Tool Time – Food Photography

Essen appetitlich zu fotografieren ist wesentlich leichter, als du denkst! Die besten Tipps vom Profi fassen wir hier zusammen. Übrigens: Das lässt sich leicht erweitern auf andere Accessoires und Gimmicks.
Im Rahmen der „Photo+Adventure-Messe“ in Wien hatte ich die Möglichkeit einen Workshop von Profi-Fotograf Cliff Kapatais zum Thema „Food Photography” zu besuchen. Vielleicht habt ihr euch schonmal gefragt, wie Food Blogger es schaffen, schöne Fotos von Gerichten zu produzieren. Hier erzähle ich dir über Licht, Ambiente und Inszenierung.

Es werde Licht!

Cliff betont mehrmals wie wichtig Licht für gute Aufnahmen ist. Aber nicht jedes Licht eignet sich gleichermaßen gut!

Folgendes gilt es zu beachten:

  • Natürliches Licht: Am besten eignet sich Sonnenlicht oder eine alternative große Lichtquelle (zB. ein Studioblitz) mit natürlichem, weißem Licht. An hellen Tagen reicht normales Tageslicht neben einem Fenster oder einer Glastür.
  • Weich und diffus: Das Licht muss breit gestreut werden. Es darf nicht zu hell sein und nicht nur einen einzelnen Punkt bestrahlen.
  • Position der Lichtquelle: Das Licht sollte immer von hinten das Motiv beleuchten, damit der Schatten des beleuchteten Objekts zum Fotograf zeigt. Das Motiv befindet sich also zwischen Licht und Fotograf.
  • Nur eine Lichtquelle: Nicht verschiedene Lichtquellen mixen und das Motiv von verschiedenen Seiten bestrahlen! Dadurch entsteht ein unnatürlicher Schattenwurf.
  • Reflektor verwenden: Wenn das Licht hinter dem Motiv steht kommt es oft vor, dass der vordere Teil, der näher beim Betrachter ist im Schatten liegt. Um diesen Bereich auch zu beleuchten verwendet man einen Reflektor,  den man vor dem Motiv platziert. Das einfallende Licht wird so zurück auf das Objekt reflektiert. Wer nicht extra einen Reflektor besorgen möchte, kann alternativ auch eine günstige weiße Styropor-Platte verwenden.

Die richtige Vorbereitung

Oft gelingt einem das beste Foto nicht in den ersten zwei Minuten. Oder man möchte eine Serie an unterschiedlichen Settings ausprobieren.  Achte darauf, dass die Küche bzw. das Set sauber und ordentlich aussehen! Damit Fleisch länger frisch und saftig aussieht, beachte folgende Tipps:

Profi-Tipps

  • Das Fleisch nicht komplett durchbraten, sodass es innen noch roh ist. Wenn das Shooting etwas länger dauert und die Oberfläche fahl wirkt, kann man das Fleisch mit Öl oder einem Sojasauce-Wasser-Gemisch bepinseln.
  • Das Essen nicht würzen, denn Salz entzieht Feuchtigkeit.
  • Bei Gerichten mit Sauce diese sparsam einsetzen, damit nicht alles darin schwimmt und aufgeweicht wird.
  • Wenn du nur ein paar Schnappschüsse für deinen Blog machen willst, und deine Speisen schnell vorm Essen ablichten möchtest, dann kannst du diese Tipps getrost ignorieren und dein Essen nachher genießen. 😉

Inszenierung ist alles

Hier sind die Verhältnisse interessant: ein rechteckiger, ruhiger Boden mit vielen kleinen, runden Elementen. Spannender wird das Bild mit den zwei freien Flecken, die die Symmetrie zu stören scheinen. Unbewusst bleiben wir aber daran hängen und befassen uns länger damit.

Komplementärfarben (Rot und Grüntöne) kombiniert mit gegensätzlichen Strukturen wie weicher Aufstrich mit saftigem Belag auf einem knusprigen Brot. Daneben ein samtiges Öl. Dazu gegensätzliche Formen (runde Elemente auf einem viereckigen Brett.)

Das Ziel ist klar: Lecker muss das Bild aussehen. Es soll Appetit anregen und beim Betrachter Lust auf Essen wecken. Da es sich um ein statisches Bild handelt, ohne Gerüche und ohne Küchengeräusche muss es umso dynamischer und interessanter gestaltet werden.

Gegensätze ziehen sich an!

Es gibt ein verblüffend einfaches Rezept, womit man jede Speise gut in Szene setzen kann! Der Trick ist mit Gegensätzen zu arbeiten:

  • Farb-Kontraste: Komplementärfarben  erzeugen Spannung (z.B. Rot auf Grün oder gelb auf Lila)
  • Kontraste mit Formen: runde, quadratische, oder anders geformte Elemente kombinieren (z.B. ein runder Teller auf einer quadratischen Serviette oder eine runde Speise auf einem quadratischen Holzbrett).
  • Strukturen und Oberflächen: z.B. ein weiches Stück Pastete auf einem glatten Porzellan-Teller, daneben ein krosses Stück Brot.
  • Mengen und Verhältnisse: z.B. Ein großer Pudding, daneben viele kleine Früchte.

Tipp: Elemente können auch nur teilweise im Bild liegen. Unser Gehirn ergänzt die fehlenden Teile beim Betrachten und wir beschäftigen uns automatisch mehr mit dem Bild. Du kannst dich also auch richtig austoben!

Orange Suppe, blaue Glasur und bläulicher Untergrund ergibt ein stimmiges Bild. Achtet auf die Formen: kreisrunde Elemente, kombiniert mit anderen Formen (Kerne, Blätter)

Profi-Tipp für interessante Oberflächen

Deine alte, graue Küchenplatte befindet sich neben einem Fenster aber eignet sich schlecht als Hintergrund? Lass sie unter einer Textur verschwinden! Relativ glatte Oberflächen wie Holz, Marmor, Kork, feiner Stoff kann man einfach „fälschen“, indem man sich die Texturen auf einem großen Latex-Papier ausdrucken lässt. Geeignet sind nur Texturen mit einer hohen Auflösung (mindestens 300 DPI)! Beim Fotografieren solltest du darauf achten, dass sich das Papier unter dem Gegenstand nicht wellt. Die Texturen sehen täuschend echt aus und wenn du die Speisen darauf platzierst, merkt man nicht, dass die Oberfläche nur ein Druck ist.

Eine Auswahl geeigneter Texturen aus dem Netz:

Jetzt geht’s ans Eingemachte!

Erzähl eine Geschichte!

Frühstück mit Omis Porzellan, dazu eine Tasse Tee.

Noch besser und interessanter werden die Bilder, wenn man eine Geschichte damit erzählt und das gelingt gut mit Requisiten. Gedanken machen kann man sich schon beim Anrichten der Speise: Auf einem Teller oder einem Holzbrett? Lieber puristisch auf einem Glas-Boden oder “shabby” auf einem bemalten Porzellan-Teller vom Flohmarkt? Man kann auch andere Gegenstände ins Bild holen: Mit Besteck, Servietten und Blumen lässt sich zum Beispiel ein gediegenes Set erstellen. Oder wie wäre es mit einer romantische Stimmung mithilfe von Kerzen und Weinglas?
Passende Requisisten gibt es bestimmt in jeder Küche oder am Flohmarkt oder in einem Design-Shop. Auch Hände eignen sich gut, um Nähe zum Betrachter aufzubauen.

Die Kamera

An dieser Stelle kann ich keine Kamera Typ-Empfehlung angeben, denn es gilt:  Es ist relativ egal, welche digitale Kamera du verwendest, solange man du lernst, das Beste daraus zu machen! Man kann auch ganz tolle Fotos mit einem Smartphone machen!

Die Perspektive

Es gibt drei Perspektiven, die sich gut für Food Photography eignen:

Ein Eyelevel-Shot. Tipp für Fortgeschrittene: Mit Tiefenschärfe arbeiten!

  • ¾ Ansicht – so wie wir beim Essen auf das Gericht schauen. Gut für AnfängerInnen geeignet. Hier kannst du nicht viel falsch machen.
  • Top-Down – aus der Vogelperspektive.
  • Eyelevel – auf gleicher Höhe wie das Gericht. Dies Perspektive eignet sich gut für höhere Sachen (z.B. Torten).

Profi-Tipp zur Tiefenschärfe

Schön ist es, wenn man bei Food-Fotos mit Tiefenschärfe arbeitet. Dabei ist ein Bereich scharf und der Rest rundherum unscharf. Dazu brauchst du eine große Blende mit kleiner Zahl (1.2 – 5.6). Das kannst du bei den meisten digitalen Kameras manuell einstellen. Probier es mal aus!

Du willst wissen, wie du deine Food-Fotos noch besser machen kannst und möchtest Feedback von einem „geschulten Auge”? Oder möchtest du aus deinen Bildern passende Shareables für Social Media Kanäle gestaltet bekommen? Schreib uns, wir helfen gerne weiter!

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