Maus, Raupe oder Esel? Bagger!

In den September-Charts bespricht datenwerkerin Julia ihre liebsten Youtube-Channels bzw. Videos, die sie mit ihrem Sohn (3 Jahre) anschaut.

Viele Eltern schwanken bei der Entscheidung, ob ihre Kleinkinder Videos anschauen dürfen, zwischen „Keinesfalls!“ und „Ich brauche dringend eine Pause!“. Kompromisse sind gefragt und die sehen bei Julia zum Beispiel so aus: Maximal 20 Minuten und am besten am früheren Nachmittag und wenn möglich gemeinsam mit einem Elternteil (Videoschauen wird zur Kuschelzeit). Wer für sich bzw. das Kind entschieden hat, ob Videos ok sind oder nicht, steht in einem weiteren Schritt vor der Frage: welche Videos? Hier Julias Auswahl:

Die Sendung mit der Maus

Der Klassiker auf Platz 1 der Charts – gleichermaßen geliebt von Julia und ihrem Kind! Die kurzen Clips gibt es mittlerweile seit 1971. Sie sind fantastisch und manchmal schön unlogisch, wie zum Beispiel das Video mit den Koffern. Wobei das die derzeitige Kinder-Lieblingsfolge ist:

Hier gibt es einen Punkt, an dem die beiden dann oft über die Gestaltung der weiteren Videozeit zu diskutieren beginnen. Dazu aber weiter unten.

A propos „unlogisch“:

Die Abenteuer der Maus am Mars

Die 1976 erstmals ausgestrahlte Serie glänzt durch Absurditäten und erzählt in kurzen Episoden die Abenteuer der kleinen Maus, die am Mars wohnt und steht auf Platz zwei. Eine Serie ganz ohne pädagogischem Anspruch und mit witziger Sprache. Eine Lieblingsfolge ist eindeutig die Nummer acht: „Auch eine Katze kann die Maus beglücken“

Screenshot "Die Abenteuer der Maus am Mars", Folge 8, https://youtu.be/KMokYKKl6UY?list=PLBjTOo6OfYpXWBjiZdCRzLAzCk3g0RImN

Screenshot „Die Abenteuer der Maus am Mars“, Folge 8, „Auch eine Katze kann die Maus beglücken“

Und solange nicht die Folge mit dem Kaktus am Programm steht, passt die Auswahl auch für das Kind.

Die kleine Raupe Nimmersatt

Auf Platz drei steht eigentlich keine Serie – das Video kann man aber problemlos hunderte Male hintereinander anschauen. Also vielleicht eine Einfolgen-Serie. Das Buch von Eric Carle erschien 1969 und ist ein weltweiter Klassiker. Das Video dazu ist gemalt, es bewegt sich nur das notwendigste, es gibt Pausen für Musik und die Erzählung ist weder gequietscht noch gebrüllt. Ein Video zur Entspannung.

Screenshot "Die kleine Raupe Nimmersatt", Video von polybandTV

Screenshot „Die kleine Raupe Nimmersatt“, Video von polybandTV

Der Link zum Video: Die Kleine Raupe Nimmersatt von polybandTV auf YouTube

Troto

Auf Platz vier stehen die Abenteuer des kleinen Esel Trotro, den es seit 2004 gibt. In 3 minütigen Clips entdeckt Trotro gemeinsam mit seinen FreundInnen seine Welt. Die Geschichten sind einfach erzählt, die Sprache sehr reduziert, die Themen nahe an der Erfahrungswelt von Dreijähringen (teilen, verstecken, verloren gehen,…).

Zwischen den Zeilen schimmern immer wieder erzieherische Sätze durch, halten sich aber in Grenzen. Die Emotionen von Trotros Eltern schwanken oft innerhalb kürzester Zeit, das wirkt manchmal irritierend.

Das Malbuch

Was Youtube ja ganz ausgezeichnet kann ist den UserInnen Vorschläge zu machen, die zum Schau-und Suchverhalten passen. Das führt regelmässig dazu, dass Julia und ihr Kind innerhalb kürzester Zeit zum Beispiel bei Bagger-Ausmal-Videos landen, auch wenn sie mit vergnüglichen Maus-Videos starten.

Bei der Malbuch-Videoserie werden Fahrzeuge animiert ausgemalt (Farben lernen!) und erklärt.
Die Geschwindigkeit und Themen der einzelnen Clips scheinen ideal zu Kleinkind-Interessen zu passen. Hier steht eindeutig das Lernen im Vordergrund.

Die Rollenverteilung der Figuren (und die Form der Figuren!) spiegelt ein antiquiertes Weltbild wider. Wer also keine Lust auf festgefahrene Kategorien hat, sollte diese Clips meiden (wenn das nur so leicht ginge!). Die Malbuchserie gehört zu KinderklubTV, einem Lernkanal für Kleinkinder.

Einmal im Umfeld des Malbuchs gefangen, empfiehlt YouTube nur noch ähnliche Videos mit bunten Farben und Formen. Wo Bagger, Lastwägen und Kräne die Aufmerksamkeit des dreijährigen Baustellenaficionados auf sich ziehen. Da ist es schwer, wieder zurück zu vergleichsweise harmlosen Mäusen und Dondrinen zu gelangen.

Und eigentlich: Videos ja oder nein?

Dass Videoschauen anstrengend für Gehirne ist und ein hohes Maß an Abstraktionsfähigkeit fordert steht außer Frage. Je mehr Handlungsstränge parallel erzählt werden und je mehr Schnitte und Geschwindigkeit die Geschichte braucht, desto komplexer und komplizierter ist das Video. Und desto müder und gleichzeitig aufgezwirbelter ist das Gehirn. Erwachsene haben sich an diese Art der Reize schon gewöhnt – Kleinkinder brauchen nach einer Videosession oft länger, um aus der Geschichte wieder auszusteigen und mit der Überforderung ihres Gehirns umzugehen.

 

Fotocredit Beitragsbild: Foto von Petras Gagilas. Link zum Foto auf Flickr. Link zu CC-Lizenz des Bildes.

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