„Usability ist überwertet“

Tafel mit Schriftzug

Wahrscheinlich haben einige von euch gerade den Kopf geschüttelt, als sie den Titel dieses Blogeintrags gelesen haben. Keine Sorge, das ist nicht die neue Linie von datenwerk. Es ist ein Gedankenexperiment, das auf Erfahrungen beruht. „Usability ist überbewertet“ ist nämlich eine Aussage, die wir manchmal in der Zusammenarbeit mit externen DesignerInnen hören.

Wie Design eine Website verkomplizieren kann

Externe DesignerInnen haben oft mehr Print- als Web-Erfahrung. Sie denken in pixelgenau ausgerichteten Layouts und einer einfachen Handhabung unabhängig vom Design. Schließlich geht Vor- und Zurückblättern am Papier immer gleich. Im Webdesign erfolgt das Weiterblättern durch Links. Und Links sollten z.B. anders aussehen als fetter Text. Sonst müssen UserInnen zu viel nachdenken.

Ein zweiter großer Unterschied zwischen Print- und Webdesign ist die sich anpassbare Bildschirmgröße. Um responsive zu arbeiten, muss ein Webdesign in ein Grid passen. Komplizierte Grids mit z.B. 53 Spalten sind technisch umsetzbar, machen aber das Leben für die RedakteurInnen zur Befüllungshölle. Usabilityfreundliche Befüllungslösungen gehen häufig von einem 12-spaltigen, manchmal einem 16- oder 24-spaltigen Grid aus. Eine preiswerte Umsetzung mit 53 Spalten bringt also Einbußen in der Backend-Usability. Das wiederum führt wahrscheinlich zu weniger neuem Content auf der Website und damit weniger BesucherInnen, weil „sich da eh nix tut“.

Gutes Design steht nicht im Widerspruch zu Usability

Beispiel für kostenlose Such-Icons, die ohne Backlink nutzbar sind. Screenshot von https://www.iconfinder.com

Beispiel für kostenlose Such-Icons, die ohne Backlink nutzbar sind. Screenshot von https://www.iconfinder.com

Muss man also für eine usabilityfreundliche Lösung auf gutes Design verzichten? Definitiv nicht! Der Einsatz von wiedererkennbaren Steuerungselementen erleichtert die Website-Nutzung. UserInnen vermuten ein Suchformular z.B. bei einem Lupen-Icon, nicht aber bei einer Blume oder einem Segelboot. Es kann auch eine individuell designte Lupe sein, solange sie erkennbar bleibt.

Kurze Klickwege sind ein weiterer Schritt zu usabilityfreundlichem Design. UserInnen sollten in maximal drei Klicks bei der Information sein, die sie suchen. Große Bildflächen mit wenig Text sind zwar schön anzuschauen, vermitteln aber meist wenig Inhalt. Hier kommt’s also auf eine gute Mischung an.

User Stories denken Usability mit

Ein zweiter Ansatz, der im datenwerk zu usabilityfreundlicher Umsetzungen beiträgt, ist der Einsatz von agilen Methoden (das hat auch Katja im ihrem Fazit zur RoX letztes Jahr beschrieben). Es sind vor allem zwei Dinge, mit denen agile Methoden wie Scrum hier punkten können. Erstens ermöglicht ein iterativer Prozess mit laufenden Testphasen, früh Stolpersteine im Design und der daraus entstandenen Umsetzung zu erkennen und auszubügeln. Es ist also ein kontinuierlicher Feinschliff möglich.

Und zweitens: auch im Kleinen wird der Vorteil von agilen Methoden deutlich. User Stories sind aus UserInnen-Sicht formuliert. Sie sind das Rückgrat für jede Website. Design und technische Umsetzung geben dem Knochengerüst dann das Fleisch rundherum, ohne es zu verbiegen. Wenn sich also DesignerInnen auf eine Arbeit mit User Stories einlassen, profitieren alle davon.

 

Petra Permesser

Petra weiß, was das Netz spricht. Die Kommunikationswissenschafterin und angehende Soziologin kümmert sich im datenwerk um alles, was mit Daten zu tun hat: Suchmaschinenoptimierung, Algorithmen, Ads und das Social Media Monitoring Tool "Opinion Tracker" sind Petras Metier. Außerdem tüftelt sie häufig an Story Maps und weiß, wie komplexe Software-Projekte mittels User Stories strukturiert werden können.

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