Das war 2018 – ein Jahresrückblick mit dem Politbarometer

Ein politisch bewegtes Jahr geht zu Ende. Wir haben uns sieben der wichtigste politischen Ereignisse aus 2018 mit dem Politbarometer angesehen.

Das Ende einer Ära: Michael Häupl tritt zurück

Nach vielen Ankündigungen war es 2018 nun wirklich soweit: der langjährige Wiener Bürgermeister Michael Häupl trat zurück. Bei einer Abstimmung am SPÖ-Landesparteitag wurde Michael Ludwig als sein Nachfolger gewählt.

Was gleich auffällt: in etwa 28% der auf die Entscheidung folgenden Artikel über Ludwig kommt auch sein Gegenkandidat Andreas Schieder vor und ist damit neben Ludwig selbst die wichtigste Person in allen Berichten, sogar noch vor Michael Häupl.

 

Häupl rückt dann immer weiter in den Hintergrund mit der Ausnahme von zwei Höhepunkten: am 1. Mai zum traditionellen Tag der Arbeit und am 24. Mai, als er das Amt des Bürgermeisters an seinen Nachfolger übergibt.

In der zweiten Jahreshälfte sehen wir deutlich, dass Michael Ludwig nun Häupl überholt hat.

Ein Jahr „Schweigekanzler“ – ein Jahr auf Platz 1

Das österreichische Wort des Jahres steht fest und lautet „Schweigekanzler“. Bundeskanzler Sebastian Kurz wurde dieses Jahr bekannt dafür, dass er die rechtsextremen Meinungen und Aktionen seines Regierungspartners nicht kommentiert. Damit tritt er in die Fußstapfen von Wolfgang Schüssel, der bereits 2005 (ebenfalls als Kanzler einer ÖVP-FPÖ-Koalition) die Inspiration für das damalige Wort des Jahres „Schweigekanzler“ war.

Der Bundeskanzler selbst sagt also nicht viel, dafür wird aber umso mehr über ihn gesprochen. Er war das ganze Jahr über konstant auf Platz 1 des Politbarometers. Das ist besonders spannend, wenn man ihn mit anderen PolitikerInnen vergleicht. Niemand konnte, so wie Kurz, durchgehend seinen oder ihren Platz halten. Gleichzeitig sind aber auch bei Kurz Höhepunkte zu erkennen. Spannend ist zum Beispiel der gesamte Juni, wo sich Kurz jede Woche ein Stück steigerte und es jede Woche einen etwas anderen Grund dafür gab.

In der ersten Juli Woche, also zu Beginn der österreichischen EU-Ratspräsidentschaft erreichte Kurz seine höchsten Werte.

Wir sind EU-Ratsvorsitz

Alle sechs Monate übernimmt ein anderes EU-Mitgliedsland den Vorsitz im Rat der Europäischen Union. Am 1. Juli 2018 war Österreich zum dritten Mal seit dem EU-Beitritt 1995 an der Reihe und die Österreichische Ratspräsidentschaft begann. Im Politbarometer sehen wir, wie die Organe der EU in der zweiten Jahreshälfte weit wichtiger werden. Außerdem lässt sich ein klarer Höhepunkt erkennen, nämlich Anfang Juli zur Übergabe des Vorsitzes.

 

 

 

 

 

Etwas verwirrend: der Rat der Europäischen Union und der Europäische Rat sind zwei unterschiedliche Organe, der sogenannte Ratsvorsitz oder die Ratspräsidentschaft beziehen sich auf den Rat der Europäischen Union. Viele verwechseln das wohl, denn am ersten Tag der österreichischen Präsidentschaft wird vor allem über den Europäischen Rat gesprochen.

Die NEOS wechseln ihre Spitze

Matthias Strolz kündigte am 7. Mai seinen Rücktritt an und rückte damit in den Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit. Schon wenige Tage nach seiner Ankündigung flachte die Aufregung um ihn aber auch schon wieder ab. Mittlerweile wird über seine Nachfolgerin Beate Meinl-Reisinger sehr viel mehr gesprochen als über Strolz vor seinem Rücktritt. Der Peak Ende September erklärt sich übrigens dadurch, dass sie an diesem Tag ihre Schwangerschaft bekannt gab.

SPÖ: von Christian Kern zu Pamela Rendi-Wagner

Sehr überraschend erklärte SPÖ-Chef und Ex-Bundeskanzler Christian Kern im September 2018, dass er zurücktritt. Mittlerweile wissen wir: Mit seiner Nachfolgerin Pamela Rendi-Wagner hat die SPÖ nun erstmals eine Frau an ihrer Spitze. Und sie ist nicht alleine, denn seit 2018 sind alle Vorsitzenden der österreichischen Oppositionsparteien Frauen.

Den Wechsel vom ehemaligen Kanzler zur ersten SPÖ-Chefin haben wir uns hier genauer angesehen.

Innenpolitik ist kein Ponyhof

Auch Innenminister Herbert Kickl hat ein spannendes Jahr hinter sich. Mit Polizeipferden, der BVT-Affäre, diversen Aussagen zum Thema Asylsuchende und interessanten Vorstellungen zur Pressefreiheit hat er 2018 für einigen Wirbel gesorgt.

Im Politbarometer sehen wir diese Spitzen sehr deutlich und können dann genauer schauen, warum gerade da besonders viel über den Innenminister gesprochen wurde.

Das waren zum Beispiel die wichtigsten Themen als am 25. September ein E-Mail aus dem Innenministerium öffentlich würde, in dem beschrieben wurde, wie mit „kritischen Medien“ umgegangen werden soll.

Das Jahr der Volksbegehren

Mit dem Frauenvolksbegehren, „Don’t Smoke“ und der Initiative zur Abschaffung der ORF-Gebühren gab es dieses Jahr gleich drei große Volksbegehren, die für öffentliche Aufmerksamkeit sorgten. Das Frauenvolksbegehren freute sich mit fast einer halben Million Unterschriften über die meisten UnterstützerInnen. Wir haben uns daher genauer angesehen, was darüber online gesprochen wurde. Spoiler Alert: du wirst nicht glauben, wer in diesem Zusammenhang die wichtigste Person war!

We would like to thank…

Politbarometer! Ohne ihn wären wir an der Aufgabe eines Jahresrückblicks kläglich gescheitert. Doch dieses Tool macht es einerseits möglich, sich einen Überblick über das große Ganze zu schaffen und andererseits auch ins Detail zu gehen.

Wie hat sich Herbert Kickl im Laufe des Jahres entwickelt? Frag den Politbarometer!

Was waren die wichtigsten Themen, als im Juni besonders viel über Sebastian Kurz geredet wurde? Auch das weiß der Politbarometer.

Und wie geht es weiter?

Wir bleiben auch 2019 dran und verfolgen die österreichische Politik mithilfe des Politbarometers. Und es bleibt spannend, denn nächstes Jahr stehen mit AK, EU und ÖH gleich drei große Wahlen an.

 

Bleib auch du dran und schau dir den Politbarometer genauer an.

Julia Kauer

Wer wissen will, wer sich hinter dem Kürzel AOC verbirgt und lernen will, online genauso gut zu kommunizieren wie die Repräsentantin für New York, muss Julia fragen. Julia hat sich während des Studiums mit internationalen Beziehungen beschäftigt und knüpft beim datenwerk Beziehungsbande zwischen WählerInnen und Parteien. Die studierte Politikwissenschaftlerin ist unsere Spezialistin für politische Kampagnen. Auf ihrer Bucket Liste steht eine ausgiebige Weltreise, bei der sie jeden sinnvollen Kontinent (die Antarktis gehört nicht dazu) besuchen möchte. Bis dahin genießt sie die ausgiebigen Kuscheleinheiten mit ihren beiden Stubentigern Rudi und Alfred.

1 Antwort

  1. 31. Januar 2019

    […] Kurz hält sich, wie wir schon in unserem Jahresrückblick festgestellt haben, konsequent auf Platz 1 des Politbarometer Rankings der meist genannten […]

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