Pamela Rendi-Wagner: Die Leiden einer Oppositionspolitikerin

Von Anfang März bis Anfang April läuft die große Mitgliederbefragung der SPÖ. Dabei geht es nicht nur um die Themen, auf die die Partei stärker bauen soll, es geht auch um die Vorsitzende selbst. Pamela Rendi-Wagner lässt die SPÖ-Mitglieder auch darüber abstimmen, ob sie Vorsitzende bleiben soll.

Wir haben das zum Anlass genommen, uns genauer anzusehen, was das Politbarometer über die erste Frau an der Spitze der SPÖ so verrät.

What goes up, must come down

Am Anfang sah es noch so aus, als würde sich Rendi-Wagner sehr gut machen als neue SPÖ-Vorsitzende. Doch schon bald ging es für Pamela Rendi-Wagner bergab und sie konnte sich nicht mehr richtig fangen. Der Tiefpunkt für sie und die gesamte SPÖ war wohl die letzte Nationalratswahl. Die SPÖ fuhr im September 2019 ihr historisch schlechtestes Ergebnis ein.

Doch wie ist es dazu gekommen? Und welche Rolle haben die Medien dabei gespielt?

Aus dem Fernsehen direkt in Opposition?

Wir haben uns eine ähnliche Frage schon kurz nach der Wahl angesehen. Da haben wir verglichen, welche Auswirkung eine TV-Konfrontation auf die Social Media Nennungen einer Person hat.

Wir haben damals schon gesehen, dass vor allem Rendi-Wagners Nennungen an Tagen von und nach TV-Auftritten enorm gestiegen sind. Diesmal gehen wir noch einen Schritt weiter und schauen uns an, ob dieser Anstieg auch statistisch signifikant ist.

Nennungen Pamela Rendi-Wagner über den Zeitraum 01.09.2019-27.09.2019. Ein Balken ist ein Tag, an dunklen Tagen fand ein TV-Auftritt statt, an hellen Tagen nicht.

Nennungen Pamela Rendi-Wagner über den Zeitraum 01.09.2019-27.09.2019. Ein Balken ist ein Tag, an dunklen Tagen fand ein TV-Auftritt statt, an hellen Tagen nicht.

Statistisch signifikante Benachteiligung?

Um der Frage nachzugehen, ob dieser Unterschied auch statistisch signifikant ist, haben wir das Signifikanzniveau bei 5% festgelegt. Wir nehmen also einen signifikanten Unterschied an, wenn der p-Wert kleiner als 0,05 ist. Unsere Hypothese dazu: die mittlere Anzahl der Nennungen bei TV-Auftritten und die von Tagen ohne TV-Auftritten unterscheiden sich. Die entsprechende Null-Hypothese ist, dass sich die Anzahl nicht unterscheidet.

Pamela Rendi-Wagner hatte an Tagen mit TV-Auftritt durchschnittlich 1168 Nennungen, an Tagen ohne TV-Auftritt durchschnittlich 472. Wir führten also einen t-Test durch, um die statistische Signifikanz dieses Unterschieds zu messen.

Das Ergebnis: der t-Wert liegt bei 2,5 und der p-Wert bei 0,037. Nachdem der p-Wert kleiner als 0,05 ist, gilt das Ergebnis als statistisch signifikant. Wir verwerfen somit unsere Null-Hypothese. Die Wahrscheinlichkeit für einen Type 1 Error (also dafür, dass wir die Null-Hypothese fälschlicherweise verworfen haben) liegt bei 3,7%.

Wir konnten also mithilfe der Daten aus dem Politbarometer zeigen: es besteht ein signifikanter Unterschied zwischen der Anzahl der Nennungen von Pamela Rendi-Wagner je nachdem, ob sie an einer großen TV-Konfrontation teilgenommen hat oder nicht.

Was bedeutet das?

Unsere Berechnungen haben auch gezeigt, dass es bei keiner anderen Spitzenkandidatin und keinem anderen Spitzenkandidaten im Herbst 2019 so einen großen Unterschied zwischen Tagen mit und ohne TV-Auftritt gab wie bei Pamela Rendi-Wagner.

Mehrnennungen pro Kandidatin und Kandidat. Wir sehen deutlich, dass der Unterschied bei Pamela Rendi-Wagner am größten ist, dicht gefolgt von Peter Pilz. Die anderen Kandidatinnen und Kandidaten liegen weit dahinter.

Wir sehen also, dass Rendi-Wagner von den TV-Konfrontationen sehr viel mehr profitierte, als andere KandidatInnen. Daraus schließen wir aber auch, dass die Medien insgesamt weniger über die SPÖ-Chefin als über andere Parteichefinnen und -chefs berichteten. Denn es brauchte schon eine große TV-Konfrontation, damit sie einmal so richtig auffällt. Und dass über Rendi-Wagner normalerweise weniger geredet wird, könnt ihr euch im Politbarometer ansehen.

Ob die derzeitige Oppositionspolitikerin Rendi-Wagner auch nach dem Ergebnis der großen Mitgliederbefragung weiterhin SPÖ-Vorsitzende bleibt, werden wir erst sehen. Es bleibt aber jedenfalls spannend um sie und die Zukunft der SPÖ.

Hast du dazu noch Fragen oder möchtest du deine eigenen statistischen Untersuchungen mit dem Politbarometer durchführen? Unsere Expertinnen und Experten helfen dir gerne weiter unter office@datenwerk.at!

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Julia Kauer

Julia Kauer

Julia kennt sich dank ihres Politikwissenschaft-Studiums bestens mit internationalen Beziehungen aus. Als Spezialistin für politische Kampagnen schreibt sie im Blog den monatlichen Artikel über den Politbarometer.

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