Ich fahre nach Kreta auf Urlaub. Und ihr so?

Jänner ist Sommerurlaubszeit; zumindest was das Planen und Buchen betrifft. Anders wäre es nicht zu erklären, dass die Ferienmesse in Wien ihre Pforten öffnet und gedruckte Kataloge von Reiseanbietern im Postfach liegen, bei denen man vor Jahren online (sic!) gebucht hat. Während dadurch also der Eindruck entsteht, die Reisebranche hat das Internet noch nicht verstanden, buhlen neuentstandene Flug- und sonstige Reisepreisvergleichs-, Hotelbewertungs- sowie Alternativ-Privatzimmer-Anbieter im Web um KundInnen. Soweit so einfach, dass sich die ORF-Sendung „€co“ aufgemacht hat, den Mythos Online-Reisen zu ergründen. Dabei wurde ich gefragt, ob ich helfen kann. Ich hab’s probiert und ob es gelungen ist, kann man am 16.1.2014 ab 22:30 auf ORF2 und dann noch bis 23.1.2014 in der ORF-TVthek nachsehen.

CC BY 2.0 BruceHH

Mir ist beim Beitrag machen aufgefallen, dass ich eigentlich vor allem dabei gefilmt wurde, wie ich selbst Urlaub geplant habe. Kreta eben, eventuell im Mai. Und bei den Fragen habe ich mir dann gedacht, da wird der Mythos Internetreisen nicht ergründet, sondern eher verstärkt. Daher hier einige Punkte, die ich mir so zu Online-Reisen denke.

Mythos Online-Reisebuchung erklärt

Insgesamt ist das kein neuer Trend. „Markets are Conversations“ und mit dem Internet haben wir eine sehr gute, weltweite Kommunikationsinfrastruktur aufgebaut. Auf Reisen ist diese Infrastruktur mit WLan Zugängen und Smartphones angekommen. Reiseinformationen gibt es vor Ort in Echtzeit und nicht mehr in dicken Wälzern, die sich Reiseführer nennen.

Wir Reisende profitieren von den Vergleichs-, Bewertungs-, und Buchungsplattformen. Zwar gibt es gerade bei Bewertungsplattformen auch die Gefahr, dass Freund und Feind fingierte Bewertungen abschicken. Und wirklich gut gemachte professionelle Bewertungen sind von „echten“ nicht zu unterscheiden. Allerdings haben sie dann auch einen Informationswert, sind also auch nützlich. Sonst gilt: Extreme Bewertungen sind immer kritisch zu betrachten. Auch wenn mehrere Bewertungen im Text ähnliche Formulierungen verwenden oder die gleichen Rechtschreibfehler haben, sollte man vorsichtig sein. Insgesamt helfen die Bewertungsplattformen aber massiv dabei die kognitive Dissonanz abzubauen.

Laut Untersuchungen aus Deutschland aus dem letzten Jahr verbringen wir vor allem Zeit im Internet, um die Reise zu planen.  Gebucht wird dann zwischen 92% und 75% (je nach Informationsquelle) der Pauschalreisen im Reisebüro oder eben auf den Ferienmessen. Denn auf Ferienmessen kommen die Reiselustigen schon vom Web informiert und wollen nicht allzuviel Neues wissen, sondern endlich Nägel mit Köpfen machen. Es gibt also einen eindeutigen Trend zur Online-Buchung, doch noch ist pauschal gleich offline. Doch die traditionellen Reiseveranstalter ziehen nach und überlassen den Neuen nicht das Feld. Auch in Österreich, wie der neue gelungene Web-Auftritt von TUI Österreich zeigt. Übersichtlicher, praktischer und schöner sichert sich der Reiseriese seine Marktanteile auch im Netz.

Individualreise mit Privatwohnung

Viel mehr als Pauschalreisen werden Individualreisen im Internet gebucht. Bahn- und Flugtickets sind hier die schon bekannten Renner. Immer mehr werden auch Aufenthalte online gebucht. Wohn- und Zimmeranbieter wie Airbnb, Wimdu und 9Flats vermitteln Unterkünfte von Privat an Privat. Doch der Diskurs wandelt sich gerade von „lass uns ‚mal die Wohnung teilen“ in Richtung vermieten. Das gemeinsame Verwenden von Ressourcen kommt da etwas abhanden, Stichwort: Teilen ist das neue Haben. Auch wenn uns die Anbieter mit Verweis auf die „Sharing-Economy“ genau das gerne weiß machen wollen. Doch ob vermieten oder teilen, den Individualreisenden kommt das Angebot entgegen.

Drei Erklärungen dazu:
* Privatzimmer haben den Nimbus des Günstigen. Wir wollen uns auf Reisen Geld sparen. Oder als VermieterIn wünsche ich mir eine zusätzliche Einnahmequelle, die ich viel günstiger anbieten kann, da ich an viele Vorschriften noch nicht gebunden bin.

* Eintauchen in eine neue/andere Kultur. Im Economist war eine gute Geschichte über die Entwicklung der Hotelketten. Hotels haben sich zu austauschbaren Erlebnisszenen entwickelt, egal wo ich auf der Welt bin. Bei „Privatzimmern“ ist das nicht so.

* Empfehlungsmarketing gilt als Vertrauenshilfe für private Angebote. Die kognitive Dissonanz von schönen Fotos auf der Website geblendet zu werden und dann vor Ort enttäuscht zu werden, wird abgebaut.

Die neue Form der Privatzimmer stösst allerdings bei regionalen Verwaltung auf wenig Gegenliebe. Denn durch den derzeit noch privaten Charakter des Angebots fallen die Destinationen um ihre Kurtaxe um. Erste Reaktion der Stadt New York war, airbnb zu verbieten. Auch in Deutschland sind Gerichte mit den Vermietportalen beschäftigt. Doch das müsste nicht sein. Dazu müsste man sich nur auf einen Dialog einigen. Denn eine Kurtaxe wäre über Plattformen eigentlich gut einhebbar. Und gesetzliche Regelungen für die touristische Vermietung gibt es auch schon so zuhauf. Das ging bei Privatzimmern ja auch. Es fehlt hier dann aber oft der Wille, neue konstruktive Wege zu finden, wenn Verwaltungen Einnahmequellen wegbrechen und neue Anbieter in der Goldgräberstimmung versinken und ihr Nuggets sichern wollen.

Wir wollen wissen, was uns erwartet. Wir suchen den Reiz des Neuen. Aber im Urlaub wollen wir dann doch nicht überrascht werden. Daher suche ich jetzt noch weiter für die Traumunterkunft auf Kreta. Soll ja auch glücklich machen, das Urlaubsplanen. Schon allein wegen der sonnigen Aussichten in einem trüben Jänner ist das gut erklärbar.

Wolfgang Zeglovits

Wolfgang Zeglovits

Wolfgang beschäftigt sich intensiv mit neuen Erkenntnissen rund um Innovationsforschung, Usability und Social Media. Seine langjährige Erfahrung und sein Know-how bringt er in die Konzeption für Webprojekte ein. Dabei sind ihm Innovationsmanagement und die Erkenntnisse aus der Marktforschung wichtig.

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