Politbarometer,

SPÖ – die Opposition in der eigenen Partei

SPÖ – die Opposition in der eigenen Partei

In der österreichischen Innenpolitik wird es einfach nie langweilig. Da haben wir den Rücktritt eines Verfassungsrichters und des Vorstands der „Österreichischen Beteiligungs AG“ (ÖBAG) aufgrund diverser Chat-Nachrichten. Oder des FPÖ-Obmanns, der sich durch innerparteiliche Differenzen zum Rücktritt bewogen sah. Dann gibt es noch den Bundeskanzler, gegen den wegen möglicher Falschaussage vor dem Untersuchungsausschuss ermittelt wird. Dem nicht genug, verzeichnet Österreich eine Rekordarbeitslosigkeit, Menschen sind zunehmend von Armut und prekärer Arbeit betroffen bzw. gefährdet. Und die Corona Pandemie ist – so zumindest Expertinnen und Experten – auch noch nicht vorbei. Für die Opposition also eigentlich viel zu tun. Es zeigt sich aber, dass die größte Oppositionspartei, die SPÖ, wohl aber die stärkste Opposition in der eigenen Partei ist.

Nachdem wir uns die letzten Monate mit den Regierungsparteien beschäftigt haben, sehen wir uns dieses Mal die SPÖ bzw. deren Obfrau Pamela Rendi-Wagner mit Hilfe des Politbarometers etwas genauer an.

Ein Blick in das Politbarometer

Das Politbarometer zeigt uns, dass das Netz zwischen 1. und 27. Juli häufig über SPÖ „Granden“ schrieb. Unter den sechs am häufigsten genannten Politikerinnen und Politikern finden wir neben Pamela Rendi-Wagner auch Michael Ludwig und Hans Peter Doskozil. Letzterer, so verrät das Politbarometer auf den ersten Blick, ist neu in dieses Ranking gekommen.

Politbarometer Juli
Politbarometer-Ranking der sechs meist genannten Politikerinnen und Politikern zwischen 01.07.2021 und 27.07.2021.

Über die SPÖ Parteivorsitzende wird dabei am zweithäufigsten geredet bzw. geschrieben. Und das ganz ohne Fernsehdebatte, wie wir schon einmal nachwiesen. Im Allgemeinen veranschaulicht das Politbarometer, dass über Rendi-Wagner in den letzten Tagen und Wochen eine breitere Diskussion stattfand. Durch einen Blick auf die vergangenen Monate wird das nochmals deutlicher.

Politbarometer-Abfrage für Pamela Rendi-Wagner (01.01. bis 27.07.2021)
Politbarometer-Abfrage für Pamela Rendi-Wagner (01.01. bis 27.07.2021)

Worüber wird geschrieben?

Es wird also viel über Rendi-Wagner geschrieben bzw. geredet. Stellt sich nur die Frage: worüber? Das Politbarometer hilft auch hier weiter und gibt ein genaueres Bild.

Häufigsten Themen Politbarometer Abfrage Rende-Wagner (01.-27.07.2021)
Häufigsten Themen Politbarometer Abfrage Rendi-Wagner (01.-27.07.2021)

Es sind eben nicht oben genannte Themen, die für eine (sozialdemokratische) Oppositionspartei wichtig sein könnten, über die im Zusammenhang mit der Parteivorsitzenden diskutiert wird. Es wird vor allem über den Streit zwischen Rendi-Wagner und Hans Peter Doskozil geschrieben. Das Thema „Durchschnittslohn“ rangiert nur auf Platz 9. Die SPÖ, so scheint es, stellt eine Opposition in der eigenen Partei und weniger gegen die Regierung. Für die Parteivorsitzende scheint dies der Burgenländische Landeshauptmann Doskozil zu sein.

(Wann) wird die Opposition in der eigenen Partei zu stark?

Noch im Jänner stellten wir fest, dass die Richtung von Pamela Rendi-Wagner als Oppositionspolitikerin wohl doch stimmt. Auch die Umfragewerte gingen, so Unique Research, von 20% Parteizustimmung im Jänner auf 24 % im April hoch und hielten sich auch bei 23%. Nun steht die SPÖ bei 22% – ein leichter Abwärtstrend. Und wie wir schon zeigen konnten: Die SPÖ schafft es nicht, konkrete Themen zu setzen, sondern beschäftigt sich vor allem mit sich selbst. Dass die SPÖ die Opposition in der eigenen Partei ist, zeigte sich Ende Juni am Parteitag: nur 75% der Delegierten wählten ihre Parteivorsitzende. Anschließend folgte der Streit zwischen Rendi-Wagner und Doskozil – das Hauptthema der SPÖ im Juli, wie das Politbarometer zeigt.

Ob bzw. wann die Opposition in der eigenen Partei für Pamela Rendi-Wagner zu viel wird, werden wohl die nächsten Wochen und Monate zeigen. Klar ist: SPÖ Wählerinnen und Wähler sind weiterhin stark für ihre jetzige Bundesparteiobfrau. Klar ist jedenfalls auch: wir halten euch nächstes Monat natürlich wieder auf dem Laufenden!

Hast auch du jetzt Lust bekommen, die österreichische Innenpolitik mithilfe des Politbarometers zu analysieren? Dann melde dich bei uns unter office@datenwerk.at.

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