Onlinemitmachdemokratie: geht das?

Es dauert nicht lange, da landet die Gruppe wieder bei der Gretchenfrage. Wie geht die Einbindung von Menschen in Entscheidungen, die sie betreffen, über eine einmalige Rückmeldung hinaus? Wie kommt eine Institution oder öffentliche Einrichtung mit BürgerInnen in Dialog, anstatt ihnen nur einmal eine Feedback-Möglichkeit einzuräumen? Und wie können viele individuelle, sich vielleicht sogar widersprechende Rückmeldungen so bearbeitet werden, dass beteiligte BürgerInnen zufrieden sind? 

 Wertestudie oder BürgerInnenbeteiligung?

Siegfried Pfeifer ist aus Innsbruck nach Wien angereist. Er arbeitet in der Jugendabteilung des Landes Tirol und ist dort für politische Bildung zuständig. Eine Jugendstudie, die unter anderem unter seiner Regie durchgeführt worden ist, hatte sensationellen Rücklauf. Das Design der Studie ist so partizipativ, wie es geht: 800 Jugendliche schickten Fragen ein, die in das Design der Jugendstudie einflossen. Der Fragebogen wurde schließlich von über 3.000 jungen Menschen in Tirol beantwortet. Schwieriger wird es bei der nächsten Schleife: Denn die Wertestudie soll jetzt politisch implementiert werden. Und da liegt der Hase im Pfeffer: Wie motiviert man Menschen, die digital partizipieren, auch ein zweites Mal mitzumachen?

Weiche Fragen, harte Arbeit

Zweites Beispiel, aus der Bundeshauptstadt: Kirsten Neubauer von der Agentur „neu und kühn“ erzählt von der „Wiener Charta“: Ein Projekt der Stadt Wien, das in einem partizipativen Prozess Konfliktfelder ausmachen und Lösungsmöglichkeiten für Dauerbrenner erarbeiten soll. Gemeinsamer Nenner mit dem Tiroler Projekt: Durchdachtes, schlüssiges Design des Partizipationsprozesses. Aber auch hier berichtet die Zuständige davon, dass es schwierig gewesen sei, Menschen zu erreichen, die sich nicht ohnehin an derartigen Prozessen beteiligen. Die gestellten Fragen seien möglicherweise zu abstrakt und zu „weich“ gewesen, um an den harten Kern derer heranzukommen, die sonst in der Öffentlichkeit eine zu wenig laute Stimme haben.

Nicht reden, tun

Diese wichtigen Fragen zur Problematik von digitaler BürgerInnenbeteiligung, verdanken gut 100 TeilnehmerInnen dem Team um Julian Ausserhofer. Eine Patentösung für die aufgeworfene Frage nach längerfristigen Beteiligungsformaten konnte auch das „parcamp e-partzipation“ nicht anbieten. Aber die Richtung der Optimierung von digitaler Partizipation und von BürgerInnenbeteiligung im Allgemeinen war klar: Es ist ein bisschen, wie bei jedem Prozess. Umsetzungskompetenz ist gefragt. Nichts ist schlimmer als Partizipationsillusion. Wer BürgerInnen – analog und digital – beteiligt, muss davor präzise offenlegen, was mit den Ergebnissen passiert. Verboten sind leere Versprechungen. Wer BürgerInnen enttäuscht, die sich beteiligen, vergrault sie nämlich für sehr lange Zeit.

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