Warum Werbung für Treppenlifte gut sein kann

Stellt euch vor: Ihr plant einen Urlaub mit FreundInnen auf einem Campingplatz in der Nähe von Wien. Zur Recherche googelt ihr entsprechende Reiseziele. In den Folgewochen bekommt ihr überall online vermehrt Werbung für Zelte, Schlafsäcke und Abenteuerurlaube zu sehen. Zufall? Natürlich nicht! Dahinter steckt OBA – Online Behavioural Advertising. Wie ein verantwortungsvoller Umgang mit gesammelten Daten von Seiten der UserInnen und der werbetreibenden Wirtschaft aussehen sollte, wurde am Dienstag bei einer Veranstaltung der IAB Austria diskutiert.

Wie funktioniert OBA?

Screenshot aus dem Erklärvideo auf http://www.youronlinechoices.com/at/videos

Screenshot aus dem Erklärvideo auf http://www.youronlinechoices.com/at/videos

Online Behavioural Advertising ist nutzungsbasierte Werbung. Dabei werden z.B. Suchabfragen, besuchte Websites oder angesehene Produkte in Online-Shops im Browser der/des jeweiligen NutzerIn gespeichert. Werbetreibende Plattformen betreiben damit dann Datenaustausch und spielen die Werbung auf den Computern aus, wo sie mit hoher Wahrscheinlichkeit auf die relevanten KonsumentInnen trifft. Also im Falle unseres Urlaubs ist eine Person, die Campingplätze gesucht hat, wahrscheinlich mehr an Schlafsäcken interessiert, als eine Person, die sich über Katzenfutter informiert hat.  Detailliert wird das in einem kurzen Video auf youronlinechoices.eu erklärt.

Die edaa – European Interactive Digital Advertising Alliance zu einem verantwortungsvollen Umgang mit diesen Daten ein Selbstregulierungsprogramm gestartet, für das sich AdSpace-Anbieter, Werbenetzwerke und Werbetreibende anmelden können. Dann wird bei einer online Werbeform ein kleines (meist blaues) Icon mitausgespielt, auf das UserInnen klicken können, um mehr über die Werbe-Policy der jeweiligen Seite zu erfahren.

In Österreich ist das Programm noch nicht implementiert, aber das Icon können aufmerksame UserInnen z.B. schon bei Facebook entdecken.

Screenshot von Facebook mit OBA Icon

Screenshot von Facebook mit OBA Icon

OBA Info-Icon. Quelle: edaa.eu

OBA Info-Icon. Quelle: edaa.eu

Selbstentscheidung der UserInnen

Nach dem Klick auf das Icon landen UserInnen auf einer Erklärungsseite, die auf youronlinechoices.eu verlinkt. Natürlich kann die Seite auch direkt aufgerufen werden. Dort gibt’s umfangreiche Infos zu online Werbung und unter dem Punkt Präferenzmanagement die Möglichkeit OBA für einzelne oder alle teilnehmenden 102 Plattformen zu deaktivieren.

datenwerkerin Petra testet gerade, was es heißt, nutzungsbasierte Werbung für alle teilnehmenden Plattformen in ihrem Webbrowser zu deaktivieren. Es heißt, dass ihre Nutzungsdaten nicht mehr für Werbezwecke verwendet werden. Die entsprechenden Cookies wurden gelöscht und werden mit den deaktivierten Einstellungen nicht mehr gesetzt. Das heißt aber nicht, dass sie deshalb gar keine Werbung mehr sieht. Sie sieht stattdessen Werbung für Treppenlifte – also Werbungen, die nicht auf ihre Interessen und ihr Nutzungsverhalten abgestimmt sind.

Da Werbung den Zugang zu freien Webinhalten finanziert, stellen Plattformen wie youronlinechoices.eu keine Möglichkeit zum gänzlichen deaktivieren von Werbung zur Verfügung. Wer also weiterhin gern Zeitungen gratis online lesen will, ist als UserIn auf Werbung angewiesen. Dabei steht es jeder/m NutzerIn frei, selbst zu entscheiden, ob man aufgrund der eigenen Nutzungsdaten relevante Werbung zu sehen bekommt, oder ob man die eigenen Nutzungsdaten für Werbezwecke nicht zur Verfügung stellt und lieber Treppenliftwerbung sieht.

Petra Permesser

Petra weiß, was das Netz spricht. Die Kommunikationswissenschafterin und angehende Soziologin kümmert sich im datenwerk um alles, was mit Daten zu tun hat: Suchmaschinenoptimierung, Algorithmen, Ads und das Social Media Monitoring Tool "Opinion Tracker" sind Petras Metier. Außerdem tüftelt sie häufig an Story Maps und weiß, wie komplexe Software-Projekte mittels User Stories strukturiert werden können.

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