Über Olympia twittern ist wie „Tabu“ spielen

Am Montag jubelte Österreich auf Facebook und Twitter, als das Beachvolleyball-Duo Doppler/Horst die brasilianischen Weltmeister in einem spannenden Spiel besiegte. Selbstverständlich haben an der Diskussion Beteiligte auch den passenden Olympia-Hashtag #Rio2016 verwendet. Ob sie damit eine Markenrechtsverletzung begangen haben, ist ein juristischer Graubereich. Das IOC definiert in #Rule40 genau, welche Begriffe und welcher Content nicht genutzt werden darf. „Rio 2016“ sowie der dazugehörige Hashtag sind eingetragene Markennamen und dürfen nur unter bestimmten Bedingungen genutzt werden. Dasselbe gilt über auch für sämtliche andere Wortkombinationen rund um Olympia, Sommerspiele, Brasilien, usw. (BBC listet verbotene Wörter hier.) Wer die Spiele nicht offiziell sponsort oder offiziell berichtet, darf diese Begriffe laut strengem olympischen Reglement nicht nutzen. Begründet wird #Rule40 mit dem Verbot von Ambush Marketing.

Begriffe vermeiden als Awareness-Kampagne

#Rule40 führt aber auch dazu, dass Olympia-TeilnehmerInnen auf SponsorInnen und damit auf für die Existenz wichtiges Geld verzichten müssen. Und das gilt auch 2016, wo #Rule40 bereits – so nennt es das IOC – „aufgeweicht“ und nur auf die Zeit der Olympischen Spiele beschränkt ist. Unser Social Media Monitoring Tool Opinion Tracker findet hier eine Kampagne aus den USA, die Fans dazu auffordert, unter dem Hashtag #freebird16 auf das Verbot hinzuweisen.

Screenshot aus dem Opinion Tracker zu #freebird16 Screenshot aus dem Opinion Tracker zu #freebird16 Screenshot aus dem Opinion Tracker zu #freebird16

Auch die Kampagne von rule40.com weist auf die finanziellen Probleme hin, die SportlerInnen durch das IOC-Reglement entstehen. Auf ihrem Instagram-Account werden täglich Reglement-konforme Updates gepostet. Und auf ihrer Website gibt es Bilder zum Download und zur Verbreitung auf Social Media, die das Reglement kritisieren.

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Und was darf ich twittern?

In der Praxis wird zum Glück nicht alles so heiß gegessen, wie gekocht. D.h. dass der Fokus trotz breiter Definition im Reglement auf einer kommerziellen Absicht liegt. Damit sind Privatpersonen auf Twitter auf der sicheren Seite oder auch das Schlupfloch, wie es #freebird16 nennt. Aufpassen sollten nur Twitter-UserInnen, die in ihrem Profil ihren Arbeitsplatz in einem Unternehmen angeben, aber nicht darauf hinweisen, dass sie Twitter privat nutzen. Ihnen könnte kommerzielle Absicht unterstellt werden.

 

Petra Permesser

Petra Permesser

Petra weiß, was das Netz spricht. Die Kommunikationswissenschafterin und angehende Soziologin kümmert sich im datenwerk um alles, was mit Daten zu tun hat: Suchmaschinenoptimierung, Algorithmen, Ads und das Social Media Monitoring Tool "Opinion Tracker" sind Petras Metier. Außerdem tüftelt sie häufig an Story Maps und weiß, wie komplexe Software-Projekte mittels User Stories strukturiert werden können.

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1 Antwort

  1. 11. August 2016

    […] Am Mittwoch, dem 10.8. Abends ist Yusra Mardini in den 100m-Kraul-Vorläufen wieder zu sehen. Ein Halbfinaleinzug würde die Herzen der Online-Community noch höher schlagen lassen. Warum wir als datenwerk aber nicht die Daumen dafür drücken dürfen, verraten wir im nächsten Blogpost. […]

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