Postest du noch oder wählst du schon?

Ihr wollt wissen, wer die Bundespräsidentschaftswahl gewinnt? Wir auch! Aus dem Opinion Tracker, datenwerks Social Media Monitoring Tool, kann man viel über die Wahl herauslesen.

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Second-Screen: Je kontroverser desto mehr

Vergleichen wir die Anzahl der Meldungen in Social Media und Web News in den letzten 2,5 Wochen für Alexander van der Bellen und Norbert Hofer, so zeigt sich folgendes:

  • Die Anzahl der Nennungen pro Tag folgt einem ähnlichen Muster.
  • Über Alexander van der Bellen wird mehr geschrieben.
  • Die häufigsten Meldungen gibt es an den Tagen mit TV-Duellen und den Tagen danach.

Vor der Stichwahl im Mai war das übrigens genauso.

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Export aus dem Opinion Tracker: Vergleich der Tracks zu „Alexander van der Bellen“ und „Norbert Hofer“ im Mai 2016

Export aus dem Opinion Tracker: Vergleich der Tracks zu "Alexander van der Bellen" und "Norbert Hofer" im November 2016

Export aus dem Opinion Tracker: Vergleich der Tracks zu „Alexander van der Bellen“ und „Norbert Hofer“ im November 2016

Im November führte das Duell auf Puls 4 zu mehr Nennungen der beiden Kandidaten online. Die Auswertung dieser Spitzen zeigt also:

  • Die Second-Screen-Nutzung bei politischen Fernseh-Debatten lässt sich mit dem Opinion Tracker klar quantifizieren. D.h. das Tool weiß, wie viele Personen während des Duells auf Facebook oder Twitter Kommentare zu einem der beiden Kandidaten abgegeben haben.
  • Je kontroverser ein Fernsehduell erscheint, desto mehr wird darüber diskutiert. Im aktuellen Fall ist das beim Puls 4-Duell zwischen Alexander van der Bellen und Norbert Hofer mit der Moderatorin Corinna Milborn deutlich. Was wir auch sehen: Das Einzelinterview mit Norbert Hofer, das Corinna Milborn am Folgetag (21. November) geführt hat, hat trotz aller Kritik, die die FPÖ-AnhängerInnen an der Moderatorin geäußert haben, bei weitem nicht so viel Resonanz ausgelöst.

Wir sind gespannt, was die Anzahl der Nennungen beim/nach dem TV-Duell in ORF2 am 1.12.2016 zeigen wird.

Entscheidend ist: Was und wie wird gesprochen?

Die Angabe der Nennungen sagt natürlich nichts über das Wahlergebnis aus. Nehmen wir zum Vergleich Zahlen aus den US: Hier lag Hillary Clinton in den Wochen vor der Wahl bei der Anzahl der Nennungen – knapp aber doch – vor Donald Trump. In den drei Tagen vor der Wahl sowie im langfristigen Trend konnte Donald Trump die Statistik für sich entscheiden. Entscheidend ist also, was und wie über die KandidatInnen gesprochen wird.

Demotracks zur Präsidentschaftswahl

Was und wie über die beiden Kandidaten geschrieben wird, könnt ihr euch in unseren Demotracks selbst anschauen:

Demo-Track Alexander van der Bellen
Demo-Track Norbert Hofer

Was ihr auch sehen könnt: Der Opinion Tracker schafft es, einen Blick in die Echokammern sowie Algorithmus-Filterblasen zu werfen. Das geht entweder manuell, wie es beispielsweise der Falter-Journalist Florian Klenk gerade testet, oder algorithmusfrei mit den Daten, die der Opinion Tracker über die Facebook-API bezieht. Ob damit die Opinion Leader den viel beschworenen Kontakt zu ihrem „Volk“, den sie verloren haben sollen, wieder finden können, ist fraglich.

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Tweet von Donald Trump am 27.11.2016

Sollen PolitikerInnen wirklich in eine postfaktische Welt eintauchen, um den Kontakt zu ihrem „Volk“ wiederherzustellen? Was dabei rauskommt, zeigt ein aktueller Tweet von Donald Trump, der ohne weitere Angabe von Quellen von massivem Wahlbetrug spricht. Dass Social Media nicht nur selbsternannte SozialverliererInnen anspricht und ihnen eine Stimme gibt, zeigt die Bewegung rund um Bernie Sanders. „Feel the Bern“ hat zu einer großen Präsenz auf Facebook und Twitter geführt und neue Plattformen wie „Bernie BNB“ entstehen lassen.

Ende der Theorien mit Big Data?

Lassen sich unerwartete Wahlerfolge wie der von Donald Trump oder den Brexit-BefürworterInnen mit Social-Media-Analysen erklären? Oder anders formuliert: Kann der Opinion Tracker den Sieger der Bundespräsidentschaftswahl am 4.12. vorhersagen? Nein, aber: Die Menge an Daten kann zu einer Erklärung beitragen. Es ist also nicht so, dass Big Data Analysen zum vielbeschworenen Ende der Theorien führen. Dieser Analyse liegt übrigens die Annahme zugrunde, dass Social Media Analysen eine Vollerhebung aller Kommunikation ist. Es gibt aber auch Personen, die online nicht kommunizieren und daher auch nicht erfasst werden können. Wolfgang zitiert hier gern Viktor Mayer-Schönfeld:

„Mehr Daten bedeutet, dass wir mehr Theorie brauchen.“

Ich bin gespannt, was da noch auf uns zukommt …

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