Lasst Daten auf Worte folgen! Messen, Macht und Miteinander im Zeitalter der Digitalisierung.

Vortragssaal auf der re:publica 2017. Leinwand mit der Aufschrift "Love out Loud"Ohne Daten(analyse) geht nix mehr. Passt auf wie ihr (mit eurer Community) sprecht! Und überhaupt: Es ist wieder re:publica in Berlin.

Anfang Mai zieht es uns immer wieder nach Berlin. Nicht etwa wegen dem schönen Wetter oder dem guten Essen. Nein, es ist wieder re:publica und damit ein Fixtermin für die deutschsprachige Digitalcommunity um sich zu treffen, zu vernetzen, auszutauschen, Neues zu erfahren und Altes zu beleuchten. datenwerkerin Ingrid ist vor Ort und bekommt ab Mittwoch tatkräftige Unterstützung von Wolfgang. Was gibt’s also Neues in dieser Welt der Digitalisierung?

Daten erheben und Facebook verstehen

Wie funktioniert eigentlich dieser Facebook Algorithmus der bestimmt, welche Meldungen ich in meinem

Präsentationsfolie mit Visualisierungen

Ein Versuch, den Facebook Algorithmus zu visualisieren.

Newsfeed (besonders häufig) sehe, und welche mir eher verborgen bleiben. Mit dieser Frage beschäftigt sich Prof. Vladan Joler in der Session “Mapping Facebooks Algorithmic Empire”. Er hat den Facebook Algorithmus aufgezeichnet und veranschaulichte die daraus gewonnenen Daten in einer Visualisierung. Oder zumindest: Es war ein Versuch, die Hülle an Daten, die in den Facebook Algorithmus mit einzahlen, zu visualisieren.

Seine Schlußfolgerung: Facebook weiß unglaublich viel über uns. Warum? Weil wir es preisgeben. Jeder Klick, jedes Like, jedes hochgeladene Foto ist ein Beitrag unsererseits, damit Facebook uns besser versteht. Damit kann es ein Profil von uns anlegen, kann Fragen zu “Wer bist du? Was magst du? Wie bist du politsich so drauf?” beantworten, um uns dann genau die Informationen und Inhalte zu zeigen, die uns wahrscheinlich besonders ansprechen. Damit bringt uns Facebook dazu, weiter zu interagieren und so wieder Daten in den großen Topf zu werfen. Wir leisten also einen Großteil der Arbeit selbst. Unbezahlt. Bitte, gern geschehen. Die Analysen sind selbstverständlich nur eine grobe Annäherung an die “Secret Sauce” von Facebook. Die genaue Funktionsweise ihres Algorithmus gibt Facebook nicht preis. Und die Daten, mit denen Prof. Joler arbeitet, stammen aus dem Jahr 2015 und heute fuktioniert vieles schon wieder anders. Der Facebook Algorithmus wird bis auf weiteres also eine “Black Box” bleiben. Doch sein Prinzip kann uns lehren, vorsichtiger mit unserem Input zu sein: so können wir zumindest einen Teil dessen, was wir in diese Black Box einzahlen, selbst bestimmen und steuern. Besser wäre noch, wenn wir so wiederum steuern, was am anderen Ende für uns an Content wieder heraus kommt.

Die Trolle und die Daten

Ein weiterer Beitrag aus dem “Eck” der Datenanalyse lieferte der Österreicher Luca Hammer in seinem Vortrag “Mit den Trollen ums Datenfeuer tanzen”. Luca Hammer hat deutschsprachige Twitter-Trolle – Accounts, die hauptsächlich das “Stören” von digitalen Unterhaltungen zum Ziel haben– analyisiert. Dabei wird klar: Im Grunde sind es einige wenige, sehr aktive, Accounts, die bestimmte Themen besetzen und zu Beginn meist “spontan” eine Störaktion starten.

Aber: Die Trolle haben ihre eigenen Communities und Gruppen, die rasch “zur Hilfe eilen” und fleißig re-tweeten, erwähnen und mithelfen, eine Störaktion zumindest quantitativ größer zu machen. Da können einzelne Accounts schon über 200 Tweets in wenigen Stunden veröffentlichen und so jede sachliche Unterhaltung unterwandern. Oder die Beteiligten werden derart beleidigt/eingeschüchtert, dass man auffhört, “dagegen zu reden”. Dass es Trolle gibt, lässt sich schwer verhindern. Doch Luca gibt einige Strategien mit auf den Weg, wie mit ihnen umgegangen werden kann. Zum Beispiel:

  • Troll-Accounts (auf Twitter) nicht blockieren. Denn das ist eine Art “Trophäe für die Trolle. Besser ist es, sie “stummzuschalten” oder sie direkt an Twitter zu melden.
  • Nicht versuchen, die Trolle mit den eigenen Waffen zu schlagen. Spart euch die Zeit und die Nerven!
  • Sucht euch Unterstützung (online und offline).

Language is never innocent

Das absolute Highlight der re:publica 2017  stellt (für mich) bisher der Vortrag von Elisabeth Wehling zu “Die Macht der Sprachbilder – Politisches Framing und neurokognitive Kampagnenführung” dar. Schon am Morgen ging es in einer Session zu “Ein Plädoyer für anständiges Community Management” darum, wie wir als Community Manager mit unseren UserInnen sprechen sollten. Zusammenfassend:

  • empathisch
  • nicht beleidigend
  • Humor: ja
  • Sich über UserInnen lustig machen: besser nicht

Soweit so selbstverständlich würde man meinen. Scheinbar waren diese Prämissen aber doch für einige BesucherInnen neu und innovativ. Es wurde dann eben doch noch nicht, oft genug gesagt.

Zurück zu Elisabeth Wehling, die sich vor allem mit politischen Sprachbildern und Frames auseinandersetzt. Es geht hierbei nicht um das WIE wir mit unseren Commuities sprechen, also ob wir nett und empathisch sind. Vielmehr geht es darum, WAS wir sagen und welche Worte wir dafür finden. Sprache bewirkt so viel im menschlichen Gehirn. Ein einziges Wort kann verschiedene Gehirnregionen aktivieren und Menschen zum Beispiel dazu bringen, etwas zu riechen, zu schmecken, zu spüren oder eben: bestimmte Assoziationen zu finden und Handlungen zu setzen.

Von Hurricanes und Fake News

Elisabeth Wehling analysierte, dass Hurricanes mit männlichen Namen aufgrund der Assoziationen “Stärke, Agressivität etc.” bedrohlicher wirken als Naturgewalten mit weiblichen Namen. Bei einem Hurricane “Franz” wird also schneller evakuiert als bei einem Hurricane “Franziska”. Einfach nur weil unser Gehirn seine Arbeit macht. Mit diesen Frames arbeitet auch die Politik. Bestimmte Begriffe werden bewusst eingesetzt, um Emotionen zu wecken und so unsere Einstellung zu steuern. Indem man z.B. “Flüchtlingswelle” oder “-Flut” sagt, wird eine bedrohliche Naturkatastrophe “mitgezeichnet”. Wehren ist schwer. Denn wer diese Frames in der Negation mitbenutzt, aktiviert sie wiederum. Wenn wir also Trumps Mär von den “Fake News” widersprechen wollen, dürfen wir nicht sagen “Dieses Medium ist nicht Fake News”. Denn was hängen bleibt ist: “Fake News”.

Präsentationsfolie mit dem Zitat "Language is never innocent"Elisabeth Wehling beendete ihren Vortrag mit einem sehr treffenden Zitat von Roland Barthes.

Language is never innocent

Ein wunderbares Schlusswort. Denn unsere Worte sind auch in der digitale Kommunikation der Weg in die Herzen und Köpfe der Menschen. Nutzen wir sie also verantwortungsbewusst.

 

Den Vortrag kann man derzeit noch nicht als eigenes Video nachsehen, sondern nur in der Gesamtaufzeichnung des Livestreams von Tag eins auf Youtube. Wir haben schonmal die richtige Zeitmarke für den Vortrag gesetzt, also einfach klicken und losschauen! Elisabeth Wehling “Die Macht der Sprachbilder – Politisches Framing und neurokognitive Kampagnenführung” (Start bei der Livestream-Aufzeichnung bei ca. 5h 57m)

 

 

 

1 Antwort

  1. 15. Mai 2017

    […] installieren. Warum? Weil ohne Daten(analyse) nichts mehr geht, wie Ingrid in ihrem Blogpost zur heurigen re:publica […]

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