JournalistInnen und PolitikerInnen auf Twitter: Same, same but different?

Welche Themen bewegen Österreichs PolitikerInnen und JournalistInnen auf Twitter? Wir zeigen die Top 5 Themen, über die in der österreichischen Twittersphäre diskutiert wird, und haben uns angesehen, wen welche Themen ganz besonders beschäftigen.

Mit Hilfe unseres Social Media Monitoring Tools – dem Opinion Tracker – haben wir in den letzten 4 Wochen die Meldungen der „Top 20“ Accounts aus den Kategorien „JournalistInnen“ und „Politik“ (ohne Organisations-Accounts) der APA-OTS Twitterlist analysiert.

Über 6.000 Tweets später konnten wir bereits spannende erste Verhaltensmuster feststellen:

  • Beide Gruppen unterscheiden sich ganz klar in ihrer Art der „Berichterstattung“:
    • PolitikerInnen nutzen Twitter verstärkt um ihre Meinung zu teilen und um zu diskutieren.
    • JournalistInnen nutzen Twitter hauptsächlich als Info-Kanal und um sich mit NutzerInnen auszutauschen.
  • Heinz-Christian Strache ist aktiv auf Twitter. Sogar seeeehr aktiv! Allerdings handelt es sich beim Großteil seiner Mitteilungen um Facebook Status-Updates, welche automatisch in seinem Twitter-Feed geteilt werden. Die Datenmenge wird dadurch natürlich dementsprechend beeinflusst, zeigt aber auch, dass Herr Strache das Medium nicht im Sinne von Twitter zu nutzen weiß.

Was waren den nun die Top 5 Themen im letzten Monat?

1 – Flüchtlingssituation in Europa

Die derzeitige Flüchtlingssituation in Europa wird in Zusammenhang mit den Begriffen „Grenzen“, „Idomeni“ und „Lösung“ auf Twitter behandelt.

Österreichs JournalistInnen berichteten vor allem über das Flüchtlingslager in Idomeni und die derzeitige unmenschliche Situation – so wird die Diskussion auf eine emotionalere Ebene gehoben. Währenddessen haben sich Österreichs PolitikerInnen darauf fokussiert, sich über die derzeitige Grenzpolitik sowie mögliche gesamteuropäische Lösungen auszutauschen.

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Auszug aus der Opinion Tracker Sentimentanalyse zu „Angela Merkel“

Auch Angela Merkel wurde mehrmals hinsichtlich der europäischen Flüchtlingssituation erwähnt. Österreichs JournalistInnen haben jedoch deutlich mehr über die deutsche Bundeskanzlerin „gezwitschert“ als die PolitikerInnen hier in Österreich.

Außerdem haben wir festgestellt, dass es beim JournalistInnen-Track mehr neutrale Stimmen (mit Hilfe der Sentiment-Analyse) zur Person Angela Merkel gab (72.9% der Beiträge). Vergleichsweise mehr negative Stimmen (43.8% der Beiträge) zu Angela Merkel gab es in der österreichsichen PolitikerInnen-Twitterlandschaft. Hier tauschte man sich vor allem über das „Ende des Durchwinkens von Flüchtlingen“ und den Erhalt der Balkanroute aus.

2 – Terror in Europa

Die erschütternden Terroranschläge in Brüssel gehörten zu einem der meist geteilten Themen im letzten Monat. Bei beiden Gruppen war dieses ganz oben in den Opinion Tracker Ergebnissen (i.e. „Belgien“, „Brüssel“, bei weiterer Filterung: „Terror“, „Terror in Europa“).

Während JournalistInnen von den Ereignissen eher sachlich berichteten und Updates zu den Vorfällen gaben, haben Österreichs PolitikerInnen sich darauf konzentriert, ihre Solidaridätsbekundungen gegenüber Belgien auszusprechen. Ganz klar also, dass PolitikerInnen hier eher emotional twitterten um ein Gemeinschaftsgefühlt in ihrer Follower-Community hervorzurufen. Interessant war auch zu sehen, dass verhältnismäßig fast doppelt so oft von den PolitikerInnen über dieses Thema gepostet wurde als von JournalistInnen.

3 – Bundespräsidentenwahlen in Österreich

Rege Twitter-Aktivitäten gab es erwartungsgemäß auch zum Thema Bundespräsidentenwahlen am 24. April in Österreich. Während Österreichs PolitikerInnen vor allem ihre jeweiligen Kandidaten „anpreisen“ und um Unterstützung baten, berichteten JournalistInnen generell über den bevorstehenden Intensivwahlkampf. Mit den Wahlauftakten geht der Wahlkampf – und das „Gezwitschere“ – erst richtig los. Es bleibt also spannend auf Twitter!

4 – Donald Trump & US-Wahlen

Österreichs PolitikerInnen schenken den bevorstehenden US-Präsidentschaftswahlen eher weniger Aufmerksamkeit. Österreichs JournalistInnen hingegen scheinen sich mehr für das Thema zu interessieren. Fast doppelt so viele Beiträge zu diesem Themenumfeld stammen von Accounts der JournalistInnen.

5 – FPÖ-Demonstration in Wien Liesing

Die FPÖ-Demonstration in Wien-Liesing rund um das geplante Flüchtlingsheim schien bei beiden Gruppen Thema zu sein. Jedoch haben Österreichs JournalistInnen in diesem Zusammenhang vermehrt auf die Vorfälle in Clausnitz verwiesen, während PolitikerInnen sich hauptsächlich auf Österreich fokussiert haben.

Was haben wir also gelernt?

  1. JournalistInnen strecken ihre Fühler stärker über die Grenzen Österreichs hinaus. Sie interessieren sich deutlich mehr für internationale Themen.
  2. Der allgemeine Themenfokus ist im Grunde genommen bei beiden Gruppen gleich – jedoch unterscheiden sie sich in ihrer Herangehensweise. JournalistInnen bleiben (trotz Hinweis auf „persönliche Meinung“/“Kein Redaktions-Account“) ihrer Rolle überwiegend treu und twittern eher sachlich, während PolitikerInnen Themen vermehrt emotionalisieren.
  3. Österreichs JournalistInnen erreichen mit einer Follower-Base von über 1 Mio. eindeutig mehr Menschen im Vergleich zu PolitikerInnen (ca. 380.000 Follower). Halten sich bei der Anzahl der Tweets zu den einzelnen Themen aber relativ die Waage (ca. 270.000) (Quelle: APA-OTS Twitterlist).

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