A-Tag 2014: Barrierefreiheit. Für alle.

Accessbility Tag 2014

Am 8. Mai fand im TechGate Vienna wieder der Accessibility Tag, kurz A-Tag statt. In den Vorträgen wurden aktuelle Accessibility Projekte und Entwicklungen aus dem Bereich der Online-Kommunikation vorgestellt. Accessbility ist nicht länger ein Randthema das „nur“ Menschen mit Behinderungen betrifft. Demnach muss mit der rasanten Weiterentwicklung der Informationstechnologie und den damit einhergehenden gesellschaftlichen Veränderungen das allgemeine Verständnis der Zielgruppe für Accessibility ein Stück weit in Richtung NormalverbraucherInnen erweitert werden:

Die digitale Kluft schließen

In der Opening Note erläuterte Österreichs Digital Champion Meral Akin-Hecke, warum es sinnvoll ist digitale Medienkompetenz breitenwirksam zu fördern und herauszubilden. ÖsterreicherInnen würden hiervon nicht nur privat sondern auch wirtschaftlich profitieren. Akin-Hecke spricht von einem Skills-Gap zwischen der Arbeitswelt und Ausbildung – die Anforderungen der Arbeitswelt im Bezug auf digitale Medienkompetenz würden deutlich über dem derzeitgen Ausbildungstandard liegen.

Gesetzes- und Standardisierungsvorhaben der EU für barrierefreie Webinhalte

Gregor Eibl aus der Abteilung „E-Government Recht, Organisation und Internationales“ des BKA berichtete über den Status des Kommissions-Vorschlags 2012/0340 (COD). Der Vorschlag soll „der Angleichung von Rechts- und Verwaltungsvorschriften der Mitgliedsstasaten zum barrierefreien Zugang zu Websites öffentlicher Stellen dienen“. Die Änderungsvorschläge der ersten Lesung sehen unter anderem eine Ausweitung auf Netzwerkdienste und Banken sowie Umsetzungs-Deadlines und die Einführung von Durchsetzungsbehörden und Strafen vor. Die Angleichung wird basierend auf dem Anfang 2014 veröffentlichten Standard EN 301549-M376 erfolgen, der, so Eibl, weitgehend den WCAG 2.0 auf dem Level AA entspricht. Bis zum 31.10.2014 sollten eventuelle Konflikte mit natiionalen Standards beseitigt sein. Für bestehende Websites bzw. Webdienste die bereits nach dem aktuellen WCAG 2.0-Standard barrierefrei sind, wird von nationaler Seite ein Investitionsschutz erwartet.

Neuerungen im Bereich Easy to Read

Walpurga Fröhlich von Capito stellte das neue Gütesiegel „LL – Leicht Lesen“ vor. Vor dem Hintergrund, dass in Deutschland und Österreich zusammen ca. 23 Millionen Menschen Leseschwierigkeiten haben, merkt Fröhlich an, dass 60% der publizierten Informationen im öffentlichen Bereich über dem durchschnittlichen Lese-/Sprachkompetenzniveau liegen. Sie tritt für eine Vereinfachung von Texten im öffentlichen Bereich ein.

Non-verbale benutzerfreundliche Schnittstellen

Mohamad Yehya vom Fraunhofer Institut stellte verschiedene Ansätze zur Erkennung von NutzerInnenemotionen durch Computersysteme vor. Emotionale Zustände werden dabei bespielsweise aus physiopsychologischen Zuständen (zB. Hautleitfähigkeit, Puls), Körpersprache, Mimik, Gestik und Sprachlautstärke abgeleitet. Vereinfachte Formen dieser Technologien finden bei NormalverbraucherInnen bereits in der Form von Smart Phone Apps, etwa zur Erkennung von Stress, Anwendung. Ein derzeit viel diskutiertes Problemfeld auf diesem Gebiet stellt der Datenschutz dar.

Internet der Dinge: APSIS4All

Klaus Höckner hat mit APSIS4All ein Projekt für barrierefreie Geldausgabe- und Ticketautomaten vorgestellt. Die Technologie erlaubt das Speichern und Aufrufen von benutzerdefinierten Einstellungen für die barrierefreie Informationsausgabe (zB. Kontraste, Sprachausgabe, etc.) über NFC-Chip und Cloud-Dienste. Heimischen Banken wird das Nachmachen empfohlen. Die API soll übrigens kostenfrei verfügbar sein.

Webplayer und Live-Streaming, sprachlich barrierefrei

Elisabeth Kleinmaier von Verbavoice stellte einen Webplayer für das Live-Streaming von Events vor. Die Besonderheit: im Hintergrund arbeiten gleich zwei DolmetscherInnen ortsunabhängig an der Live-Untertitelung. Dazu kommt eine Übersetzung in Gebärdensprache. Das System wurde übrigens auch für den A-Tag eingesetzt.

ATAG 2.0, Barrierefreie Backends von Redaktionssystemen

Die Authoring Tool Accessiblity Guidelines (kurz ATAG) des W3C wurden von Kerstin Probiesch vorgestellt. Die Version 2.0 der ATAG ist derzeit als Candidate Recommendation verfügbar und besteht aus 2 Teilen, die sich einerseits mit der barrierefreien Nutzung der jeweiligen Redaktionsoberfläche, andererseits mit der Unterstützung zur Erstellung von barrierefreien Inhalten auseinandersetzt.

wien.at Microsites

Wolfram Huber (Webtech) und Michael Rederer (Magistratsabteilung 53) stellten mit den Microsites von wien.at eine barrierefreie Lösung auf WordPress-Multisite-Basis vor. Die Microsites dienen temporären Projekten mit kommunikativen Charakter und eigenem Design, die redaktionell besonders einfach zu warten sein sollen.

Born to be accessible – barriefreie PDFs

Markus Erle (Wertewerk) stellte die PDF/UA vor und präsentierte einige Tools die bei der Erstellung von barrierefreien PDFs helfen können.

Tools

Easy Checks, Tutorials & Co. – Barrierefreiheitshelferlein vom W3C

Eric Eggert engagiert sich seit mehreren Jahren in verschiedenen Arbeitsgruppen des W3C und stellte einige Accessibility Projekte des Consortiums vor:

  • IndieUI; Mit IndieUI soll ein Abstraktionslayer zur Erkennung von User-Aktionen geschaffen werden.
  • Easy Checks: Easy Checks ist eine Anleitung des W3C für einen schnellen Vorab-Accessibility-Test
  • Before and After Demo: Die Before and After Demo (BAD) ist eine kommentierte Dummy Website, die mit und ohne Accessibility Features dargestellt werden kann.
  • Tutorials: Eine Sammlung von Accessibility-Tutorials

 

 

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