Die EU, Social Media und der Opinion Tracker – Interview mit Mag. Dr. Michaela Amort

Social Media wird auch für die EU immer wichtiger – für politische Information, Diskussion und Meinungsbildung. Wie setzen EU-Institutionen Social Media, im Besonderen Twitter, im politischen Alltag ein?

Das hat Mag. Dr. Michaela Amort in ihrer Masterarbeit untersucht. Für ihre Arbeit war dabei die Social Media Beobachtung, die sie mit Hilfe des  Opinion Trackers durchführte, von zentraler Bedeutung. Wir waren neugierig und haben sie zu den Ergebnissen befragt.

Warum ausgerechnet Twitter?

datenwerk: EU Institutionen bevorzugen Twitter als Kommunikationsmittel. Warum ausgerechnet Twitter?

Michaela Amort: Im Rahmen meiner empirischen Untersuchung, in deren Zentrum eine zweimonatige Social Media Beobachtung stand, konnte ich eine klare Präferenz für Twitter im Vergleich zu anderen Social Media Kanälen nachweisen. Das verwundert, denn Twitter ist von der Verbreitung und den UserInnenzahlen her ein Nischenmedium.

Das sagt natürlich etwas darüber aus, wer hier als Zielgruppe gesehen wird.

Es sind nicht die Bürgerinnen und Bürger der Europäischen Union, sondern JournalistInnen, BloggerInnen, EU Institutionen, Interessensvertretungen, NGOs, Lobbyagenturen, also spezialisierte Fachzielgruppen innerhalb der eigenen Bubble.

Monolog statt Dialog

datenwerk: Das klingt, als würden EU Institutionen Twitter bloß als Ankündgungsmedium verwenden. Wo bleibt da der Dialog?

Michaela Amort: Twitter wird in den von mir untersuchten Accounts weitgehend als Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in Einwegkommunikation betrieben. Es findet also kein Dialog statt, sondern die Kommunikation besteht hauptsächlich aus monologischen Ankündigungen und Links zu Dokumenten und Videos. Das ist schade, denn die EU will ja seit geraumer Zeit ein Europa der Bürger und Bürgerinnen sein.

Jetzt, wo sich die sozialen Medien zu zentralen Orten politischer Information, Diskussion und Meinungsbildung entwickelt haben, bestünde die Alternative zunächst einmal im Kommunikations-Stil, der einen Dialog auf Augenhöhe anstreben sollte.

Dafür bietet sich derzeit Facebook an, das mit etwa 300 Mrd. aktiven Nutzern und Nutzerinnen pro Monat im EU-Raum ganz klar die wichtigste Plattform ist, um sich über Nachrichten, Politik, Gesellschaft auszutauschen.

Brexit! Für die EU ein Tag wie jeder andere?

dw: Ein überraschendes Ergebnis deiner Arbeit ist, dass der „Brexit“ auf Ebene der Twitter-Kommunikation der EU Institution ein Tag wie jeder andere war. Warum war das so?

Michaela Amort: In der quantitativen Auswertung fielen weder der Zeitpunkt des Referendums am 23. Juni 2016 noch der Tag danach, als der EU-Austritt als Resultat feststand, auf. Dagegen wurde der 24. Juni 2016 in den klassischen Nachrichtenmedien als unerwartet, überraschend und schockierend beschrieben.

Auf der inhaltlichen Ebene hatte es schon im Vorfeld nur wenige klare Worte gegeben, die deutlich für einen Verbleib Großbritanniens in der EU Stellung beziehen.

Jede Einmischung in die nationalen Kampagnen („Leave“, „Remain“) und damit in die Souveränität des Mitgliedstaates sollte wohl vermieden werden.

Gerade am 24. Juni sticht eine bewusst sachliche, umsichtige und ruhige Sprache ins Auge – Vorbereitetsein, Einigkeit und Rechtssicherheit werden signalisiert. Auch der eher negativ besetzte Begriff „Brexit“ wird von den Accounts, mit denen ich gearbeitet habe, als Hashtag erst danach verwendet.

Bemerkenswert finde ich den Wechsel der benutzten Hashtags ab dem Gipfeltreffen am 28./29. Juni 2016 (mit der Konstituierung der EU27): Während davor die Rede von #UKreferendum und #UKref war, so verschob sich nun der Fokus mit #EUreferendum und #EUref von „UK“ hin zur „EU“.

Social Media Monitoring mit dem Opinion Tracker – gerade im politischen Bereich sehr aufschlussreich

dw: Für deine Recherche hast du das Social Media Monitoring Tool Opinion Tracker verwendet. Wie hast du die Arbeit mit dem Opinion Tracker erlebt?

Michaela Amort: Für meine Arbeit war vor allem die Möglichkeit wichtig, den Opinion Tracker mit bestimmten Accounts zu „füttern“ und deren Postings verlässlich und komplett über einen definierten Zeitraum zu sammeln.

So hatte ich am Ende des Monitorings mehr als zehntausend Rohdaten in einer CSV-Datei zur Verfügung, die ich systematisch, sowohl quantitativ als auch qualitativ auswertete. Mir lagen z.B. auch Tweets im Original vor, die später gelöscht wurden.

Besonders bedanken möchte ich mich bei Petra Permesser, die mir mit Rat und Tat zur Seite gestanden ist und natürlich bei Wolfgang Zeglovits, der mir das Tool für meine Studie kostenlos zur Verfügung gestellt hat.


Wenn Du Fragen zum Opinion Tracker hast und selbst Tracks anlegen möchtest, melde Dich bei office@datenwerk.at – wir haben alle Infos, Tricks und Tipps für Dich.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Webseite verwendet Cookies. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Mehr Informationen zu Cookies.
Ich habe den Hinweis gelesen.
x