Bitcoin und Blockchain: Was bleibt vom Hype?

Alle Welt redet über Kryptowährungen – immer noch. Vor einem Vierteljahr faszinierten uns die steigenden Bitcoin-Kurse, mittlerweile ist die Debatte in Häme umgeschlagen: Die Blase gilt als geplatzt. Hat sich das Thema damit erledigt? 

Anita Posch, (c) Gabriela KochWir wollten verstehen, was Bitcoin & Co jenseits des Hypes für Individuen und Gesellschaften bedeuten. Anita Posch, Speakerin und Autorin mit dem Schwerpunkt Krypto-Ökonomie, hat sich Zeit genommen für unsere Fragen. Kann ich jetzt schon mit Bitcoin bezahlen? Wieso vertrauen Menschen in eine Währung wie Bitcoin – oder geht es vielmehr um die Technologie? Können Privatpersonen überhaupt etwas mit Bitcoin anfangen?

Eine der überraschenden Prognosen Anita Poschs: “Durch Bitcoin wird das Bewusstsein dafür steigen, wie wichtig IT-Sicherheit ist.” Und das sei nicht die einzige soziale Innovation, mit der zu rechnen sein wird. Wieso das so ist, erfährst du hier im Interview. Foto: Gabriela Koch.

Die Interview-Themenblöcke im Überblick:

Bitcoin = Geld?

dw: Bitcoin und andere Kryptowährungen werden häufig gleichgesetzt mit “digitalem Geld”. Entspricht das unserem alltäglichen Verständnis von Geld? Kann ich mit Bitcoin einfach im Internet shoppen gehen oder Verwandten Geld schicken?

Anita Posch: Ja, man kann sowohl im Internet damit bezahlen als auch weltweit Geld versenden und das im Vergleich zu üblichen Banktransaktionen sehr günstig, schnell und ohne Wechselgebühren. Viele ArbeitsmigrantInnen nutzen Bitcoin, um sich die teilweise sehr hohen Gebühren z.B. bei Western Union zu sparen, wenn sie Geld nach Hause senden.

Die vor einigen Monaten sehr hohen Transaktionsgebühren bei Bitcoin werden aufgrund technischer Neuerungen mittelfristig stark sinken: Das Lightning Network, ein auf der Blockchain-Technologie aufsetzendes Netzwerk, wird bereits getestet und ermöglicht eine viel höhere Anzahl an Transaktionen zu geringeren Kosten.

Die Kursschwankungen sind derzeit noch ein Problem, in unseren Breiten sind wir das nicht gewohnt. Für die Menschen in Simbabwe, Venezuela oder Argentinien ist das nichts im Vergleich zur dortigen Inflation. In Japan z.B. ist Bitcoin bereits als gesetzliches Zahlungsmittel anerkannt.

dw: Neben der theoretischen Möglichkeit mit Bitcoin zu bezahlen: Ist dies in Europa bereits Praxis? In Österreich erscheinen die Möglichkeiten, etwa beim Online-Buch- oder Kleiderhändler zu bezahlen, noch sehr begrenzt.

Anita Posch: Das Bezahlen ist möglich und grundsätzlich einfach, aber es gibt derzeit noch nicht viele Annahmestellen. Was logisch ist, denn das ist ein zweiseitiger Markt. Wenig Annahmestellen heißt wenig UserInnen.

Wenn die Nutzung steigt, steigt das Vertrauen, es wird mehr Annahmestelle geben und mehr NutzerInnen. Da tritt auch der Netzwerkeffekt wie bei sozialen Medien in Kraft. Je mehr TeilnehmerInnen ein Netzwerk hat, um so größer ist der Nutzen für alle Beteiligten.

dw: In einer Situation, in der er es noch wenige Annahmestellen gibt: Was macht man dann mit Bitcoin? Was bieten Kryptowährungen einer Privatperson, was Unternehmen?

Anita Posch: Privatpersonen können Bitcoin und andere Kryptowährungen als Anlageform sehen. Die einen glauben an ein langfristiges Steigen des Wertes und halten die Coins viele Jahre. Andere wiederum traden mit den Kryptowährungen. Das heißt, sie nutzen Kursschwankungen, um kurzfristige Gewinne zu erzielen.

Dies war bisher nur Bankern möglich und mit höheren Geldsummen verbunden. Bei Bitcoin & Co. können alle traden – ob man das moralisch gut oder weniger gut findet, ist Ansichtssache – man braucht jedenfalls nur einen Computer und Internet.

Unternehmen könnten Einsparungen erzielen, indem sie von Vermittlern unabhängiger werden. PayPal und die Kreditkartenunternehmen verlangen für jeden Online-Kauf eine Gebühr, die die Handelsunternehmen und letztlich die KundInnen tragen. Diese Gebühren könnten durch den Einsatz von Kryptowährungen sinken.

Die Technologie hinter Kryptowährungen

dw: Gehen wir noch einmal zurück zu den Ursprüngen von Bitcoin, denn die klingen durchaus abenteuerlich. Von dem pseudonymen Autor ‘Satoshi Nakamoto’ wurden 2008 die mathematischen Grundlagen der Kryptowährung ins Netz gestellt. Ziel war es, so ein Peer-to-Peer Electronic Cash System zu etablieren, das ohne finanzielle Institutionen funktionieren könnte. Zwei Jahre später gab es bereits die ersten Bitcoin-Börsen.

Anita Posch: Die Ursprünge von Bitcoin sind alles andere als abenteuerlich, sondern sehr durchdacht. Satoshi Nakamoto, ein Pseudonym, es könnte sich um eine Person oder mehrere handeln, veröffentlichte 2008 das Bitcoin Whitepaper. Wenn man betrachtet, wie umstritten Bitcoin & Co. sind – bis hin zu Verhaftungen von Minern in China oder Venezuela – ist dieses Versteckspiel durchaus als clever zu bezeichnen. Er oder die Gruppe nahmen bereits existierende Konzepte und kryptographische Methoden und kombinierten sie zu einem neuen Regelwerk. Seit 1990 gab es Versuche digitales Geld mittels Computer-Technologie zu schaffen.

David Chaum stellte 1990 „Digicash“ vor und führte die Verwendung von privaten und öffentlichen Schlüsseln ein. 1997 folgte „Hashcash“ von Adam Back auf Basis der Arbeit der US-amerikanischen Informatikerin Cynthia Dwork gemeinsam mit dem Kryptographen Moni Naor. Hashcash ist die „Proof of Work“ Mining Funktion von Bitcoin. Es folgte „b-money“ von Wei Dai im Jahr 1998. Diese Idee baute auf einem dezentralisierten Netzwerk auf. Kurze Zeit später veröffentlichte Nick Szabo eine Schrift über „BitGold„, ein Geldsystem ohne Zentralbanken, sowie „Smart Contracts“.

Auf einige dieser Konzepte berief sich Satoshi Nakamoto in seinem Whitepaper. Jedenfalls waren die Vorgänger-Ideen nicht ausgefeilt genug, um ein tragfähiges elektronisches Geldsystem sein zu können. Bis Satoshi Nakamoto 2008 das Bitcoin Whitepaper online stellte.

Eine Frage des Vertrauens

dw: Was kennzeichnet die dahinterstehende Technologie, das es rechtfertigt dieser zu vertrauen – mehr als einer Zentralbank? Die heute in den Industrienationen geführten Währungen hatten ihren Ursprung schließlich im Goldstandard des ausgehenden 19. Jahrhunderts: Dieser sah vor, dass alle zirkulierenden Geldscheine von einer Zentralbank gegen Gold eingetauscht werden konnten.

Auch wenn die Goldbindung schon lang nicht mehr gilt, lässt sich hier doch historisch nachvollziehen, wo das Vertrauen seinen Ursprung fand. Was hat die Blockchain als Grundlage der Kryptowährungen demgegenüber zu bieten? Und was ist ‘die Blockchain’ überhaupt?

Anita Posch: Vertrauen in eine Währung oder in ein System wird durch fehlerfreies Funktionieren und Gewohnheit geschaffen. Völlig neuen Technologien zu vertrauen, ist schwierig. Gehen wir in der Geschichte zurück. Auch der Schrift gegenüber musste man erst Vertrauen finden. Ein Text aus dem Jahr 1100 fragt: “Wenn wir Aussagen von Mönchen gegen einen Bischof ablehnen, weshalb sollten wir die Aussage einer Schafhaut akzeptieren?” Eine Möglichkeit Text zu verifizieren, war das Siegel. Im 13. Jahrhundert besaßen selbst Unfreie Siegel, um Dokumente zu benutzen. Das Siegel des Mittelalters kann man mit dem privaten Schlüssel für den Zugang zu den Daten auf der Blockchain vergleichen.

Das Vertrauen in die Bitcoin-Blockchain entsteht durch die Manipulationssicherheit der Blockchain-Technologie.

Einmal Gespeichertes kann nicht mehr verändert werden. Ich beziehe mich hier auf das Original-Konzept des Satoshi Nakamoto für “Bitcoin”. Für die danach entstandenen Kryptos “Bitcoin Cash”, “Bitcoin Gold” oder andere der rund 1.500 kann ich das nicht sicher sagen, weil es so viele sind.

Die Bitcoin-Blockchain ist ein dezentrales Peer-to-Peer Netzwerk mit genau festgelegten Regeln. Diese können nur im Konsens aller Beteiligten verändert werden. Das heißt, es gibt keine Hierarchie.

Die Bitcoin-Software ist Open Source, sie gehört niemandem. Alle Menschen mit Programmierkenntnissen können den Code einsehen und Vorschläge für Verbesserungen machen.

Im Moment ist die Bitcoin-Blockchain auf rund 12.000 Rechnern in über 100 Ländern gleichzeitig mit identen Kopien gespeichert. Das sind quasi 12.000 Backups.

Diese Full Nodes sorgen für die Verifikation der Transaktionen. Die idente Datenhaltung bürgt für die Sicherheit des Netzwerkes. Alle Transaktionen seit 2009 sind in der Blockchain gespeichert und öffentlich einsehbar. Bitcoin gehört niemandem, es ist daher nicht korrumpierbar.

dw: Allerdings sind Menschen korrumpierbar. Wieso sollten sich Menschen an diesem Netzwerk beteiligen, d.h. Rechner für die Blockchain bereitstellen?

Anita Posch: Menschen sind korrumpierbar, stimmt. Aber die Bitcoin-Blockchain kann nicht verändert werden, auch nicht durch Menschen mit schlechten Absichten. Das ist technisch einfach nicht möglich.

Im Gegenteil, durch die Belohnung für die Bereitstellung der Rechner erhalten die Miner Bitcoin.

Das heisst, sie werden bezahlt, wenn sie sich positiv für das Netzwerk verhalten. Wenn sie betrügen wollen, werden sie automatisch vom System ausgeschlossen.

Wer die Idee hinter Bitcoin gut findet, kann Rechenleistung zur Verfügung stellen, da jeder Rechner eine zusätzliche Kopie der Blockchain hält. Je mehr Kopien und je mehr dezentral organisierte Rechner bestehen, desto unangreifbarer ist das System für Hacker.

dw: Die Anzahl der möglichen Coins sind bei Bitcoin auf 21 Millionen begrenzt. Aus welchem Grund hat man hier eine Begrenzung eingeführt? Wie dicht an diesem Limit stehen wir aktuell und was passiert, wenn das Limit einmal erreicht ist?

Anita Posch: Die mögliche Bitcoin-Menge ist auf 21 Millionen Bitcoins fixiert. Das hat Satoshi Nakamoto im Whitepaper festgelegt. Circa 17 Millionen Coins sind derzeit bereits im Umlauf. Die Menge an Bitcoins, die die Miner bekommen, halbiert sich alle vier Jahre. 2140 sind alle 21 Millionen Coins im Umlauf. Danach geht das Mining weiter, statt der neuen Bitcoins werden die Miner über die Transaktionsgebühren bezahlt.

Im Gegensatz zum Fiat-Geld kann es dadurch keine Geldmengen-Inflation geben, niemand kann Geld schöpfen und es aus dem Nichts schaffen. Das Wort Fiat-Geld steht für alle Währungen der Welt wie Euro, US-Dollar, Pfund etc. Diese sind alle nicht durch Gold gedeckt. “Fiat” kommt vom lateinischen Wort “fieri”, das “es geschehe” bedeutet. Euro, Dollar etc. werden von den Zentralbanken in Absprache mit den Regierungen aus dem Nichts gedruckt. So kann es zu Hyper-Inflation wie z.B. in Simbabwe oder in den 1920er Jahren auch bei uns in Österreich kommen.

Es gibt Bitcoin-Vertreter, die davon sprechen, dass nach der Trennung von Kirche und Staat jetzt durch Bitcoin die Möglichkeit gegeben ist, Geld und Staat zu trennen. Damit wird der Zugriff des Staates auf das persönliche Vermögen unmöglich gemacht. Gleichzeitig erfahren Banken und andere Dienstleister nicht mehr, wofür wir unser Geld ausgeben.

Wettbewerb der Währungen

dw: Bitcoin war die erste, ist jedoch längst nicht mehr die einzige Kryptowährung. Zum einen gibt es Ableger wie Bitcoin Cash, Bitcoin Gold und Litecoin, zum anderen Konkurrenztechnologien wie Ethereum oder Monero. Was sind die Absichten bzw. Vorteile hinter solchen Ablegern und Konkurrenten?

Anita Posch: Ich würde das nicht wirklich als Konkurrenz bezeichnen, eher als innovationsfördernden Mitbewerb. Die Ableger sind entstanden, weil es Uneinigkeiten gab, in welche Richtung sich Bitcoin entwickeln soll.

Bitcoin Cash ist entstanden, weil es eine Diskussion gab, wie die wachsende Anzahl an Transaktionen technisch bewältigt werden soll. Eine Gruppe von Developern wollte die Blockgröße erhöhen, um mehr Transaktionen abwickeln zu können. Die Mehrheit war dagegen, weil die Internet-Bandbreite für die erhöhten Datenmengen dafür in vielen Regionen nicht ausreichend ist. Bitcoin Cash hat nun die größere Blocksize. Für Bitcoin arbeitet man an anderen Lösungen wie das vorher erwähnte Lightning Network. Jede der rund 1.500 Kryptowährungen hat andere Prinzipien und Absichten.

Monero ist zum Beispiel wirklich anonym, im Gegensatz zu Bitcoin das pseudonym ist. Das heisst, dass bei Bitcoin keine Klarnamen oder Identitäten hinterlegt sind, aber die Transaktionen kann man einzelnen Bitcoin-Adressen zuordnen und sehen wieviele Coins auf welcher Adresse liegen.

Auf Ethereum können auch andere Programme, sogenannte Smart Contracts laufen. Ein Smart Contract ist vereinfacht gesagt, ein Computer-Programm, das automatisch auf Basis äußerer Faktoren abläuft. Das kann zum Beispiel bei einer Flugverspätungsversicherung eingesetzt werden. Die Prämie wird in Ether bezahlt und wenn der Flug Verspätung hat, wird automatisch die Prämie ausbezahlt. Der Smart Contract holt sich die Informationen dafür selbstständig bei offiziellen, unabhängigen Quellen. Alles ohne bürokratischen Aufwand. Grundsätzlich sind Smart Contracts auch bei der “originalen” Bitcoin-Blockchain möglich und es wird an solchen Anwendungen gearbeitet.

Offen gestanden ist mir bei vielen der mittlerweile rund 1.500 Kryptowährungen nicht klar, wozu sie nützlich sind, außer um schnell Geld zu machen.

Es gibt sogar einen “PonziCoin”, für den sich absurderweise Käufer finden. Ein Ponzi-Scheme ist ein Betrugssystem, bei dem keine echten Gewinne generiert werden, sondern nur Scheingewinne, die von den Einlagen neuer Investoren finanziert werden.

Die vielen Währungen sind alles Ausdruck von Möglichkeiten und Ideen, die ohne große Zugangshürden umgesetzt werden können. Viele werden scheitern und wieder verschwinden, so wie viele Business-Modelle zur Anfangszeit der New Economy in den 1990ern.

Von Pizza, Hunden und Hypes

dw: Die kurze Geschichte der Kryptowährungen ist ja schon reich an Anekdoten: Der erste Bezahlvorgang, bei dem jemand Bitcoin gegen physische Waren tauschte, soll im Mai 2010 über die Bühne gegangen sein: Für 10,000 BTC kaufte ein Entwickler zwei Pizzen. Zum Kurs von Mitte Dezember 2017 wäre das belegte Gebäck entsprechend rund 150 Millionen Euro wert gewesen – einen Monat später nur noch die Hälfte.

Eine andere Story: Dogecoin, eine Währung mit dem aus einem Internet-Witz bekannten Hund als Logo, startete tatsächlich als Scherz und wurde dennoch am Markt so gut aufgegriffen, dass sie zu Ende des Jahres 2017 mit rund einer Billion US-Dollar kapitalisiert war. Bei allem Vertrauen in die Technologie der Blockchain: Was hilft diese, wenn Kurse dank Spekulation derart schwanken?

Anita Posch: Dass sich diese Stories so verbreiten, ist ein Zeichen wie sehr das Thema emotionalisiert und bereits verbreitet ist. Spekulation ist ja nichts Neues, das hat es immer schon gegeben. Die Technologie steckt in ihren Kinderschuhen. Der Wert wird sich in den kommenden 5-10 Jahren erst herausstellen.

Das geht Hand in Hand mit der technischen Entwicklung, mehr Userfreundlichkeit und dem Netzwerkeffekt. Mehr UserInnen, mehr Bitcoin im Umlauf, mehr Geld im Markt, weniger Volatilität und weniger Möglichkeit für Große den Kurs zu beeinflussen.

dw: Hier in Österreich hat die Finanzmarktaufsicht (FMA) eindringlich darauf hingewiesen, dass der Handel mit Kryptowährungen nicht ihrer Aufsicht unterliegt. Die Durchsetzung von Schadensersatzansprüchen könne sich als besonders schwierig gestalten, wenn sie überhaupt möglich sei. Wer evaluiert, welchen Währungen man trauen kann?

Anita Posch: Mit der Weiterentwicklung der Technologie einher gehen Formen der staatlichen oder unternehmerischen Regulierung, die Innovation weiterhin ermöglichen soll und gleichzeitig die Menschen vor Betrug schützt. Der Move von Facebook marktschreiende Werbung von tollen Gewinnmöglichkeiten mit Kryptos zu verbieten, ist ein Schritt in diese Richtung.

Wer Bitcoin oder andere Kryptowährungen kaufen will, muss wissen, dass das aufgrund der Volatilität hochriskant ist und weil man nicht weiß wie und ob sich Kryptos durchsetzen.

Darauf weist die FMA hin.

Soziale Innovationen durch Krypto

dw: Welche grundlegenden Transformationen für Wirtschaft und Gesellschaft erwartest du von Kryptowährungen?

Anita Posch: Durch Bitcoin wird das Bewusstsein dafür steigen, wie wichtig die eigene IT-Sicherheit ist. Für Unternehmen und verstärkt auch für Privatpersonen.

Sobald man die ersten Coins hat, steigt das Sicherheitsbewusstsein enorm, denn man will sein Geld ja nicht verlieren.

Die Menge der Coins an einer bestimmten Bitcoin-Adresse ist zwar auf der Blockchain gespeichert und sicher, aber die privaten Schlüssel müssen sicher verwaltet werden. Wenn sie ungeschützt am Computer herumliegen, können sie von Hackern gestohlen werden, die dann bequem das Geld von der Adresse abziehen. Regelmäßige Updates und sicheres Verhalten im Netz wird hoffentlich dadurch Standard.

Bitcoin ist mehr als “Geld”, es ist eine Open Source-Software und so kann es die Grundlage für viele neue Innovationen und Finanzprodukte sein. Die US Börse “robinhood” bietet bald kostenfreies Krypto-Traden an. In kürzester Zeit haben sich über eine Million Menschen dafür angemeldet. Die großen Banken werden vermutlich überrollt werden von dieser Innovationswelle.

Dazu fallen mir weitere Möglichkeiten ein wie Kosteneinsparungen, weniger Bürokratie sowie Zugang zum Wirtschaftsleben für Milliarden Menschen, die derzeit kein Bankkonto haben können.

Dezentralisierung von Services bis hin zu Mikrozahlungen im Netz, mit denen wir die Arbeit von JournalistInnen oder KünstlerInnen endlich effektiv bezahlen können: Das ist nur der Anfang. Es wird noch ein paar Jahre dauern bis die Technologie so weit ausgebaut ist, aber die Anfänge sind gesetzt.

Daher finde ich Artikel, die vom Ende des Bitcoin und der Kryptos schreiben, schon sehr mutig. Denn das kann man nicht vorhersagen und es kommt mir vor wie die Aussage in den 90er Jahren, dass das Internet wieder weg geht und E-Mail niemand braucht.

dw: Was sollte jeder Mensch, der Kryptowährungen kaufen will, unbedingt vorher verstanden oder gelesen haben?

Anita Posch: Dass das eigene Vermögen an Kryptowährungen nur sicher ist, wenn man den privaten Schlüssel dazu selbst verwahrt – unabhängig vom Wert der Währung gesprochen, die ja der Markt bestimmt.

Mit der Freiheit, das eigene Geld vor Zugriffen des Staates über die Banken zu schützen, geht Selbstverantwortung einher.

Wie man Kryptowährungen sicher kauft und verwahrt, habe ich in meinem Guide „Bitcoin & Co. Kryptowährungen sicher kaufen, verwalten und verwahren“ detailliert dargestellt.

dw: Letzte Frage: Hast du selbst in Bitcoin investiert?

Anita Posch: Lustig. So eine direkte Frage nach privaten Investitionen wird ansonsten nicht gestellt. 🙂 Aber ja, habe ich. Ich bin ein sehr praktischer Mensch, ich will alles ausprobieren. Man kann ja auch mit kleinen Beträgen Teile von Coins kaufen. Ausserdem wäre ich eine schlechte Beraterin, wenn ich den Umgang mit Kryptowährungen nicht selbst beherrschen würde.

dw: Danke für deine Zeit und das ausführliche Interview!

e-Book Cover

Anita Posch ist Speakerin und Autorin mit dem Schwerpunkt Krypto-Ökonomie. Einen Großteil ihrer Zeit verbringt sie derzeit mit Workshops und Vorträgen zum Thema Bitcoin und Blockchain.

Entsprechend ist auch der Fokus ihres Buches gewählt, das Ende März 2018 als E-Book und Taschenbuch erschienen ist: „Bitcoin & Co. Kryptowährungen sicher kaufen, verwalten und verwahren

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2 Antworten

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