StudentInnen haben ihren Beitrag nicht zu Geld gemacht. Denn ihr Video läuft auf Vimeo und da sind Filme noch werbefrei.

Petra Permesser

Petra Permesser

Petra weiß, was das Netz spricht. Die Kommunikationswissenschafterin und angehende Soziologin kümmert sich im datenwerk um alles, was mit Daten zu tun hat: Suchmaschinenoptimierung, Algorithmen, Ads und das Social Media Monitoring Tool "Opinion Tracker" sind Petras Metier. Außerdem tüftelt sie häufig an Story Maps und weiß, wie komplexe Software-Projekte mittels User Stories strukturiert werden können.

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