Mit Chatbots zum Erfolg!

Die Chatbot-Community traf sich in Wien bei der Chatbotconf2016. Organisiert wurde sie vom Wiener Startup Orat.io. „Big Player“ wie Microsoft, IBM und Google gaben Einblicke und wichtige Tipps.

Und „kleinere“ Bots, Netzwerke und EntwicklerInnen konnten sich austauschen. Eine Konferenz, die zur richtigen Zeit am richtigen Ort stattgefunden hat.

Chatbots – warum jetzt?

In Wirklichkeit gibt es Chatbots, die Computerprogramme, mit denen man interagieren kann, seit etwa 50 Jahren und dennoch boomen sie gerade jetzt. Weil sich das Medienverhalten der UserInnen gänzlich geändert hat – wir tragen das Internet mit uns herum, verwenden und befragen es und wollen Antworten. Aber auch, weil Kommunikations-Plattform-AnbieterInnen wie Facebook-Messenger, Line oder Telegram es EntwicklerInnen jetzt viel leichter machen, Chatbots selbst zu bauen.

Wien ist ein Bot-Spot

Es war auch kein Zufall, dass die Chatbot-Konferenz in Wien stattgefunden hat! Wien hat eine (manchmal im Hinter-/Untergrund agierende) sehr florierende „Hardcore Tech-Szene“ und mit Lemmings i/o einen „Inkubator“ mit Schwerpunkt AI (Artificial Intelligence) und Chatbots. In Wien vibriert es! Und das tat es auch auf Twitter, wie Luca Hammer visualisiert hat:

Wie wird man bekannt? Wie bekommt man Geld?

So gut wie alle Vortragenden hatten ein paar Tipps und Gedanken dazu auf Lager, wie das mit der Aufmerksamkeit und dem Geld ist (ok, zum Geld gab es leider sehr wenige Tipps). Denn es ist für UserInnen noch nicht einfach genug, den richtigen Chatbot zu finden. Und für EntwicklerInnen noch nicht klar, wie man mit Chatbots Geld verdienen kann.

So schafft es der neue Bot überhaupt auf den Markt

Laut Amir Shevat von SLACK werden nur 2% der entwickelten Bots tatsächlich veröffentlicht, weil der Rest zum Beispiel eine schlechte Einstiegsseite hat, vor Bugs nur so strotzt, keine Installierungs-, keine Privacy- und keine Support-Seite bietet. Abgeleitet bedeutet das für Bots:

  • durchdachte Einstiege (aka. „smart onboarding“ )
  • Servicegedanke im Vordergrund
  • den UserInnen helfen
  • nicht spammen!

People will give/interact a lot, if they see the „fruit“ – give them the service and they will <3 you (Amir Shevat, SLACK)

Auch Toby Bradshaw (Microsoft) hatte ein paar generelle Tipps für EntwicklerInnen, die den Servicegedanken wieder aufgreifen:

  • Zufriedenheit: Bots sollen so funktionieren, dass UserInnen zufrieden sind
  • Mut zur Lücke: Bots müssen nicht perfekt sein – wenn etwas unklar ist: nachfragen!
  • Know-How: EntwicklerInnen sollen ihre Bots verstehen und wissen, wie diese kommunizieren.

Keep training and don´t forget: this is a process! (Toby Bradshaw, Microsoft)

So kann der Bot am Markt bestehen (und gefunden werden!)

Ido Iungelson (VIBER) fokussierte auf diese vier Punkte am Weg zum Bot-Fame – und wie die zu erreichen sein könnten. Mikhail Larionov (Messenger) ergänzte den Punkt des Geldverdienens noch um ein paar Aspekte, ließ aber durchscheinen, dass Facebook eigentlich auch noch nicht wisse, wie man damit Geld verdienen könne.

  • Verbreitung –> die Leute sollen über den Bot reden wollen, das heißt: er muss auffindbar und teilbar sein (viral werden können), Messenger bietet daher bald einen neuen Share-Button für Bots. Microsoft hat in Skype nun einen Bot-Button eingebaut, über den man zu so etwas wie einem Bot-Markt kommt. Der Messaging-Dienst LINE wird bald einen LINE-Bot-Market anbieten.
  • Branding –> wie soll der Bot aussehen? Emojis verwenden, gutes Cover-Bild, ansprechende Landingpage. Die Formatierung hängt stark von dem ab, was die Plattformen erlauben und definieren, hier bietet Messenger laut Mikhail Larionov ständig neue Design-Features für Bots, um diese so attraktiv wie möglich zu machen.
  • Geld verdienen –> In-Bot-Werbung? In-Bot-Veröffentlichungen (da gibt es noch keine Regeln und keine Standards)? Es gab eigentlich keine Tipps.
  • Vertrauen –> Wie kann man wissen, dass man einem Bot vertrauen kann? To do: Fail-Safe-Nets einbauen (d.h. die Konversation an Menschen übergeben, wenn es zu heikel wird).

Grafik Roboter in RotZum Thema Vertrauen und anderen wesentlichen Fragen rund um Chatbots hat Amir Shevat einen großartigen Artikel für techcrunch geschrieben: Hard Questions about bot ethics.

Leider kamen kritische Fragen auf der Konferenz überhaupt zu kurz – in der Euphorie blieb dafür wohl kein Platz, obwohl zumindest der kurze Vortrag von Alexandra Neczilova (SURE) über die Botiquette für Menschen sicherlich ein guter Anknüpfungspunkt gewesen wäre. Oder auch der wirklich herausragende Vortrag von Behshad Behzadi (google) über die Zukunft des Suchens, der gleichzeitig das Gefühl von „unfassbar cool“ und „sehr creepy“ ausgelöst hat.

Das mit dem Geld: Bot-Awards von Telegram und LINE

Sowohl Telegram als auch LINE haben 2016 Bot-Awards ausgeschrieben und vergeben viel Geld für gute Bots. Immerhin ist das eine Möglichkeit, Geld mit Chatbots zu verdienen.

Lesen: eBook und Buch

Swat.io hat Anfang Oktober ein eBook zum Thema „Chatbots – Conversational UI and the future of online interaction“ veröffentlicht, das sich ganz gut liest und einen smoothen Einstieg bietet. Amir Shevat (SLACK) schreibt derzeit an seinem Buch „Designing Bots“, das 2017 bei O´Reilly erscheinen wird. Es wird sicherlich eines dieser Standardwerke werden.

Anschauen: Video über die „Chatbot-Welle“ und Slides

Eggplant-Films arbeiten an einem Kunst-/Tech-Kurzfilm über die „Chatbot-Welle“ und haben auf der Konferenz kräftig um Unterstützung geworben.

We plan to create an audiovisual experience that aims to trigger curiosity about CHATBOTS. But what is a chatbot? How does it work? Why is it useful? All this will be addressed.

Einige der Vortrags-Slides der Konferenz gibt es in diesem (italienischen) Beitrag zu finden: Sull’evento ChatbotConf 2016 di Vienna!

Und zum Schluss: Wo beginnen? Tool-Kits und Plattformen

Nur ein paar der Plattformen, die bei der Chatbotconf2016 vorgestellt wurden. Als Ausgangspunkt.

 

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2 Antworten

  1. Avatar Sicherlohn sagt:

    Danke für den tollen Bericht über die Chatbotconf2016! Man bekommt dadurch wirklich einen guten Überblick über das umfangreiche Thema. Es ist wirklich faszinierend, das die Chatbots gerade jetzt in aller Munde sind, obwohl es sie eigentlich schon seit vielen Jahren gibt.

  1. 22. März 2018

    […] ich nun noch mehr über Chatbots, wie sie menschlicher werden und warum das NutzerInnen anspricht. Wie Chatbots zum Erfolg führen können, hat Julia Petschinka bereits im Blog […]

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