Hat es dir gefallen? TEDxVienna Salon über „the future of intimacy“

Am 6. Mai stellten beim TEDxVienna Salon im MAK sieben Vortragende die „Zukunft der Intimität“ zur Diskussion.

Der ganze Abend oszillierte zwischen Sex und Intimität, zwischen schwül und trocken. Die Goodiebags waren gefüllt mit Kondomen und expliziten Illustrationen, die das Publikum in eine eindeutige Erwartungshaltung drängten. Die Talks erfüllten nichts davon sondern präsentierten stattdessen Fragen zu Intimität, Interkulturalität, Einwilligung, Kontext und – ok, in der zweiten Hälfte wurden Sexspielzeuge präsentiert und es ging um Pornographie. Aber auch hier waren die expliziten Begriffe (bei denen das Publikum auflachte, als hätte es nur darauf gewartet endlich „fuck“ oder „porn“ zu hören) Ausgangspunkte für einen wichtigen Diskurs. Die Ambivalenz des Abends spiegelte sich auch am Twitter-Kanal von TEDxVienna wider, wo nicht nur die Veranstaltung begleitet wurde, sondern auch gelinde gesagt „merkwürdige“ Aufreißtipps (für die BesucherInnen der Aftershowparty?) gegeben wurden. Diese Tweets wurden mittlerweile wieder gelöscht und durch eine Entschuldigung ersetzt.

Drei Fragen

Für mich kreisten die Präsentationen um diese drei Fragen:

  • Was ist Intimität ohne Mensch-sein?
  • Gefällt es dir?
  • Warum überlassen wir der Porno-Industrie die Sexualerziehung?

Eingebettet waren die Fragen in die Tatsache, dass „neue Medien“ den Umgang zwischen Menschen verändern; ja eh. Wie wir miteinander kommunizieren, wie wir uns kennenlernen, wer sich überhaupt kennenlernt und wie wir in Kontakt bleiben verändert sich. Dazu gehört auch: wie halten wir Intimität aufrecht? Geht das überhaupt?

Antworten?

Anregungen zu den Fragen boten mir vor allem die Vortragenden Dan Chen, Amy Adele Hasinoff und Yana Tallon-Hicks. Die anderen Präsentationen und auch die „Sexhibition“ während der Pause lieferten weitere Aspekte über Intimität, Körper und Medien, die zwar gut zu konsumieren waren – aber letztendlich für mich zu diffus. Hier gibt es die Liste der Vortragenden.

Intimität ohne Mensch-sein

Die schönste Art, Fragen zu beantworten, ist doch, dem Publikum ein Erlebnis zu bieten, um selbst Antworten finden zu können! Das ist Dan Chen gelungen, der mit seinen Robotern die Frage nach der Intimität ohne Mensch-sein körperlich erlebbar machte. Was geht in uns vor, wenn abstrakte Roboter-Hände unsere Hand halten, weil Händchenhalten wichtig für Menschen ist? Oder die sanfte Berührung – kann das der „soft touch“ Roboter ersetzen? Warum sind wir als Menschen überwältigt, wenn Roboterfellwürfel vibrieren und schnurren, wenn wir sie berühren? Weil wir alles vermenschlichen? Mit der „nostalgic touch machine“ hat Chen etwa eine typische Berührung seiner mittlerweile verstorbenen Oma aufgezeichnet. Er könnte sie also jederzeit reproduzieren und nochmals fühlen… hat er aber bisher nicht. Und ganz provokant der „last moment roboter“, der sterbende Menschen streichelt, sie haltet und „für sie da ist“. Um nicht alleine sterben zu müssen? Oder doch alleine? Dan Chens Roboter – Toolkit „making friends by making them“ war ein Magnet während der Pause.

Die explizite Einwilligung

Die Forderung nach einer expliziten Einwilligung und Übereinkunft aller Beteiligten, bevor es zu Sexting, Sex oder anderen Varianten des intimen Erfahrungsaustauschs kommt, zog sich wie ein roter Faden durch so gut wie alle Vorträge, im Besonderen denen von Amy Adele Hasinoff und Yana Tallon Hicks. Hasinoff widmet sich in ihrer Forschung dem „Sexting“, das dann als Bedrohung wahrgenommen wird, wenn die PartnerInnen „vergessen“, ihre gegenseitige Einwilligung zu geben (oder wenn die Nicht-Einwilligung ignorniert wird).

Yana Tallon Hicks trieb es mit ihrem Vortrag weiter und fragte sinngemäß: woher sollen Menschen, die neue Technologien nutzen und damit/davon lernen, wissen, wie man Einwilligungen bekommt oder gibt? Letztendlich stellte sie die Frage:

Warum überlassen wir der Porno-Industrie die Sexualerziehung?

Denn darauf läuft es hinaus. Obwohl Sexualerziehung z.B. in Österreich seit den 1970er Jahren verpflichtend ist, lernen laut Tallon-Hicks die Jugendlichen nicht das, was sie lernen wollen und sollten. Dann schauen die Kids schon lieber Porno, was ja mittlerweile ganz leicht ist. Aber was lernen sie vom „mainstream“ Porno? Tallon-Hicks analysiert das in ihren Sex-Workshops für Jugendliche: Sie lernen, dass Männer es einfach tun (make or fake – it doesn´t matter) und dass Frauen besser still sind. Was sie nicht lernen: wie man über Sex, Vergnügen und die eigenen Wünsche spricht. Den Jugendlichen fehlen die Wörter – etwas, das wir ihnen geben müssen. Wir? Ja. “Teach your young person about consent. Teach them the words to know how to practice it” sagt Tallon-Hicks im Gespräch mit FM4 am Tag vor der TEDxVienna-Veranstaltung.

Exakt 10 Minuten

Insgesamt ist es natürlich faszinierend, an einer TEDxVienna-Veranstaltung teilzunehmen und die „Choreografien“ wirken zu lassen. Die Präsentationen haben einen guten Schwung, einen erzählerischen Bogen, beziehen persönliche Geschichten und das Publikum mit ein. Sie geben einen Überblick, stellen zentrale Fragen und haben einen stimmigen Schluss. Und sie dauern exakt 10 Minuten.

Andere Meinungen?

So fasst sich TEDxVienna selbst zusammen: Oh my god, we got intimate!

Maria Schreiber: you gotta rub it the right way!

futurezone: Wie Technik Nähe trotz Ferne vermitteln kann

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