Meanwhile in Berlin, oder: Grüße aus der Blase

Die re:publica in Berlin startet in den zweiten Konferenztag. Gestern Abend stand noch die „Rede zur Lage der Nation“ von Sascha Lobo an, aber die muss man sich am besten wirklich selber anschauen: https://m.youtube.com/watch?v=3hbEWOTI5MI

Den Abschluss des sehr intensiven ersten Tages bildete eine Runde Bingo. Katzen-Laser-Sticker inklusive.

 „Broken Comment Culture“

Der Vormittag von Tag zwei stand (zumindest bei mir) ganz im Zeichen von Online-Aktivismus und der „Macht“ von Online-Kommentaren. In ihrer Session gleich am Morgen erklärte Teresa Bücker die Tücken von Kommentaren im Netz aus Sicht von AktivistInnen. Die Härte und der Ton der Kommentare, die im Netz oftmals auf politische Menschen einprasseln führt oft dazu, dass sich Aktivistinnen (z.B. aus der feministischen Szene) schnell zurückziehen oder sich gar selber von Vornherein zensurieren, aus Angst zu viel Staub aufzuwirbeln und mit Hass-Kommentaren überflutet zu werden. Aber auch an die politischen Communities selbst wurde appelliert – statt neue, eigene Regeln und Normen aufzusetzen und Menschen sofort anzuprangern, wenn sie etwas vermeintlich „Falsches“ sagen, ist nicht die Lösung. Viel mehr muss man „das Problem“ von den Menschen/den UserInnen losgelöst betrachten und unsere „Kritik auf den Akt, nicht auf die Person konzentrieren“.

Anknüpfend daran passte die Session von Ingrid Brodnig vom Falter (gemeinsam mit Teresa Bücker) perfekt ins Bild. Hier ging es eher darum, zu analysieren welche Verantwortung Medien haben, wenn es um Kommentare in ihren Online Foren geht. Sollen sie eingreifen? Gar alle Foren sperren? Oder gibt es einen konstruktiven Weg den Trollen Herr zu werden? Das Fehlen nonverbaler Signale macht Diskussionen im Netz oft schwierig. Man kann einem anderen User/einer anderen Userin nicht mal schnell über ein Kopfschütteln sagen, dass man nicht ganz einverstanden ist. Niemand würde „in Real Life“ Dinge so hart und direkt ausdrücken, wie im Netz. Die Möglichkeit der Anonymität im Netz trägt ebenso ihren Teil zur Härte der Netz-unterhaltungen bei.

Ingrid Brodnig brachte interessante Beispiele: z.B. den Guardian, bei dem es die JournalistInnen selber sind, die entscheiden, ob unter ihren Kommentaren ein Forum eingerichtet wird und die, wenn es Kommentare gibt auch mitdiskutieren sollen. Oder auch Foren, in denen Kommentare nicht chronologisch, sondern nach „Qualität“ bzw. „Konstruktivität“ gereiht werden. Auf die Publikumsfrage, ob es Medien denn gestattet sein soll, zu entscheiden was „gute oder schlechte“ Kommentare sind, konterte Brodnig entschlossen, dass Medien es nicht immer allen recht machen sollen und durchaus „Haltung beweisen“ sollten. Zusätzlich solle man als Journalist/Journalistin die UserInnen beim Schreiben ruhig mal mitdenken.

Es geht auch anders!

Gerade aus diesen beiden Sessions kann man viel mitnehmen. Viel über das eigene Kommentarverhalten nachdenken und es selber besser machen. Im eigenen Blog oder auf der eigenen Facebook-Seite zum Beispiel. Nein, man muss sich nicht alles gefallen lassen. Und nein, man muss es eben nicht allen recht machen. Löschen ist ok, so lange man Regeln transparent kommuniziert und auch sagt, warum etwas entfernt wurde und dabei darf man ruhig mal mutig sein. Bestimmte Begriffe und Beleidigungen müssen einfach nicht sein, Beschimpfungen muss man nicht stehen lassen. Überlassen wir den Trollen nicht das Feld. Zeigen wir alle Haltung!

Tag 2 ist natürlich noch lange nicht vorbei. Mehr gibt es dann in den folgenden Tagen!
Gruß aus Berlin, wir lesen uns!

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