Kommunikation,

Mehr Sichtbarkeit durch Ibiza-U-Ausschuss

Wer die Politbarometer-Stories regelmäßig verfolgt, weiß, dass der Kanzlerbonus Sebastian Kurz fast immer den ersten Platz bringt. Vor ein paar Tagen war das wieder einmal anders. Eine Oppositionspolitikerin konnte sich durch eine intensive Social-Media-Kommunikation auf Platz 1 setzen. Wann Stephanie Krisper den Bundeskanzler überholt hat, verrät das Politbarometer. Es weiß außerdem, wie es um die Sichtbarkeit anderer Politikerinnen und Politiker im Ibiza-U-Ausschuss auf Social Media steht.

Sichtbarkeit durch „am Oarsch“?

Ein direkter Vergleich zwischen der NEOS-Politikerin Stephanie Krisper und ÖVP-Bundeskanzler Sebastian Kurz zeigt, dass Krisper an mehreren Tagen vor Kurz liegt:

Liniendiagramm zeigt die Nennung zu "Sebastian Kurz" und "Stephanie Krisper" im Vergleich. Ende Juni an den U-Ausschuss-Tagen und auch davor liegt Krisper vor Kurz. Kurz dominiert an dem Tag, als der in der ZIB2 war (16.6.2020).
Politbarometer-Vergleich zwischen Stephanie Krisper und Sebastian Kurz, 1. Juni – 28. Juni 2020

Während die Kommunikation rund um Kurz zwei klare Spitzen hat (16. Juni: Ergebnisse Regierungsklausur und ZIB2; 24. Juni: Aussage im IbizaUA), ist Krisper ab 21. Juni fast durchgängig stärker präsent als der Bundeskanzler.

Das heißt im Umkehrschluss auch, dass für ihre Präsenz nicht nur ihre „Die geht mir am Oarsch“-Aussage vom 25. Juni verantwortlich ist. Dass sie bereits ab dem 21. Juni stärker präsent war, ist auf einen fragwürdigen Wunsch der ÖVP zurückzuführen, wie der Florian Steininger auf Twitter festhält:

Tweet von Florian Steininger: "Zuerst den @krainerjan wg der aufdeckung v pierers steuervermeidung anzeigen, jetzt @steffi_krisper versuchen zu kriminalisieren. Was gibt es noch alles zu verstecken? #IbizaUA"

Wie sichtbar sind die anderen Fraktionsführer?

Apropos @krainerjan, wie präsent sind eigentlich die anderen beiden Fraktionsführer der Opposition im IbizaUA, Christian Hafenecker (FPÖ) und Kai Jan Krainer (SPÖ)?

Liniendiagramm mit täglichen Nennungen von 1. bis 28. Juni: Die täglichen Nennungen von Christian Hafenecker bewegen sich zwischen 0 und 100, jene von Stephanie Krisper an schwachen Tagen bei 350, gegen Monatsende bei über 1.500. Kai Jan Krainer hat ein tägliches Grundrauschen von ca. 30-50 Beiträgen, an Sitzungstagen aber 200 und mehr.
Politbarometer-Vergleich zwischen Stephanie Krisper, Kai Jan Krainer und Christian Hafenecker, 1. Juni – 28. Juni 2020

Hafeneckers Geschichte ist schnell erzählt: wenig Präsenz. Seine Position ist aber auch schwierig, wenn u.a. gegen ehemalige Partei-Kollegen rund um die Ibiza-Affäre ermittelt wird.

Die Anzahl der täglichen Nennung bei Kai Jan Krainer folgt einem Muster, in dem die Sitzungstage des U-Ausschusses gut erkennbar sind. An jenen Tagen ist die Anzahl der täglichen Nennungen bei ihm deutlich erhöht. Die höchste Spitze befindet sich am 24. Juni mit 824 Nennungen, als Sebastian Kurz im U-Ausschuss war. Am zweiten Platz liegt mit 725 der 4. Juni, als der U-Ausschluss seine tatsächliche Untersuchungsarbeit aufgenommen hat.

Besonders interessant ist bei Kai Jan Krainer, dass er in der ersten Sitzungswoche deutlich präsenter war als in den nachfolgenden Wochen. Das könnte eventuell ein Nebeneffekt des Budgetsfehlers sein, den er Ende Mai aufgedeckt hatte, wodurch seine namentliche Bekanntheit bereits erhöht war. Noch deutlicher wird das, wenn wir im Politbarometer noch ein Monat zurückblättern und sehen, dass über Kai Jan Krainer bis Ende Mai kaum gesprochen wurde:

Balkendiagramm mit Anzahl der Nennungen zu Kai Jan Krainer ab 1. Mai 2020: Bis Ende Mai gibt es kaum Nennungen (täglich zwischen 0 und 30 Nennungen), höchste Spitze Ende Mai rund um die Budgetdebatte. Danach ist das Grundrauschen höher und die einzelnen Sitzungstage im Diagramm durch erhöhte Präsenz sichtbar.
Politbarometer-Analyse zu Nennungen rund um Kai Jan Krainer, 1. Mai – 28. Juni 2020

Hohes Grundrauschen für Sichtbarkeit erwünscht

Im Monatsvergleich Mai und Juni wird bei Kai Jan Krainer deutlich, dass sich sein Grundrauschen – also die täglichen durchschnittlichen Nennungen – erhöht hat.

Vergleicht man die drei Fraktionsführerenden der Opposition im U-Ausschuss wird deutlich, dass das Grundrauschen im Juni bei Kai Jan Krainer und Christian Hafenecker an sitzungsfreien Tagen bei maximal 100 Beiträgen pro Tag liegt, während das von Stephanie Krisper bei 350 liegt.

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass ein hohes Grundrauschen auch dazu beträgt, die Präsenz an Spitzentagen zu erhöhen, weil es sich hier meist um eine Vervielfachung des Grundrauschens handelt. Wer bereits ein gutes Niveau an Grundrauschen hat, weiß das Politbarometer. Du willst es ebenfalls wissen? Dann melde dich für den Premium-Zugang im Politbarometer an.
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Petra Permesser

Petra Permesser

Petra weiß, was das Netz spricht. Die Kommunikationswissenschafterin und Soziologin kümmert sich im datenwerk um alles, was mit Daten zu tun hat: Suchmaschinenoptimierung, Algorithmen, Ads und das Social Media Monitoring Tool "Opinion Tracker" sind Petras Metier. Außerdem tüftelt sie häufig an Story Maps und weiß, wie komplexe Software-Projekte mittels User Stories strukturiert werden können.

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