#dnp12 – free the net!

Kreide-Wegweiser zum Daten.Netz.Politik - Kongress

Am 8. und 9. September wurden aus dem Palais Kabelwerk im 12. Wiener Gemeindebezirk so viele Tweets abgesendet, wie noch nie. Dort fand nämlich zum ersten mal der Daten, Netz & Politik Kongress (#dnp12) statt. AktivistInnen, TechnikerInnen aber auch PolitikerInnen und VertreterInnen der Wirtschaft diskutierten dort zwei Tage lang über Netzaktivismus, Netzneutralität, Datenschutz, UrheberInnenrecht, Netzfeminismus und Menschenrechte.

 

Netzaktivismus: Vom Web auf die Straße?

Großen Eindruck hat wohl bei vielen TeilnehmerInnen der Vortrag von Markus Beckedahl (@netzpolitik) hinterlassen. Sehr lebendig und mit Videos untermalt demonstrierte er die Entwicklung der Anti-ACTA Bewegung von ersten Online-Videos bis hin zu Demonstrationen mit mehreren zehntausend TeilnehmerInnen. Die große Frage dieser Session war: Wann ist Netzaktivismus Netzaktivismus und wann schwappt die Welle der Online Empörung auch offline über? Denn, und das war auch Response im Rahmen der ACTA Proteste. „Dann geht’s doch auf die Straße“ – ist meist die Antwort der Politik. Das Web kann meist nicht alleiniger Umschlagplatz für Proteste sein. Doch das Web kann und muss ein Mittel zur Mobilisierung von offline-Aktionen sein. YouTube ist das neue „Flyer verteilen“. Eine Frage, die man sich hierbei aber auch stellen muss: Hängt es nicht auch vom Thema und von der unmittelbaren, persönlichen Betroffenheit ab, ob und wofür man auf die Straße geht? Würden junge Menschen auch für eine Pflegereform demonstrieren?

Wie neutral ist das Netz?

Das Thema Netzneutralität beendete den ersten Konferenz Tag. Neben einem Vortrag von Thomas Lohninger (@socialhack) diskutierten auch die Nationalratsabgeordneten Sonja Ablinger (SPÖ) und Albert Steinhauser (Grüne) und gaben zu, dass es in Österreich durchaus (innerparteilichen) Nachhol- und Diskussionsbedarf bei der Klärung gewisser Fragen in diesem Bereich gäbe.

Thomas Lohninger erklärte in seinem Vortrag Netzneutralität sowohl von technischer als auch politischer Seite. Also: Wie werden rein technische bestimmte Dienste in bestimmten Ländern/Regionen oder von bestimmten Anbietern blockiert bzw. bevorzugt? Aber auch: Wer hat ein Interesse, dass bestimmte Dienste und Angebote bevorzugt oder blockiert werden? Ziel soll eine Gleichbehandlung aller TeilnehmerInnen am Internet sein. Dazu braucht es vorab auf jeden Fall eines: Transparenz. Wie haben es die Provider bereits jetzt mit der Netzneutralität? Wann wird wo gedrosselt, verlangsamt, blockiert oder bevorzugt?

Wer schützt meine Daten?

Auch das Thema Datenschutz und UrheberInnenrecht wurden am DNP12-Kongress thematisiert. Denn, und auch das kam am DNP12 gut heraus: gemeinsam sind wir und unsere Ideen stärker und „besser“.

Netzfeminismus

Schon im Vorfeld sorgte der DNP12-Kongress für diverse Aufschreie im Web. Um die Teilnahme von Frauen am Kongress zu fördern, gab es vergünstigte Tickets für Teilnehmerinnen. Und schon in der Begrüßungssession wurde festgehalten, dass es erklärtes Ziel ist den Frauenanteil (am Kongress 1/3 Frauen, 2/3 Männer) auf 50% anzuheben und dazu weitere Maßnahmen zu setzen. Der Netzfeminismus-Workshop am zweiten Tag war dementsprechend gut besucht (von Männern und Frauen). Wichtig war hierbei vor allem die Klärung, dass das Netz nicht als separater Raum wahrgenommen werden darf. Real existierende Machtverhältnisse spiegeln sich im Web wider – daher ist es auch „nichts Neues“, dass dort Männer und Frauen in unterschiedlicher Intensität diskutieren. Der Unterschied liegt dennoch oft in der Härte und Untergriffigkeit der Online-Diskussionen.

Fazit

Für das erste Mal kann man durchaus von einem sehr gelungenen Kongress sprechen! Ein Lob an dieser Stelle an das Organisationsteam. Wünschenswert wäre allerdings die Anwesenheit von mehr Personen aus der aktiven Politik. Hier hat sich erneut gezeigt, dass auch die Netzpolitik innerhalb der politischen Parteien noch ein wenig „Stiefkind“ ist und ihre Wichtigkeit noch nicht vollends erkannt wurde. Die datenwerkerInnen haben auf jeden Fall viel gelernt und die Diskussionen am Kongress sehr geschätzt. 2013 sind wir sicherlich wieder dabei!

 

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