Es ist aus! Eine Serie über Anfang, Mitte und Schluss.

Wir beginnen unsere neue Serie über das Web, Produktzyklen und Umsetzungen mit dem Ende. Und sagen bei dieser Gelegenheit gleich leise Servus zu Heinz Fischer, der heute endgültig seine Amtszeit als Österreichischer Bundespräsident beendet. Was hat das miteinander zu tun?

Das Ende als produktive Kraft

Ob Heinz Fischer seine Amtszeit gerne beendet, wissen wir nicht. Generell ist es so, dass nur wenige wirklich bewusst etwas beenden. Wir blenden das (notwendige?) Ende oft aus, bis es von irgendwo doch um die Ecke blickt. Meist ist es aber dann zu spät, um das Ende für etwas radikal Neues zu nutzen. Was wir durch diese furchtsame Ignoranz aber übersehen: das Ende kann eine unglaubliche produktive Kraft freisetzen.

Death is very likely the single best invention of Life. It is Life’s change agent. It clears out the old to make way for the new. (Steve Jobs in seiner Rede in Stanford, Juni 2005)

 

Will man etwa im wirtschaftlichen oder künstlerischen Kontext diese schöpferische Kraft anzapfen, schlägt z.B. Joseph Schumpeter die kreative Zerstörung vor, über die er in seiner Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung schrieb. Und zwar schon 1912.

Auslöser für die schöpferische Zerstörung sind Innovationen, die von den Unternehmern mit dem Ziel vorangetrieben werden, sich auf dem Markt durchzusetzen. (aus dem Wikipedia-Artikel über „Schöpferische Zerstörung“)

datenwerk beendet – warum uns das Ende so wichtig ist

Ein Großteil unserer momentanen Aufträge sind Relaunches im weitesten Sinn. Es gibt zwar immer wieder komplett neue Projekte im Web. Die meisten haben aber eine gewisse Vorgeschichte. Gleichzeitig verändert sich alles rundherum: die Art der Produktion, die Art der Distribution und die Art, wie wir das Netz konsumieren sowieso. Wir propagieren, ein Relaunch-Projekt genauso wie ein neues Projekt ganz genau unter die Lupe zu nehmen. Der Blick richtet sich darauf, was man radikal anders machen muss, um auf Veränderungen reagieren zu können, anstatt darauf zu schauen, was man vielleicht aus Bequemlichkeit weiterführen könnte.

Durch Weglassen Platz für Neues schaffen

Um Vergangenes gut zu beenden und den Fokus auf Neues legen zu können, verwenden wir unterschiedliche Methoden. Im Blog stellen wir euch nach und nach Lieblingsmethoden von uns vor. Oft ist die Methode der Business Model Generation ein guter Ausgangspunkt, um Geschäftsmodelle zu betrachten und zu gestalten. Ein starkes und wirksames Methodenpaar bildet Business Model Generation zusammen mit der Blue Ocean Strategie, wenn es darum geht, bestehende Geschäftsmodelle zu verändern, zu fokussieren und zu erneuern.

Kernpunkt der Blue Ocean Strategie sind vier Fragen:

  • Elimination: Welche Faktoren müssen weggelassen werden?
  • Reduzierung: Was kann radikal gekürzt werden?
  • Steigerung: Welche Elemente müssen mehr als den Branchenstandard erfüllen?
  • Kreierung: Was muss neu erfunden werden?
Foto Steampunk

Was muss neu erfunden werden, um zum Ziel zu kommen?

Beispiel Relaunch: Hogastjob

Seit 2006 betreuen wir Hogastjob – das Karriere-Portal für Gastronomie und Hotellerie. Unser gemeinsames erstes Ende durchlebten wir 2009, als wir sowohl die Technologie als auch das damals bestehende Geschäftsmodell auf den Kopf stellten. Technologisch kam der damalig neu und vielversprechende PHP-Framework Symfony zum Einsatz. Und das neue Geschäftsmodell lautete in Folge: „Wir bieten einen one-stop-shop für Hoteljobs an“. Die an einer Stelle eingegebenen Stellenbeschreibungen werden an möglichst vielen Orten im Netz verbreitet. Dadurch wurden die anderen Anbieter von Job-Plattformen zu Partnern statt Konkurrenten.

Etwa sieben Jahre später durchleben wir gemeinsem ein neues Ende. Ein Umstieg auf Symfony 2 macht klar: vieles, was vorher sinnvoll war, muss neu gedacht werden. Von Symfony 1 auf Symfony 2 kann man entweder umsteigen oder aussteigen. Wir steigen um und nützen die Chance, konsequent Funktionen wegzulassen, um Kernfunktionen mehr Platz und Aufmerksamkeit geben zu können. Damit verhilft uns ein technisches Ende zu einer inhaltlichen Neuausrichtung.

Was hat Heinz Fischer mit dem Ende von Webkampagnen zu tun?

Wir kommen zur eingangs gestellten Frage zurück. Denn: nicht nur bei einem neuen Projekt oder einem Relaunch lohnt es sich, die Vergangenheit zu beenden. Manchmal sind Projekte oder Kampagnen auch einfach zu Ende und dieses Ende soll genauso durchdacht und sorgsam zelebriert werden wie jeder Neuanfang.

Wir erinnern uns: Rund um die Wahlkampagne hat datenwerk die Website heinzfischer.at aufgesetzt.

So schön es auch war, die Kampagnenarbeit, die Ideen, der Drive, das Erreichen – irgendwann war die Kampagne auch zu Ende und Heinz Fischer wieder Bundespräsident. Spätestens dann interessieren sich nur noch Agenturen, MitbewerberInnen, DokumentatorInnen für die gelungene Kampagne. Deren Fragen haben wir gerne beantwortet in Präsentationen und Interviews für Buchbeiträge.

Ein wichtiges Ende

Wenn sich alle nach einer Kampagne oder einem Projekt ihrem (neuen) Tagesgeschäft widmen und neue Räume erobern, sollte jemand das Licht in den alten Gemäuern abdrehen. In diesem Fall war das unsere Aufgabe, als betreuuende Agentur.

Foto Lichtschalter und Ausschalteknopf

Fehlt ein klares, eindeutiges Ende, kann das Folgen für die Sicherheit haben und Mehrkosten verursachen.

Für den Online-Teil der Kampagne bedeutete „beenden“ unter anderem:

  • Eine umfassende Projektdokumentation schreiben
  • Lessons Learned durchleben und daraus eine Dokumentation erstellen
  • Eine Liste an umgesetzten Ideen als Inspiration für nächste Kampagnen erstellen
  • Eine Liste für PartnerInnen, was sie noch zu tun haben, damit die Kampagne abgeschlossen werden kann, zur Verfügung stellen
  • Löschung personenbezogener Daten (inkl. vorheriger Information)
  • Übergabe der Infrastruktur-Daten (wie URL) an den Auftraggeber (hier ist eine Alternative: Kündigung einer Domain)

Warum ist das wichtig?

Wenn (vor allem) Web-Projekte im Sand verlaufen ohne klares Ende, dann kann das Folgen haben, wie zum Beispiel:

  • Mehrkosten aufgrund nicht-gekündigter Verträge
  • Sicherheitslücken aufgrund nicht gewarteter/gekündigter Webseiten
  • Rechtliche Konsequenzen aufgrund unklarer Lizenzen (z.B. Bildrechte)

Du willst dein Projekt erfolgreich beenden? Deine Daten übergeben? Aus den Erfahrungen die richtigen Schlüsse ziehen? Melde dich bei uns, wir helfen dir beim Schlussmachen! office@datenwerk.at

 

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Wolfgang Zeglovits

Wolfgang beschäftigt sich intensiv mit neuen Erkenntnissen rund um Innovationsforschung, Usability und Social Media. Seine langjährige Erfahrung und sein Know-how bringt er in die Konzeption für Webprojekte ein. Dabei sind ihm Innovationsmanagement und die Erkenntnisse aus der Marktforschung wichtig.

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