Wie Algorithmen funktionieren – ein Buchtipp zu „Total berechenbar?“

Als das AMS vor einigen Tagen ankündigte, in Zukunft auf Algorithmen zu setzen, war die Aufregung groß. Dass dieses Phänomen nicht neu ist, erklärt Christoph Drösser in seinem Buch „Total berechenbar? Wenn Algorithmen für uns entscheiden“ . Warum die AMS-Ankündigung für Aufregung sorgte, hat damit zu tun, dass Algorithmen anders „denken“ als Menschen. Aber auch das kennen wir schon von Schachcomputern, hält der Autor in der Einleitung fest.

Vielfalt der Algorithmen

Wie Algorithmen arbeiten, beschreibt Christoph Drösser in elf inhaltlichen Kapiteln. Er erklärt, wie sieCover "Total berechenbar? Wie Algorithmen für uns entscheiden"

  1. rechnen
  2. suchen
  3. finden
  4. empfehlen
  5. verbinden
  6. vorhersagen
  7. investieren
  8. verschlüsseln
  9. komprimieren
  10. lieben
  11. und lernen.

Das Buch ist aus dem Jahr 2016 und damit nicht mehr taufrisch. Warum es trotzdem 2018 in unseren Buchtipps landet? Christoph Drösser ist Wissenschaftsjournalist. Und das heißt für die LeserInnen von „Total berechenbar?“, dass das Buch leicht verständlich beschreibt, wie die einzelnen Algorithmen funktionieren. „Wir sind nicht berechenbar!“ am Schluss darf aber natürlich auch hier nicht fehlen.

Logik der Algorithmen

Wie die elf verschiedenen Kapitel bereits erahnen lassen, folgt jeder Algorithmus seiner eigenen Logik. So kann z.B. der PageRank-Algorithmus (Kapitel 2) aufgrund verschiedener Kriterien die Suchergebnisse für Google ordnen. Im Buch zeigt Christoph Drösser, wie das mit Links und Backlinks funktioniert, und listet einige der Kriterien, die der Algorithmus berücksichtigt. Einen anderen hilfreichen Algorithmus beschreibt er in Kapitel 3: Mit einer vereinfachten Landkarte mit 13 Städten zeigt er, wie Routenplanung funktioniert. Und mit Farbtöpfen erklärt er, was ein Verschlüsslungs-Algorithmus macht und wie dieser potentiell überwacht werden könnte (Kapitel 8).

Warum Algorithmen in der Öffentlichkeit häufig negativ konnotiert sind, liegt daran, dass sie aufgrund der programmatischen Logik, Bestehendes verstärken können. Das sind dann z.B. die personalisierten Inhalte, die zu Filterblasen führen können (Kapitel 5), oder der Hochfrequenzhandel (Kapitel 7), bei dem innerhalb von Sekunden Börsenhandel betrieben und Kurse verändert werden.

Besonders problematisch werden Algorithmen dann, wenn sie aufgrund ihrer definierten Logik Vorhersagen treffen (Kapitel 6) und damit darüber mitentscheiden, wer einen Kredit bekommt oder nicht. Der aktuelle AMS-Fall wird unter anderem deshalb so intensiv diskutiert, weil hier Logiken einer Leistungsgesellschaft im Algorithmus reproduziert werden: Dass die Jobchancen von Personen mit Betreuungspflichten, von SchulabbrecherInnen und von Frauen geringer sind, entscheidet nicht der Algorithmus. Er wiederholt nur die Struktur der Gesellschaft. Er „denkt“ also anders, als Personen, die um gleiche Jobchancen bemüht sind. Dass darin natürlich Gefahren stecken, beschreibt auch Christoph Drösser, wenn er im Buch den Film „Minority Report“ ins Spiel bringt.

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Algorithmen verwirren?

Christoph Drösser schafft es mit „Total berechenbar?“ die Verwirrung der LeserInnen darüber aufzulösen, was Algorithmen können und wie sie arbeiten. Und er gibt auch Tipps, wie die UserInnen selbst Algorithmen verwirren können. Obfuscation nennt sich das. Aber diese TrackMeNot-Lösungen sind eine andere Geschichte, vielleicht sogar eine mit Treppenliften.

 

Wer von euch hat den Durchblick bei Algorithmen? Hat euch zum Durchblick ein Buch oder Blog oder Vortrag geholfen, das/den ihr gerne teilen wollt? Die datenwerkerInnen freuen sich über viele Buchtipps in den Kommentaren.

Petra Permesser

Petra weiß, was das Netz spricht. Die Kommunikationswissenschafterin und angehende Soziologin kümmert sich im datenwerk um alles, was mit Daten zu tun hat: Suchmaschinenoptimierung, Algorithmen, Ads und das Social Media Monitoring Tool "Opinion Tracker" sind Petras Metier. Außerdem tüftelt sie häufig an Story Maps und weiß, wie komplexe Software-Projekte mittels User Stories strukturiert werden können.

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