Nationalratswahl 2019: Von Egos und Wahlkämpfen

In einem Monat ist mal wieder Nationalratswahl. Wie wir schon in unserer Politbarometer Story des Monats Juni festgestellt haben, wird also das berühmt-berüchtigte Sommerloch dieses Jahr entfallen. Denn neben den traditionellen Sommergesprächen der PolitkerInnen füllt auch der Wahlkampf den österreichischen Polit-Sommer.

Wir haben uns eine kandidierende Partei und vor allem ihren ursprünglichen Namensgeber genauer angeschaut: JETZT um Peter Pilz.

Wie aus einem ehemaligen Grünen eine eigene Liste wurde

Vor zwei Jahren standen wir, so wie heute, kurz vor einer vorgezogenen Nationalratswahl. Die Grünen waren dabei, über ihre KandidatInnenliste zu entscheiden: wer kandidiert und auf welchem Platz? Peter Pilz wollte auf Platz 4 dieser Liste stehen, diesen bekam allerdings Julian Schmid, Pilz sollte auf Platz 6 kandidieren. Das war dem Herren nicht genehm und er beschloss somit, aus der Partei auszutreten und seine eigene Liste zu gründen.

Wir erinnern uns weiter: die Liste Pilz schaffte die 4%-Hürde und somit den Einzug in den Nationalrat, den Grünen gelang das allerdings nicht mehr. Kurz nach der Wahl wurden Anschuldigungen wegen sexueller Belästigung gegen Peter Pilz publik, der daraufhin bekannt gab, sein Mandat nicht anzunehmen. Schon im Jänner 2018 erklärte er, dass er in den Nationalrat zurückkehren will und seit Juni 2018, nachdem die Ermittlungen gegen ihn eingestellt wurden, sitzt er wieder dort.

Eine One-Man-Show namens „JETZT“

Top 20 der österreichischen PolitikerInnen. Peter Pilz ist auf Platz 7, weit vor Maria Stern, die auf Platz 14 zu finden ist.Mittlerweile heißt die Partei nicht mehr „Liste Pilz“, sondern „Partei JETZT“ und im Untertitel „Liste Pilz“. Die Vorsitzende ist Maria Stern. Die Abgeordneten der Partei scheinen weitgehend nicht gut auf den Gründer zu sprechen sein: Peter Pilz fand keine drei JETZT-Abgeordneten, die die Unterstützungserklärung für die kommende Nationalratswahl unterschreiben wollten. Immer wieder wird auch von seinem großen Ego und der One-Man-Show Pilz gesprochen. Ist das gerechtfertigt?

Am 05.08. war Maria Stern im ORF-Sommergespräch. Wir haben uns das Ranking der 20 meistgenannten PolitikerInnen von 05.08.-06.08. angeschaut, um herauszufinden, ob man ihren ORF-Auftritt auch da ablesen kann. Auf den ersten Blick sehen wir schon: in diesem Zeitraum war Peter Pilz weitaus wichtiger als Maria Stern.

Stern vs. Pilz

Wir haben uns die Sache noch genauer angeschaut und Maria Stern mit Peter Pilz verglichen: Wie haben sich die beiden seit der EU-Wahl entwickelt und über wen wird wie viel gesprochen? Hier wird im Politbarometer sehr deutlich, dass es sich wohl wirklich um eine One-Man-Show handelt. Über Peter Pilz wird 30-mal so viel gesprochen wie über Maria Stern.

Maria Stern und Peter Pilz im Zeitverlauf vom 27. Mai bis zum 27. August. Maria Stern bleibt mit ein paar wenigen Ausnahmen sehr niedrig, bei unter 50 Nennungen pro Tag. Peter Pilz hat eine für ihn sehr hohe Spitze am Tag nach der EU-Wahl von knapp 2000. Auch dann bleibt er immer um einiges höher als Stern mit einigen Spitzen zwischen 500 und 1000 Nennungen.

Zurück zu den Grünen?

Noch steht nicht fest, ob JETZT wieder in den Nationalrat einzieht. Aktuelle Umfragen deuten aber darauf hin, dass es sich diesmal nicht ausgehen wird. Dafür gilt der Einzug der Grünen als ziemlich sicher.

Im Mai erklärte Peter Pilz, dass er mit Grünen-Chef Werner Kogler darüber reden möchte, wie es mit den beiden Parteien weitergeht. Inzwischen wissen wir: die beiden Parteien werden getrennt antreten. Werner Kogler sagte in Bezug auf Peter Pilz, dass die Grünen sicher keinen Schritt in die Vergangenheit machen werden.

Wir haben Werner Kogler mit Peter Pilz verglichen und auch da fällt auf: die One-Man-Show Pilz liegt vor dem Grünen Kogler.

Werner Kogler hat insgesamt über den beobachteten Zeitraum 17834 Nennungen, bei Peter Pilz sind es 25497.

Was bedeutet das für die Nationalratswahl?

Können wir daraus etwas über das Ergebnis der Nationalratswahl ableiten? Je größer das Ego umso besser das Ergebnis? Wenn man aktuellen Umfragen glaubt, ist das wohl nicht der Fall. Doch das Ergebnis steht natürlich noch nicht fest und wenn wir dieses Jahr eines gelernt haben dann ist es das: die österreichische Politik ändert sich manchmal zack zack zack.

Wenn ihr Fragen zum Politbarometer habt oder mehr politische Insights wissen wollt, schreibt zack zack zack an die ExpertInnen von datenwerk unter office@datenwerk.at.

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Julia Kauer

Julia Kauer

Julia kennt sich dank ihres Politikwissenschaft-Studiums bestens mit internationalen Beziehungen aus. Als Spezialistin für politische Kampagnen schreibt sie im Blog den monatlichen Artikel über den Politbarometer.

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