Netzneutralität vor dem Aus – wie reagieren?

Wie viel wäre dir der Aufruf einer Website wert? Wie lange könntest du es dir leisten, mit Spotify Musik zu hören, wenn du schon für den Start der App deine Geldbörse öffnen müsstest? Würdest du auch dann noch skypen, wenn dein Netzbetreiber Skype als Mehrwertdienst anböte?

Diese Fragen werden wir uns bald alle stellen müssen! Und das nicht zum Spaß.

Bild mit Netzgrafik und Titel zu Netzneutralität. Bildquelle www.opte.org

Teile einer „Karte“ des Internets, basierend auf Daten von opte.org am 15.01.2005. Jede Linie beschreibt zwei Knotenpunkte, welche zwei IP-Adressen repräsentieren. Die Länge der Linien beschreibt die Verzögerung zwischen den Knotenpunkten.

Warum ist das Ende der Netzneutralität so dramatisch?

Die US-Amerikanische Behörde Federal Communications Commission (FCC) bestimmte Ende 2017 das AUS für die Netzneutralität in den USA. Und das, obwohl sie sich erst 2015 maßgeblich für die Netzneutralität stark gemacht hat. Setzt sich die neue Entscheidung durch, dann geht mit der Einschränkung der Netzneutralität eine Phase der Offenheit zu Ende. Das Netzwerk des Vertrauens, in dem Bits und Bytes gleichwertig unterwegs waren, gibt es dann nicht mehr.

Warum ist das so dramatisch?

  • Weil es ein entscheidender Schlag gegen eine wichtige Voraussetzung für ein offenes Internet ist.
  • Weil das bedeutet, dass nicht mehr alle Webseiten oder Services die gleichen Chancen haben, gefunden zu werden.
  • Und weil es Netzbetreibern möglich macht, Mehrwertdienste einzuführen, wie wir es vom Telefon her kennen. Internetservices wie Skype oder Spotify könnten nur durch zusätzliche Gebühren aufgerufen werden.

Wir müssen darauf rechtzeitig reagieren!

Was ändert sich, wenn sich die Netzneutralität ändert?

Die Aufhebung der Netzneutralität macht aus dem Internet an sich, also aus der Netz-Infrastruktur, ein künstlich beschränktes Gut. Das hat Auswirkungen auf das gesamte Internet.

Eine Folge der künstlichen Beschränkung: Das Web, wie wir es kennen, stirbt. Denn wenn die darunter liegende Infrastruktur verändert wird, ändert sich alles.

Das können wir jetzt schon in manchen Regionen beobachten. Portugal gibt uns dazu einen Einblick, so schreibt Der Standard beispielsweise: „Datenpakete für YouTube – Portugal zeigt, was ohne Netzneutralität droht“ (23.11.2017). Was passiert in Portugal? UserInnen können einen Tarif bei ihrem Internetprovider wählen, bei dem sie für gewisse Internet-Services wie z.B. Facebook nichts bezahlen müssen – wenn sie aber mit ihrem Web-Browser das Web nutzen wollen, müssen sie extra dafür bezahlen! Für Unternehmen kann das bedeuten: Wenn UserInnen nicht bereit sind, für mehr als nur Facebook zu bezahlen, werden ihre Webservices und Webseiten schlichtweg nicht mehr aufgerufen.

Wirf schnell noch einen Blick auf das „gute, alte Internet“ (Stand 2012)

Animierte Weltkarte zur 24 Stundung Internetnutzung - erstellt von Carna Botnet

World map of 24-hour relative average utilization of IPv4 addresses observed using ICMP ping requests by Carna botnet, June – October 2012 // Weitere Informationen dazu auf Wikipedia unter CarnaBotnet

Wer das Web voll benutzen will, muss mehr bezahlen

Wir denken weiter: Wer das Web demnach voll benutzen will muss unverhältnismäßig an den Serviceprovider bezahlen. Eine Folge daraus ist, dass in Zukunft also die Web-Service-Provider entscheiden können, wieviel für welche Webservices bezahlt werden muss.

Wie können in Zukunft Menschen im Web erreicht werden?

Die Änderungen der Netzneutralität werfen einige wichtige Fragen auf, wie etwa: „Wie kann ich in Zukunft meine KundInnen im Web noch erreichen?“. Und das Dramatische daran ist, dass es wirklich alle betrifft. Daher stehen wir alle vor der Herausforderung, Wege zu finden um Inhalte in einem Umfeld zu verbreiten, wo in Zukunft alles etwas kosten wird.

Gefunden zu werden wird in Zukunft noch mehr eine Frage des Geldes werden. Hier brauchen wir Strategien.

Facebook probiert in diesem Zusammenhang seit Monaten immer neue Varianten aus. Relativ große Empörung rief z.B. im Herbst 2017 die testweise Einführung des Explore-Feeds hervor. Facebook möchte soetwas im Nachhinein gerne kleinreden, wie Techcrunch berichtete: „Facebook downplays test banishing all Pages to buried Explore Feed“ (23.10.2017)

Was bleibt, wenn sich alles ändert?

Unternehmen brauchen in Zukunft also umso mehr Strategie, die ihnen hilft, zielführend zu agieren. Wer muss mit wem wie umgehen, damit Inhalte weiterhin gefunden und wahrgenommen werden?

  • Inhalte müssen weiterhin attraktiv und relevant sein.
  • Wir müssen in unserem universell gültigen VOGUE-Ansatz das V wie „Vernetzung“ weiter denken. Wichtig wird, für welches Service NutzerInnen in Zukunft bereit sind zu zahlen. Denn die Art der Vernetzung und die Kanäle werden sich ändern, wenn nicht mehr nur das soziale Umfeld, sondern auch der Preis des Zugangs die Auswahl bestimmt.
  • Usability an sich ändert sich nicht. Menschen brauchen Unterstützung in diesen Systemen und Netzwerken!
  • Der prinizipielle Entwicklungszyklus ändert sich. Auch, wie man den Zyklus mit agilen Methoden begleitet.

Die wohl dramatischste Änderung betrifft die Machtverschiebung hin zu den Netzbetreibern und weg von den Dienstleistern.

Du bist unsicher, wie dich das betreffen wird? Du möchtest rechtzeitig Strategien entwickeln, um im Netz ohne Netzneutralität bestehen zu können? Wir helfen dir dabei! Schreib uns an office@datenwerk.at

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