Politbarometer Story Mai 2020: „Mei Wien is ned deppat“

Einiges haben die Wienerinnen und Wiener vom wortgewaltigen Ex-Bürgermeister Michael Häupl gelernt, von dem das titelgebende Zitat „Mei Wien is ned deppat“ stammt. Unter anderem, wie man sich digital wehrt. Das haben wir ja bereits im Jänner 2019 gesehen, als Wien auf Twitter Bundeskanzler Kurz ausrichten ließ, dass Wien aufsteht. Auch im Mai 2020 ist’s so – nur mit einem anderen Gegner. Genaueres verrät das Politbarometer.

Nur ein nettes Angebot …?

Betrachtet man das Ranking der letzten Wochen im Politbarometer, verteidigt Sebastian Kurz dort unangefochten die erste Stelle mit seinem Kanzlerbonus. Hinter ihm lag lange Zeit Gesundheitsminister Rudi Anschober. In den letzten Tagen wurde er aber von Innenminister Karl Nehammer überholt. Wenn man die täglichen Social-Media-Nennungen der beiden betrachtet sieht man das auch sofort:

Diagramm zeigt den Vergleich den Nennungen pro Tag zwischen Rudi Anschober und Karl Nehammer ab 1. Mai 2020. Bis Mitte Mai liegt Anschober vorn, danach Nehammer

Die große Spitze ab dem 18. Mai ist darauf zurückzuführen, dass Karl Nehammer der Stadt Wien mehrfach Unterstützung beim Contact Tracing von Covid-19-Infizierten angeboten hat. Was er als freundliches Hilfsangebot hingestellt hat, kam nicht überall so an.

… oder schon Wien-Bashing?

Viele wähnten sich stattdessen bereits im Wiener Gemeinderatswahlkampf und einem Duell um Wien. Wenn wir die Suchergebnisse des Wiener Gesundheitsstadtrats Peter Hacker der letzten zwei Wochen betrachten, zeigt sich, dass es in 17% aller Treffer um Karl Nehammer geht. Der angesprochene Stadtrat hat das Hilfsangebot übrigens abgelehnt und betont auch, „nie mit Gatsch geschmissen“ zu haben. Und eine Runde epidemiologische Verbreitungslehre, über Bundesländergrenzen hinweg, gab’s noch dazu:

Tweet mit Text "Wenn unser Stadtrat Peter Hacker der #övp erklären muss, dass die Grenze zwischen Wien & NÖ dem #coronavirus BESONDERS VÖLLIG WURSCHT ist ❤️ #Nehammer"

Die Reaktionen auf Twitter rund um diese Causa und die beiden ZIB2-Interviews mit Peter Hacker (18. Mai) und Karl Nehammer (19. Mai) lassen sich inhaltlich in drei Kategorien einteilen.

Die Aufzeigenden

In diese Kategorie fallen all jene, die bestimmte Sachverhalte rund um die Causa aufzeigen. Dabei reicht die Bandbreite von Kritik am ORF über die fehlenden Gesprächsbereitschaft von Nehammer bis hin zu allgemeinen Diskussionen zu prekären Leiharbeitsverhältnissen.

Tweet mit Text "Innenminister Karl #Nehammer lehnt ein direktes Gespräch mit Stadtrat Peter #Hacker ab. Dabei hat die Stadt ein paar Fragen an ihn. Warum wohl? Denkendes Gesicht Hat er Angst davor? Denkendes Gesicht Ich glaub ja fast, er hat keine Antworten. Zwinkerndes Gesicht"

Tweet mit Text "Laut dem @ORF Frühstücksfernsehen liegt Hagenbrunn in Wien und ist Peter Hacker schuld, dass Nehammer die merkwürdigen Angriffe gestartet hat. Geht's noch etwas subtiler? Der ORF braucht ein Aufsichtsgremium unabhängig von der jeweiligen Regierung."

Die Schimpfenden

Selbstverständlich gibt es auch jene, die mit einem direkten Angriff auf Karl Nehammer, die ÖVP oder andere Bundesländer kontern: Besonders beliebt dabei ist übrigens der Begriff „Vollpfosten“.

Tweet mit Text "Ein Sittenbild in #Österreich: Die Bigotterie und Scheinheiligkeit der Heuchler (#Kurz #ÖVP #Kogler #Nehammer #Köstinger …) ist einfach unerträglich!"

Tweet mit Text "#nehammer ist der gleiche #pfosten wie ein @volkspartei #innenminister eben ist - wenigstens wird der eine oder andere wenigstens dann einmal verurteilt und sitzt"

Die Wehrhaften

Im Geiste von Michael Häupl und auch der #WienStehtAuf-Bewegung finden sich natürlich auch jene, die zur Verteidigung Wiens ausrücken … und das kann durchaus mit Humor passieren, wie einer der folgenden Tweets zeigt.

Tweet mit Text "Ich finde es gelinde gesagt voll daneben, dass der Vollpfosten Nehammer die Wiener Stadtregierung (indirekt Peter Hacker) kritisiert! ICH bin froh, dass wir in Wien den Peter Hacker haben und nicht so einen Blindgänger wie in Tirol (Stichwort Ischgl)!"

Tweet mit Text "Wahlkampfidee: Nachdem #Nehammer schon als oberster Law & Order ÖVPler anscheinend panische Angst hat Peter #Hacker zu begegnen, könnte man in ganz Wien ÖVP-Scheuchen mit Hackers Konterfei aufstellen. #zib2"

Das Beispiel rund um Karl Nehammer zeigt, wie groß die Kommunikation rund um eine Causa auf Social Media werden kann. Die Expertinnen und Experten bei datenwerk wissen diese Infos mit dem Opinion Tracker und dem Politbarometer nicht nur zu sammeln und auszuwerten, sondern entwickeln auch entsprechende Kommunikationsstrategien. Wer mehr darüber wissen will oder eine konkrete Frage hat, meldet sich am einfachsten unter office@datenwerk.at.

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Petra Permesser

Petra Permesser

Petra weiß, was das Netz spricht. Die Kommunikationswissenschafterin und Soziologin kümmert sich im datenwerk um alles, was mit Daten zu tun hat: Suchmaschinenoptimierung, Algorithmen, Ads und das Social Media Monitoring Tool "Opinion Tracker" sind Petras Metier. Außerdem tüftelt sie häufig an Story Maps und weiß, wie komplexe Software-Projekte mittels User Stories strukturiert werden können.

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