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Die Ein-Prozent-Regel oder das Schweigen der anderen 90%

90-9-1 oder auch die Ein-Prozent-Regel genannt ist eine Faustregel, die im Bereich der Online Communities Anwendung findet. Sie sagt aus, dass sich nur ein sehr geringer Teil (1%) der Userinnen und User aktiv im Web beteiligt.

Was sagt die Ein-Prozent-Regel aus?

Die Ein-Prozent-Regel wurde ursprünglich von IT-Berater Jakob Nielsen unter dem Begriff „Participation Inequality“ vorgestellt. Er formulierte es 2006 so:

All large-scale, multi-user communities and online social networks that rely on users to contribute content or build services share one property: most users don’t participate very much. Often, they simply lurk in the background.

Kurz gesagt: 1% der Userinnen und User sind für die meisten Inhalte verantwortlich, 9% beteiligen sich ab und zu  am Diskurs und 90% verhalten sich still und lesen nur mit.

Oder doch eher 23-60-17?

Im Jahr 2012 veröffentlichte die BBC eine Studie, die zu dem Schluss kam, dass 90-9-1 ein veraltetes Modell ist, wenn es um die heutige digitale Welt geht. Man fand heraus, dass Partizipation inzwischen eher die Regel als die Ausnahme ist und dass 77% der Bevölkerung des Vereinigten Königreiches in irgendeiner Form aktiv am digitalen Geschehen teilnehmen. Es bleiben allerdings nach wie vor 23% der Menschen passiv und nehmen überhaupt nicht teil. Das sind zum einen Menschen, die keinen Zugang zur notwendigen Technik haben oder Personen, denen das nötige Wissen fehlt. Aber ungefähr 11% dieser Personen gehören zu den „Early Adopters“, die sowohl den Zugang als auch die Fähigkeiten haben am Diskurs teilzunehmen aber dennoch bewusst nicht aktiv teilnehmen möchten. Die BBC sieht das Verhältnis also eher als 23-60-17.

Auch andere Studien legen nahe, dass 90-9-1 gerade in Bezug auf Social Media nicht mehr korrekt widerspiegelt, wieviel Prozent der User sich aktiv beteiligen.

Ob nun 90-9-1 wirklich das richtige Verhältnis ist, darüber scheiden sich die Geister, denn es ist auf jeder Plattform ein wenig unterschiedlich. Letzten Endes ist es aber nach wie vor so, dass die Anzahl der stark aktiven User den geringsten Prozentanteil ausmacht.

Aber mal ehrlich: Wen kümmert’s?

Uns. Und dich sollte es auch kümmern, wenn dein Unternehmen online vertreten ist.

Die Personen von denen du ständig etwas hörst, machen den geringsten Teil der Userinnen und User aus, die sich deinen Web-Auftritt ansehen. Das kann problematisch sein und zu falschen Rückschlüssen führen:

Wenn du dir erhoffst online Feedback zu deinen Produkten und Services zu bekommen, solltest du immer im Hinterkopf behalten, dass nur eine geringe Minderheit wirklich antwortet. Es ist durchaus wahrscheinlich, dass diese Minderheit nicht die Meinung der anderen 90% deiner Kunden vertritt. So könnten die Ergebnisse verzerrt werden. Eine sinnvollere Möglichkeit um Feedback z.B. für einen Webauftritt zu erhalten ist ein Usability Test.

Was kannst du gegen dieses Phänomen tun?

Es ist zwar nicht möglich, die 1%-Regel völlig außer Kraft zu setzen, aber es gibt Strategien mit denen man die Hemmschwelle für die anderen 90% senken kann. Mit diesen Tipps schaffst auch du ein Verhältnis von 23-60-17 oder sogar besser!

1. Hemmschwelle senken

Mach es deinen Kunden so einfach wie möglich am Geschehen teilzuhaben. Falls du möchtest, dass deine Kunden ein Produkt bewerten bietet sich zum Beispiel ein reines Stern-Rating an, bei dem es nicht notwendig ist einen Text zu verfassen. Das kann besonders auch in multinationalen Bereichen von Bedeutung sein, da eine Bewertung in einer Fremdsprache zu verfassen alles andere als einfach ist.

2. Empfehlungen aus der Datenbank

Amazon verwendet diese Idee in der Rubrik „Andere Kunden kauften auch“. Hier werden Kundinnen und Kunden Vorschläge angezeigt, die im Zusammenhang mit dem angesehenen Produkt von anderen Personen gekauft wurden. Der Vorteil bei einem System wie diesem ist, dass deine Kundinnen und Kunden überhaupt nichts machen müssen. Die Daten der Produkte, die gemeinsam mit anderen gekauft werden hast du ohnehin gespeichert.

3. Belohnungen

Kleine Belohnungen wie ein Rabatt auf einen zukünftigen Einkauf oder auch nur eine optische Kennzeichnung im Profil kann Userinnen und User motivieren aktiv auf deiner Plattform zu interagieren. Vorsicht: Übertreib es nicht mit den Belohnungen sonst fühlen sich die 1%, die ohnehin viel posten, noch stärker versucht deine Plattform zu dominieren.

4. Qualität über Quantität

Wenn alle Beiträge gleich behandelt werden, gehen wertvolle Beiträge oft in der Masse unter. Gib wertvollen Beiträgen einen speziellen Platz – dadurch profitieren alle. Auch ein Ranking der Reputation der Person, die einen Beitrag erstellt hat, kann eine gute Idee sein.

 

Wenn du Interesse daran bekommen hast deine 90% zur Partizipation zu motivieren, dann wende dich gerne an unsere Expertinnen und Experten via office@datenwerk.at! Wir unterstützen dich eine für dein Unternehmen individuell zugeschnittene Lösung zu finden.

 

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